John F. Doe: Druga stran

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Label: Nika Records
Produktion: Peter Dekleva
Erscheinungsdatum: 26.04.2019
Genre: Alternative Rock
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John F. Doe, eine slowenische Rockformation aus Bled, meldet sich nach 4 Jahren mit dem Nachfolger des vielversprechenden Debüts „JFD“ zurück, das 2015 erschien. Auf dem Debüt bewies die Gruppe, dass sie keine Eintagsfliege ist, dass das eine Band ist, die nach einem ausgefeilten Charakter strebt, und tatsächlich präsentierten sich John F. Doe darauf als Gruppe, die originäre Eigenständigkeit, Provokanz und Anziehungskraft entwickelt. Schon das Debüt allein ist ein Werk von ernsthafter ästhetischer Substanz, produktionstechnisch und arrangementtechnisch mit großem Geschick ausgeführt, und seine Alternative-Rock-Natur mit musikalischer Verführungskraft, die auch mit dem Erbe des Brit-Rock kokettierte, ist einem schnell unter die Haut gegangen.

Nun, »Druga stran« ist ein Album, das die Band nicht treffender hätte benennen können. Die Gruppe hat sich entschieden, sich von dem zu entfernen, was das Debüt andeutete. Also eine Art »andere Seite« der Band. Die Band hat zwar die Alternative-Rock-Natur beibehalten und auf das neue Album äußerst hörbar und druckvoll übertragen, aber in der Suche nach großer Organik und klanglicher Weite hat sie sich tiefer in das begeben, was das Erbe des Rock zu bieten hat. Sie wirken sogar leicht retro. Sowohl produktionstechnisch als auch wegen der Fülle an Hammond-Sound, von dem das Album durchzogen ist. Eigentlich dominiert die Hammond, neben dem Leadgesang, den Klang des neuen Albums fast vollständig.  

Die Jungs haben auf dem neuen Album in Sachen musikalischer Kunstfertigkeit einen offensichtlichen Reifesprung vollzogen. Das bestätigt besonders die hervorragende Ballade Drugi del sveta. Sie ist von Kopf bis Fuß arrangementtechnisch ausgezeichnet aufgebaut, mit gefühlvollem Gesang und einem Vokal, der durchgehend begeistert. Sie ist auch geschickt mit Vokalharmonien im Refrain-Crescendo umgeben, wo die Hammonds das dramatische Theater-Feeling zusätzlich vertiefen  und der Stimmungssprung zwischen Strophe und Refrain besonders ausdrucksstark ist. Einer der reifsten Höhepunkte des neuen Albums. In der zweiten Hälfte des Stücks erwacht das Gitarrensolo deutlicher, und die äußerst geschickt eingesetzten Gitarrenornamente stärken die kraftvolle Atmosphäre dieser hervorragenden Komposition noch weiter – eine Mischung aus packender Dramatik und Feierlichkeit. In der Strophe von Zvok tišine borgen sich die Hammonds flüchtig einige Strukturen, die an die guten alten Zeiten von The Doors erinnern.

Die Finger mit im Spiel hatte Peter Dekleva. Das sagt schon viel. Peter ist ein Klangpurist und gilt in dieser Hinsicht als außerordentlich feinsinniger Ästhet. Der Sound ist analog aufgenommen und die Band klingt so organisch wie möglich. Retro klingend. Es gibt eine gewisse Orientierung an den Pionierzeiten der alten Rockschule der Siebziger – aber keine Verwechslung.  Neben der Wahrnehmungsphilosophie einer neuen Rockergeneration, zu der John F. Doe gehören. Daher ist das Album Druga stran eine ausgesprochen kühne Mischung aus Alt und Neu, sprich dem Modernen (Skeptik). Die Pop-Ästhetik funkelt durch den leicht düsteren Blick der Alternative-Rock-Inhalte des Werks attraktiv auf und schreit nach Airplay auf den Radiofrequenzen (das treibende und unnachgiebige Puščava sowie das direkt danach kontrastreich komponierte Hyde). Die rhythmischen Strukturen sind einfach, laden aber den Hörer zum Wippen ein – und mehr, sogar zum Tanzen. Der Gesang ist ausgereift und äußerst einnehmend und ist deshalb gleichzeitig ein ungemein wichtiger Baustein und das Fundament, mit dem John F. Doe überzeugen, dass es sich um ein wirklich ausgefeiltes musikalisches Ensemble handelt. Er setzt das i-Tüpfelchen auf die ganze Geschichte des eigenständigen musikalischen Schaffens.

