Kill the Engine

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: GHB (Grega Habič Band)
Label: Eigenverlag
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 38:54
Bewertung: 4.5/5

Wenn es irgendwo unter der hellen Sonne des Šentflorjan-Tals jemanden gibt, der wirklich die Voraussetzungen mitbringt, um seinem Künstlertum die Stempel »D.I.Y.« (mach’s selbst) und »indie« (unabhängig) zu verleihen, dann ist das ganz sicher der ungezähmte Gitarren-Guru und große musikalische Visionär aus Jesenice, Grega Habič. Drei Jahre sind seit dem Album »Open Heart Surgery« vergangen. Im Nu. Und da ist das neue Album. Wieder geprägt von Gregas einzigartigem musikalischen Charakter. Dem ist niemand ebenbürtig. Deshalb ist auch »Kill the Engine« genau das Richtige für alle anspruchsvollen und aufmerksamen Musik-Gourmets, die sich nur das beste musikalische Experiment gönnen – eines, das sich nicht um Klischees und generische, ausgelutschtete Inhalte schert. Nachahmern ist der Zutritt auch diesmal wieder strikt verboten!  

»Kill the Engine« ist im ersten Teil ausgesprochen düster (Opener A World) und ordentlich metal-vampirisch aufgeladen. Sprich: extrem laut. Aber wir reden hier nur vom Einstieg. Der spuckt Feuer und hält sich beim Freisetzen der Dezibel nicht zurück. Thrash gekreuzt mit einer progressiven Note experimentellen Wahnsinns klingt wieder frisch, abenteuerlich und ganz eigenständig. Wie Eigenständigkeit ohnehin das erste Merkmal des gesamten bisherigen Schaffens dieses großen Musikmeisters ist, so wird sie mit Frische auf dem neuen Album »Kill the Engine« weitergeführt. Der entgleist aufgeblasene Brecher »A World« legt den ganzen Abscheu des Künstlers gegenüber der Entmenschlichung der »zivilisierten« Gesellschaft bloß – einer Gesellschaft, die im Abgrund emotional und geistig beraubter Verwahrlosung umherirrt, ohne einen Funken Haltung und Respekt gegenüber moralischen Werten und Mitgefühl für den Nächsten. Nachdem Grega in dieser metallischen Eröffnungsfantasie seine ganze Galle und Wut über den Quasi-Moralismus seelenbesorgter Prediger ausgeleert hat, erhebt sich das Album über zwei erstklassige Stücke. Das erste davon, Diluted, ist ein hervorragendes Gemisch aus Jazz-Fusion-Können, durchzogen von Metal-Phrasen, wobei die Gitarrenfiguren meisterhaft durch melodisch bewegliche Basslinien entfaltet werden – und als besonderes Gewürz in den ruhigeren Passagen erklingt das wohltönende Klavier. Bei diesem Stück arbeitet erneut der erfahrene amerikanische Musiker und sein großer Freund Jesse Adams mit Grega zusammen. Adams‘ Hip-Hop-Einlage hätte sich nicht besser in die Komposition einfügen können. Kratzendes, unnachgiebiges Predigen! Das dritte Stück, Cerberus, präsentiert einen Track, hinter dem drei Gitarrenmeister ihre Kräfte vereint haben. Der erste ist natürlich Grega, der die kompositorische Idee für das Album mitgebracht hat; ihre virtuosen Töpfchen haben der erfahrene Mark Lemer und der junge Tim Draksler (Cordura) beigesteuert. Es handelt sich um ein Instrumental mit unvorhersehbaren Stimmungswechseln und einer wunderbaren Symbiose der drei Gitarren, bei der die expressiven Ansätze aller drei Meister leicht zu unterscheiden sind – das fügt dem Stück natürlich zusätzliche Reize hinzu (die willkommene Komponente des »Art-Wahnsinns«) und hebt seine Qualitäten weiter an.

Die anfängliche Wut ist vorbei. Im weiteren Verlauf bringt das Album mehr Ruhe; Grega erprobt dabei die Verknüpfung einiger Ideen, die er bis dato auf früheren Alben noch nicht ausprobiert hatte. Die erste davon ist Under A Big Black Cloud, wo er seine experimentellen Jazzlinien an das Muster eines Wassertropfens (»schwarze Wolke«) knüpft – was zumindest klanglich klingt wie das Tropfen von Wasser aus einem Duschkopf in der heimischen Badewanne (aber das ist nur eine der möglichen Assoziationen). Ein ruhiges, melancholisches Stück, in dem Grega sein angeborenes Talent und Gespür für die unvorhersehbare, elastische Kinetik der ansonsten ausgesprochen kompatiblen Leitmotive entfaltet – durch sie strahlt die große Ausdruckskraft der Jazz-Charakteristiken, die der Geist des Genies Grega Habič in sich trägt. Tired Of Everything ist ein typischer Art-Gitarren-Rock-Track, der einmal mehr das expressive Unikat von Gregas Musik verkörpert. Auf seine eigene Art ist er vergleichbar mit Tracks jener internationalen Gitarrenmagier weltberühmter Namen wie etwa Paul Gilbert oder Tony MacAlpine.

