Katalena : Enci Benci Katalenci
Label: Pivec
Erscheinungsjahr: 2015
Produktion: Blaž Celarec & Marko Turel
Albumlänge: 35.24 min
Genre: Folk / Rock
Die Jahre fliegen nur so dahin! Seit dem Album Noč čarovnic sind vier davon ins Land gezogen.. Das Gefühl ist, als wäre es erst gestern gewesen. Und schon ist das neue »Enci Benci Katalenci« da. Beim ersten Hören ist der Eindruck so, als würdest du beim Autofahren den rechten Blinker setzen und an der Kreuzung dann nach links abbiegen. Anders als der Vorgänger, der ein Album mit Eigenkompositionen war, ist »Enci Benci Katalenci« im Grunde ein Album mit Kinder-Abzählreimen aus der Volksmusik, die jedoch durch einen gründlichen Prozess der sogenannten »Katalenisierung« gegangen sind.
Wer einen Blick in die Vergangenheit wirft und feststellt, dass Katalena ähnliche kreative Schritte bereits unternommen haben, als sie »Hexen vertrieben« und sich in »rezianische Gefilde« vorwagten, wird kaum mehr überrascht sein, dass »Enci Benci Katalenci« einen ähnlichen Ausgangspunkt der experimentellen Transformation des Volksmeloses bietet. Die eigentliche Absprungbasis des neuen Albums ist die Sammlung von Kinder-Abzählreimen »Enci benci na kamenci«. Da die Bandmitglieder im Einklang mit ihrem Lebensstil unlängst die Rolle junger Eltern übernommen haben und festgestellt haben, dass diese Rolle mehr als inspirierend sein kann, wenn man dem Geplapper der Abzählreime der eigenen Kinder lauscht, ist das Album »Enci Benci Katalenci« ein echter Abdruck der gesunden Evolution von Katalena, ihrer künstlerischen Entwicklungsstufe und Reife für das Jahr 2015. Es stellt eine Art künstlerisches Ventil dar, das für die Gruppe in diesem Moment schlicht ein Muss war und dem sie einfach nicht ausweichen konnte.
Die Bandmitglieder sind so erfahren, haben eine solche Laufleistung und ein so ausgefeiltes Gespür für den Aufbau von Kompositionen (natürlich nach der »Katalena-Rezeptur«), dass die neue Minestrone aus musikalischen Bausteinen – angeführt von einer bildhaften Mischung aus Volksmelose, experimentell mit Jazz-Variationen umgekrempelt, mit Ausflügen in Kabarett-Chanson, Blues, Swing, Gospel und Rock – wieder frisch und ungemein witzig klingt und inhaltlich neben den Genre-Grenzen auch Generationsbarrieren wirkungsvoll überbrückt! Das Album ist daher sowohl für anspruchsvolle Hörer – also ein erwachsenes Publikum – ein Genuss, als auch auf die Unterhaltung der Jüngsten ausgerichtet. Deshalb erlebt dieses Album auf der Bühne auch eine Vielzahl von Inszenierungen, die szenisch stark auf die Aufnahmefähigkeit der Kleinsten zugeschnitten sind. Man sollte dabei auch bedenken, dass die Einzelmitglieder von Katalena echte Spezialisten für Bühnenauftritte sind und das Bühnenspiel für sie untrennbar zur musikalischen Liveinterpretation gehört.
Das Zusammenspiel aller Albumbausteine strahlt wieder eine außergewöhnliche Verbindung und wirkungsvolle Chemie zwischen den Bandmitgliedern aus, die durch eine besondere Kameradschaft und gegenseitiges Gespür zusammengehalten werden. Das Album ist durch und durch von ausgeprägten organischen Klangpastellfarben geprägt, es wirkt organisch, lebendig. Es strahlt eine ausgeprägte Verspieltheit und große Freude aus, die die Musiker beim Herangehen an die Komposition im Studio selbst beseelt hat. Im Prozess der »Katalenisierung« der Ausgangsformen der einzelnen Abzählreime hat sich (gewissermaßen erwartungsgemäß) Boštjan Gombač den meisten Raum für seinen Soloauftritt gesichert, mit der routinierten Nutzung und Integration einer ganzen Pleiade seiner Blasinstrumente. Die Band hat das Klangbild auch mit ausgeprägten vokalen Kontrasten gefüllt, die durch punktuelles vokales Harmonisieren und Verdopplungen der Grundlinien des Leitgesangs oder das Ineinandergreifen des führenden weiblich-männlichen Vokals auf der mehrheitlichen Schiene Zornik-Gombač geprägt werden. Die Elemente Verspieltheit und Leichtigkeit sind durch das gesamte Album hindurch allgegenwärtig, als einige der essenziellen und markantesten Markenzeichen, an denen Katalenas musikalische Handschrift seit jeher erkannt wird. Das Album hat neben dem überwiegenden Spiel »im Hüpfrhythmus« auch Momente ausgeprägter kompositorischer Raffinesse. Besonders mitreißend sind die Stücke Križ kraž und kurz vor dem Schluss Uspavanka, die in ihrer Weichheit und Feinsinnigkeit der Interpretation eine ganz besondere Intensivierung von Emotionen und Stimmungslagen hervorrufen!
Das neue musikalische Experiment ist also für Katalena wieder voll aufgegangen. Es klingt ausgesprochen nach Katalena, ist aber gleichzeitig anders als alles, was die Gruppe ihren Hörern bis zu diesem Album in ihrer Karriere geboten hat. Die Transformation slowenischer Volksabzählreime in die Geschichte des Albums »Enci Benci Katalenci« strahlt einmal mehr die außergewöhnliche künstlerische Qualität von Katalena aus – und seine inhaltliche Verdichtung sowie Vielschichtigkeit wird euch nach und nach die Schleier der Feinheiten und Details des Komponierens lüften und so noch nach vielen Durchläufen des Albums in euren CD-Playern voll begeistern!
Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 9.0 / 10
Trackliste;
1. Enci benci
2. Bela lilija
3. Cipcipilipcipilonika
4. Križ kraž
5. Maček
6. Andale bandale
7. Bam bam bam
8. An ban
9. Uspavanka
10. Gospod in gospa
Besetzung:
Vesna Zornik – Gesang, Begleitgesang
Polona Janežič – Keyboards, Harmonium, Perkussion, Begleitgesang
Boštjan Gombač – Klarinette, Trompete, Flügelhorn, Sopransaxophon, Bass-Blockflöte, irische Tin Whistles, Obertonflöte, Theremin, Ukulele, Melodika, Fujara, Flöten, Akkordeon, Andes 25F, Kazoo, Perkussion, Begleitgesang
Boštjan Narat – Gitarre, Banjo, Perkussion, Begleitgesang
Tibor Mihelič Syed – Bassgitarre, Saz, Ukulele, Kalimba, Schreibmaschine, Bassdrum, Perkussion, Begleitgesang
Robert Rebolj – Schlagzeug, Perkussion, Begleitgesang