Noch etwas. Alle Texte sind diesmal auf Slowenisch. Deshalb hat sich das Album »Druga stran« folgerichtig und völlig logisch mit der Musikalität der geografischen Herkunft der Sonnenseite der Alpen angesteckt. Ganz einfach. Das verlangt das Spiel mit der Metrik beim Einsatz der slowenischen Sprache. Damit wird die Natur des Werks all jenen vertraut sein, die Siddharta hören (die Strophe in Povej naglas), oder vor allem die ersten beiden Alben der Band Dan D.

Achtung. Es gibt nicht nur elf Tracks. Nach dem abschließenden Poletni utrip versteckt sich ein sehnsüchtig-akustischer Bonustrack. Und nein. Er stiehlt keine Zeit, es lohnt sich, ihn jedes Mal zu hören, so wie man das Album von vorne bis hinten hört. Da wir schon beim Album als Ganzes sind – John F. Doe ist es äußerst gut gelungen, die Tracks darauf anzuordnen (die Reihenfolge festzulegen). Anfang und Ende sind mit Fenix und Poletni utrip sehr einprägsam. Beide sind sommerlich aufgedrehte Tracks mit ansteckenden Leadphrasen und einer durchdringenden Vokalperformance, die besonders  in den ansteckenden Refrain-Melodien begeistert. »Druga stran« wirkt auch rockerischer aufgedreht als der Vorgänger, vor allem aber begeistert seine organisch lebendige Natur, die warmen Töne, die ausgezeichnet gesetzten Kontraste zwischen den tiefen Tönen, der kraftvollen Klangmasse im Dialog von Gitarre und Keyboards sowie dem prägnanten, äußerst engagierten und gefühlvollen Gesang und den klar herausgearbeiteten Basslinien mit großem Groove-Ertrag. All das haben wir schon auf dem Debüt gefunden, aber mit »Druga stran« ist es reif vollendet, noch besser ausgearbeitet. John F. Doe sind auch äußerst geschickt darin, die Vokalbegleitung auszuschmücken und den Leadgesang mit zusätzlichen Stimmen zu harmonisieren, was die einzelnen Stimmungsbilder auf dem Album zusätzlich verstärkt.

Die Band hat sich mit dem neuen Album »gestreckt«.  Hat ihre »andere Seite« gezeigt, dabei aber den eigenen Markenstempel der Eigenständigkeit bewahrt, den sie schon mit dem Debüt gepflegt hat. Eine Band mit Charakter, ausgefeilter Vision und einem potenten kreativen Elan, die keine Scheu hat, mit »Andersartigkeit« zu handeln und Unerforschtes zu erproben – da wird es niemanden wundern, wenn das dritte Album wieder deutlich anders ausfällt, sowohl gegenüber dem Debüt als auch gegenüber dem Album »Druga stran«.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.0 / 10

Trackliste:
1. Fenix
2. Continental
3. Puščava
4. Hyde
5. Vesolje
6. Skeptik
7. Kratek stik
8. Povej naglas
9. Drug del sveta
10. Zvok tišine
11. Poletni utrip

Besetzung:
Marko Zemljič – Gesang, Backing-Vocals
Aleš Svetina – Gitarre, Backing-Vocals
Luka Zemljič – Keyboards, Backing-Vocals
Tilen Knaflič – Bass, Backing-Vocals
Bojan Marinko – Schlagzeug, Perkussion, Backing-Vocals


John F. Doe – Puščava (offizieller Audiomitschnitt)
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