Ko basist zapoje…(2015)
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Vrba na Koroškem (Velden Am Wörthersee) / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 09.09.2015
Besucherzahl: 60
Kartenpreis: 28,00€ (Vorverkauf) / 32,00€ (Abendkasse) / Kelag-Mitglieder 23,00 € / Studenten 20,00 €
Was fällt euch ein, wenn ihr den Namen Marco Mendoza hört? Die meisten von euch haben wahrscheinlich an die Zeit vor zehn Jahren gedacht, als Marco Mendoza mit Whitesnake auf Tour war und als Bassist auf ihrer CD „Live…In the Still of the Night“ auftauchte. Nun, Whitesnake sind zwar nicht in die Bluesiana gekommen, aber Marco Mendoza schon – und er hatte sich vorgenommen zu zeigen, dass man auch von einem „einfachen Bassisten“ eine richtig starke Rockshow zu hören bekommt.
Über die Gastfreundschaft der Veldener Bluesiana haben wir dieses und auch in den vergangenen Jahren schon mehrfach geschrieben – und wir haben auch gesagt, dass sie sich mit Worten kaum beschreiben lässt – man muss sie einfach selbst erleben. Auch diesmal begrüßte uns der Star des Abends schon vor dem Club, entschuldigte sich, dass er noch kurz unter die Dusche müsse, und komme dann wieder. In der Bluesiana ist so eine Freundlichkeit und Nahbarkeit der größten Stars nichts Besonderes, denn die intime Atmosphäre sorgt dafür, dass die Auftretenden keine Probleme mit einer allzu aufdringlichen Menschenmenge haben.
Vor dem Konzert – obligatorisches Bier. Und natürlich ein Plausch am Tischchen beim Kamin, der diesmal allerdings nicht brannte, weil es im Club angenehm warm war. In diesem gemütlichen Ambiente warfen wir neugierige Blicke zur Bühne und fragten uns, was uns heute Abend wohl alles erwartet.
Mit wem hat Marco Mendoza eigentlich noch nicht gespielt? Ein Blick auf seinen Lebenslauf offenbart eine beeindruckende Reihe klingender Namen – von den bereits erwähnten Whitesnake über Thin Lizzy bis hin zu deren Ableger Black Star Riders. Er hat mit John Sykes und Ted Nugent gespielt, und im November können wir ihn in Europa erneut als Bassisten der Supergruppe The Dead Daisies erleben, die in Zagreb auch als Vorband von Whitesnake auftreten wird.
Marco Mendoza kam in die Bluesiana natürlich nicht allein – begleitet wurde er von einer europäischen Begleitband, nämlich dem Gitarristen italienischer Herkunft Fabio Cerrone, dem zweiten Gitarristen aus Wien namens Elmar Castillo sowie dem Schlagzeuger Pino Liberti.
Marco Mendoza hatte in der Bluesiana schon vor Jahren gespielt, also kannte er den Ort gut. Und gleich zu Beginn bat er ganz unkompliziert, ob man ihm die Hälfte der Bühnenlichter ausmachen könnte, damit er das Publikum sehen kann. Leider bietet ein einfacher Club wie die Bluesiana da nicht viel Spielraum – entweder sind die Lichter an oder aus. Na ja, Marco ließ sich davon nicht weiter stören – er stieß einfach den Kopf seines Basses gegen jeden einzelnen Scheinwerfer, um das Licht zur Decke umzulenken, und schaute dann zufrieden auf die Zuschauer unter der Bühne.
Marco Mendoza veröffentlichte 2010 sein zweites Soloalbum mit dem Titel Casa Mendoza, im Konzert stützte er sich aber vor allem auf sein Solo-Debüt von 2007 mit dem Titel Live for Tomorrow. Sobald er das Publikum mit den Augen erspüren konnte, entspannte sich Marco vollkommen. Zu jedem gespielten und gesungenen Song erzählte er eine Geschichte, die ihn dem Publikum noch näher brachte. Marco bewies, dass er nicht nur ein außergewöhnlich guter Bassist ist, sondern auch ein Sänger. Seine Stimme ist warm, einladend und verführerisch, und mehrmals während des Konzerts bat er das Publikum, die Augen zu schließen und seine Musik einfach zu fühlen. Das Quartett auf der Bühne wirkte sehr eingespielt, trotz der zahlreichen improvisierten Einschübe, mit denen Marco seine Songs bereicherte. Seine Songs schmückte Marco aber nicht nur mit Spiel und Gesang – neben den Liedtexten erklang aus seinem Mund zwischen den Songs auch eine ganze Palette von Perkussionsgeräuschen, vom Imitieren von Tam-Tam-Trommeln bis hin zu verschiedenen Glocken und Röhren. Im perfekten Rhythmus und natürlich in vollständiger Abstimmung mit dem Schlagzeug von Pino Liberti.
Zwischen die künstlerisch dargebotenen Eigenkompositionen wie I Want You, Your Touch, You Got Me, In My Face und weitere webte Marco geschickt einige Coverversionen ein. So konnten wir erleben, wie gefühlvoll anders, aber keineswegs weniger ansprechend, Songs von James Brown, Neal Schon und Carlos Santana in einem etwas anderen Gewand klingen. Die europäische Begleitmannschaft beobachtete jeden Schritt von Marco und folgte ihm auf Schritt und Tritt fehlerfrei. Die Präsenz zweier Gitarren sorgte dafür, dass das Konzert stellenweise deutlich rockiger ausfiel als erwartet, andererseits rührte Marco mit Blues-Balladen und emotionalen Texten jede einzelne Seele im Publikum. Die echte Mischung aus knackigen, betonten Rhythmen und zarter Sanftheit ließ absolut niemanden kalt.
Marco Mendoza zeigte beim Konzert aber nicht nur, dass er ein außergewöhnlicher Musiker ist, sondern auch ein unglaublich herzlicher Mensch. Einer, der mit jedem im Club spricht, der zuhören kann und der die schweren Zeiten versteht, in denen wir leben. Genau deshalb sagte er, er wolle, dass jeder den Club mit einer seiner CDs in der Hand verlässt – und wer das Geld dafür nicht hat, dem schenkt er sie einfach. Ich weiß nicht, wie viele CDs er am Ende verschenkt hat, aber die Geste zählt trotzdem.
Marco Mendoza ist auf jeden Fall ein Mensch, den es sich lohnt kennenzulernen. Er hat eine mitfühlende und sanfte Seele, die auch aus seinen Songs spricht – und die manchmal ein echter Rockvulkan aufwühlt. Es ist noch möglich, ihn dieses Jahr mit The Dead Daisies zu erleben – das nächste Mal aber bitte sein Solokonzert nicht verpassen.
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