Junk of the Heart
Künstler: Kooks, The
Label: Virgin Records
Erscheinungsjahr: 2011
Wertung: 3/5
Der Name The Kooks bringt Fans des Genres den vertrauten Sound des Debütalbums »Inside In / Inside Out« in Erinnerung. The Kooks haben mit ihrer Idee, britischen Rock und Rocksteady zu vereinen, auf der damaligen Szene Neuland gepflügt und frischen Wind in die blasse englische Szene gebracht. Ihren Platz haben sie sich mit ihrem unverwechselbaren Sound und Pritchards Stimme verdient, die den abwechslungsreichen Arrangements genau die richtige adoleszente Note verliehen hat.
Leider kommt dieses Gefühl auf „Junk of the Heart“ nicht mehr auf. Die turbulente Phase rund ums zweite Album setzt sich auf dem dritten Anlauf unbeholfen fort; auch Pritchard selbst hat zugegeben, dass die Band schon zu Beginn des kreativen Prozesses auf Schwierigkeiten gestoßen ist. Mitgliederwechsel haben ihre Situation zusätzlich erschwert, und das Endergebnis all dieser ungünstigen Umstände ist das anti-katharische „Junk of the Heart“. Der Albumtitel bezieht sich irgendwie auf die persönlichen Probleme der Bandmitglieder und stellt den roten Faden dar – natürlich in vielerlei Hinsicht.
Das Album eröffnet die gleichnamige Nummer Junk of the Heart (Happy), die schon in den ersten Tönen die neue Richtung der The Kooks unter die Nase reibt; der Einsatz sogenannter Samples und atmosphärischer Keyboards ist für die Band eher untypisch, beschwört in Zusammenspiel mit Pritchards Gesang jedoch ein blasses, nostalgisches Gefühl mit einer leichten Prise Unbeschwertheit herauf. Aus produktionstechnischer Sicht ist der Ansatz interessant und gut umgesetzt – man könnte fast sagen, auf der Höhe der Zeit. Entsprechend enthält das Album einige Tracks, die wie gemacht für Radiostationen sind; die genau richtige, sichere Dosis elektronischer Elemente, eingängiger Melodien und Rock-Einschübe.
Die zweigeteilte Struktur des Albums zeugt von einer fast bipolaren Zerrissenheit der Band; die ersten fünf Songs tragen die starken Nuancen der poppigeren Seite der Band, während der Rest alte Arrangementformeln recycelt. Entsprechend wirkt der Ablauf des Albums unbeholfen, der rote Faden verliert sich in erzwungenen Arrangements – wie etwa bei Fuck the World Off, Runaway und Killing me. Das sind die Tracks, bei denen die Zerrissenheit der The Kooks besonders deutlich an die Oberfläche schwimmt. Das Songwriting ist völlig transparent, praktisch Selbstzweck – fast so wie der Sound selbst. Klar, das Album ist sehr hochwertig aufgenommen, nach modernen Standards, doch fehlt genau das bisschen Farbe, Geschmack, das Gespür für Mehrwert. Immerhin retten Songs wie Is it Me?, How’d You Like That? und Rosie das blasse Bild der Band. Leider bieten The Kooks die kreative Vielfalt, die ihr erstes Album ausgezeichnet hat, nicht mehr.
Das dritte Album der The Kooks hält mit der Zeit Schritt, sowohl aus produktionstechnischer als auch aus kreativer Sicht. Doch das Bild der Band als eine der abwechslungsreicheren auf der englischen Brit-Indie-Rock-Szene verblasst mit „Junk of the Heart“. Das Album ist wie gemacht für die Radiobegleitung bei einer Fahrt über Küstenserpentinen – geht aber nur schwer unter die Haut.
Besetzung
Luke Pritchard – Gesang, Gitarre
Hugh Harris – Gitarre
Peter Denton – Bass
Paul Garred – Schlagzeug
Produktion
Tony Hoffer
Tracklist
1.Junk of the Heart (Happy) (3:07)
2.How’d You Like That (3:14)
3.Rosie (3:10)
4.Taking Pictures of You (2:42)
5.Fuck the World Off (2:52)
6.Time Above the Earth (1:54)
7.Runaway (3:00)
8.Is It Me (3:30)
9.Killing Me (3:25)
10.Petulia (2:42)
11.Eskimo Kiss (3:34)
12.Mr. Nice Guy (2:40)