Bei Grega Habič muss man unbedingt berücksichtigen, dass das Element des Neoklassizismus  in den Hintergrund gedrängt wird, soweit es überhaupt präsent ist (im Titelstück). Grega stellt immer das Element der Jazzmusik in den Vordergrund und verknüpft dieses mehrfach klug mit seinem Gespür für Musikalität (Turn the Knife). Daran geht er natürlich heran wie ein echter urwüchsiger Virtuose, der nur seinem Herzen folgt und auf jeden Trend pfeift. Und das zählt. Das Album »Kill the Engine« ist ein neues absolutes Unikat und ein neuer Entwicklungspunkt im mittlerweile greifbaren diskografischen Erbe dieses Musikmeisters, den der unverfälschte innere Ruf des freigeistigen Experiments zum Schaffen antreibt. Grega versteht es also, vom experimentellen Gaspedal zu »gehen« und der Melodie Raum zu geben, wann immer die Notwendigkeit, die Kompaktheit der Stücke zu wahren, es verlangt (der Ausgang der hervorragenden Never There), und dieses Element funkelt meisterhaft auch durch das abschließende, sanft bluesig und sogar country-artig »gebogene« Goodbyes.

Das neue Album bringt wieder ein außerordentlich variables Maß an musikalischen Ideen. Vor allem charakterisiert es der extrem laute Eröffnungsteil mit drei Stücken sowie die anschließende »klangliche Beruhigung«, bei der die Elemente des Jazz-Experimentierens die übrigen Genreelemente dominieren. Auf dem neuen Album hat Grega die Organik des Klangs in der Produktion weiter ausgebaut, neben einigen äußerst mutigen Einsätzen moderner Klangtechniken (Diluted). Stellenweise ein äußerst düsteres, melancholisches Album, das die Gefühle, Emotionen und Leidenschaften Grega Habiča als Individuum und Künstler auf sehr authentische Weise zum Ausdruck bringt. Es ist ein neues authentisches Dokument einer intellektuellen rebellischen Haltung, die jedes Individuum auf dem Feld der musikalischen Kunst herausholen kann. Ein Album, das das einzigartige musikalische Ausdrucksvokabular bewahrt und vertieft, mit dem der große Musik-Guru und Meister Grega Habič den slowenischen Musikraum verwöhnt und bereichert. Im neuen Jahrtausend gilt: Musikalische Schöpfungen bleiben den Ohren zu oft verborgen. Auch die neuen Zeiten versprechen nichts Gutes – daher wirst du auch in Zukunft nur auf deine eigene musikalische Wahrnehmung angewiesen sein, die dich zum Wesentlichen führt, das du in der Musik suchst. Wenn du den Weg der musikalischen Läuterung beschreiten willst, musst du das neue Album von Grega Habič unbedingt »durchkauen«.

»Kill the Engine« ist also ein neues Meisterwerk von ungewöhnlicher Art-Frische, verkörpert durch die äußerst eindringliche Charisma des musikalischen Visionärtums dieses großzügigen slowenischen Musikers. Grega Habič folgt auch mit dem neuen Album der einzigartigen Qualität des vielfältigen Ideenschmelzens und bringt uns noch einen Studio-Brillanten. 

Besetzung

Grega Habič – Gitarre, Bassgitarre, Programmierung

GASTMUSIKER:
Robert Humar – Keyboards auf den Tracks Nr. 3, 6, 9 und 10
Jesse Adams – Gesang & Keyboards auf Track Nr. 2
Mark Lemer – Gitarre auf Track Nr. 3
Manfred Dikkers – Schlagzeug auf Track Nr. 9
Marko Volk – Keyboards auf Track Nr. 2
Tim Draksler – Gitarre auf Track Nr. 3
Jova Jovanovič – Bassgitarre auf Track Nr. 2
Maks Habič – Gesang auf den Tracks Nr. 6 und 9 

Produktion

Grega Habič

Tracklist

1. A World
2. Diluted
3. Cerberus
4. Under the Big Black Cloud
5. Tired of Everything
6. No Lie Can Live Forever
7. Kill the Engine
8. Turn the Knife
9. Never There
10. Goodbyes 

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