Isolate

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Interpret: Circus Maximus
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2007

Leute! Hinter diesem Album und nicht nur hinter diesem Album,… steckt nämlich viel, viel mehr! Fangen wir so an! Mit dieser Band, Circus Maximus, ist wirklich nicht zu spaßen. Ohne Umschweife sage ich es direkt: Europa hat endlich eine direkte Antwort auf das amerikanische „Phänomen“ Dream Theater bekommen. Offenbar steht die Progressive-Metal-Bewegung in Skandinavien in voller Blüte. Da sind Mind’s Eye, Seventh Wonder, Platitude… doch keine dieser Bands besitzt so eine perfekte technische Finesse wie ausgerechnet Circus Maximus, die mit der Ausgefeiltheit genau dieser Eigenschaft Dream Theater ernsthaft herausfordern. Allerdings gibt es zwischen Dream Theater und Circus Maximus (mindestens) einen großen und sehr wichtigen Unterschied, der eine kaum überwindbare Kluft im musikalischen Ausdruck zwischen den beiden Bands aufreißt.

Circus Maximus können definitiv höllisch schnell spielen, mit voller Kraft, und verspielen sich dabei keine einzige Note, alles wirkt unfehlbar. Aber anders als Dream Theater sorgen Circus Maximus in erster Linie dafür, die großen Melodien zu bewahren. Die zerhacken sie keineswegs mit unlogischen Solo-Ausbrüchen, die bei Dream Theater die Geschlossenheit der Melodien gnadenlos zerstückeln oder verhindern, dass dem Hörer überhaupt irgendein Motiv im Kopf hängen bleibt. Dream Theater haben sich nach dem Album „Images And Words“ (1992) davon entfernt, und Circus Maximus sind in dieser Hinsicht das perfekte Pflaster für alle, die die Dream Theater der „Kevin Moore“-Ära vermissen, und zwar mit europäischer Produktion!

„Isolate“ ist der Nachfolger des Debüts „The 1st Chapter“ (2005). Anders als auf dem Debüt bieten Circus Maximus hier weniger klischeehafte Ähnlichkeiten mit ihren großen Vorbildern Dream Theater. Besonders giftig ziehen Circus Maximus mit den Keyboards auf Dream-Theater-Art vom Leder. Sie sind eigentlich eine Mischung aus dem, was heute Jordan Rudess bei Dream Theater anstelle des längst geflohenen Kevin Moore tun müsste, ihm aber partout nicht gelingt. Oder in diesem Fall erinnern Circus Maximus mit manchen atmosphärischen Klangeinsprengseln sogar an echte retro „Moore“-DT-Kniffe. Die Kombination aus Moore und dem Besten, was Rudess nie bei Dream Theater abgeliefert hat, gibt es auf „Isolate“ direkt im Instrumental Sane No More. Pure Fantastik, zu der heute keine Dream Theater mehr fähig sind! „The 1st Chapter“ machte daraus noch weniger ein Geheimnis. Auf „The 1st Chapter“ gab es auch den Aufbau rein orchestraler Interludien, die atmosphärisch stark Richtung Symphony X gingen. Und was sind Symphony X eigentlich? Dream Theater mit Melodie. Folglich sind Circus Maximus also die „europäischen“ Symphony X. Vielleicht stimmt das sogar. Auf dem Debüt „The 1st Chapter“ sind sie es noch.

Diesmal ist die Abkehr davon, die mit „Isolate“ gelingt, spannend, weil sie noch kompaktere, meisterhaft gebaute große Melodien platziert. Die geben dem Hörer einen fetten Knochen zum Nagen, laden einfach zum langen Hören ein, zum Genuss endlosen, off-rationalen Dahintreibens in der Fülle des Klangbilds und der abwechslungsreichen, vielschichtigen Haltung einer Band, der es gleichzeitig gelungen ist, genau die richtige Dosis saftiger, unvorhersehbarer Wendungen beizubehalten, die motivisch völlig unaufhaltsam fließend ineinander übergehen. Das ist ein Album, das zum mehrfachen Hören einlädt und dich dabei reich belohnt. Die Band besitzt dieses magische Gespür dafür, mit voller Kraft loszudonnern, fließend zu donnern, hochatmosphärisch zu donnern, mächtig, vielschichtig. Alle Bausteine verstärken sich gegenseitig und steigern sich zur Perfektion, und alle Bandmitglieder sind auf exakt derselben Frequenz gelandet. Der Fokus ist einheitlich. Die Wechselwirkung zwischen Keyboards und Gitarren, das gegenseitige Feuerspeien giftig geölt schneller Soli, die Bombastik der Rhythmussektion, die ununterbrochen am progressiv gebrochenen, rhythmischen Experimentieren nagt. Hier „passiert“ ständig etwas! Der erstklassige und direkte Beweis ist der neue Song Abyss, der trotz all dieser „Reibung“ vieler Faktoren eine enorme Menge an Melodie und kompakter motivischer Standfestigkeit behält! Michael Eriksen ist ein Sänger, den du nicht an jeder Ecke findest. Dieser Typ hat eine seltene Ausstrahlung und einen Charme, der die kristallklare Deutlichkeit und Schärfe in der Kraft von zum Beispiel Europe-Sänger Joey Tempest trägt. In den Linien, die er anstimmt, kann er aber den Blick auf die technische Ausgefeiltheit von James LaBrie (Dream Theater) und natürlich auf die Exzellenz von Geoff Tate (Queensryche) nicht verbergen.

„Isolate“ überrascht im ersten Teil überhaupt mit eingebauten melodischen Motiven, die Richtung melodischer Hard Rock gehen (der Refrain in Arrival Of Love, die schlagkräftige Ballade Zero). Das ist in der dramatischen Melodik der aneinandergereihten, dynamisch ständig wechselnden, hochvibrierenden Stimmungen giftig fesselnd. Eine spannende und direkte Kreuzung ist Wither (Pre-Chorus mit Anleihen beim melodischen Hard Rock, mit einem Übergang à la Dream Theater „Falling Into Infinity“, kurz vor dem Refrain). Diese Berührungspunkte hatte „The 1st Chapter“ nicht betont, aber sie trug potenzielle Ansätze in sich, die auf eine Entwicklung der Band in diese Richtung hindeuten konnten. Im zweiten Teil bekommt das Album „Isolate“ hohe, progressiv-metallisch ausgebreitete Flügel durch die Songs Mouth Of Madness und Ultimate Sacrifice, zwischen die sich der kompaktere, kürzere Zündstoff From Childhood’s Hour regelrecht verliert.

„The 1st Chapter“ diente in erster Linie der Selbstbestätigung des Egos von Circus Maximus. „Isolate“ bietet in dieser Hinsicht noch mehr. Im Moment sind Circus Maximus die heißeste Progressive-Metal-Band Europas, erst recht nach dem kreativen Aufschwung. „Isolate“ bedeutet eine Abkehr der Band von der klischeehaften Besessenheit des Debüts, das zu erreichen, was Dream Theater erreichen können oder erreicht haben. Durch die Resonanz der kritischen Masse hat die Band die Bestätigung ihres Egos bekommen. Mit „Isolate“ ist sie über das Bedürfnis nach Bestätigung hinausgewachsen. Das zeigt sich in einer völlig entspannten Weiterentwicklung von Circus Maximus, die mit „Isolate“ ihren klar erkennbaren musikalischen Ausdruck findet. Es wird spannend zu beobachten, wie er sich weiterentwickelt. Wie weit können Circus Maximus gehen, und was Neues können sie uns noch zeigen? An diesem Punkt sind sie nach wie vor eine musikalische Unbekannte und deshalb eine heiße, unaufhaltsam anziehende Band!

Besetzung

Michael Eriksen – Gesang
Mats Haugen – Gitarre
Lasse Finbroten – Keyboards
Glen Cato Möllen – Bass
Truls Haugen – Schlagzeug

Produktion

Circus Maximus

Tracklist

1. Darkened Mind
2. Abyss
3. Wither
4. Sane No More [Instrumental]
5. Arrival of Love
6. Zero
7. Mouth of Madness
8. From Childhood’s Hour…
9. Ultimate Sacrifice

Spielzeit: 54.58

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