Indexi im Cankarjev Dom (2007)
Ort: Ljubljana, Cankarjev Dom
Konzertdatum: 08.10.2007
Besucherzahl: 1500
Ticketpreis: 25 bis 35 EUR
Indexi waren in den Sechzigern und Siebzigern eine der beliebtesten Bands im ehemaligen gemeinsamen Staat, da überrascht es überhaupt nicht, dass ihr Comeback für alle Fans ihrer Musik ein riesiges Ereignis war. Okay, 1999 hatten Indexi schon mal ein Comeback, aber damals gab es nicht annähernd so viel Euphorie. Als sie das Album Kameni Cvijetovi veröffentlichen wollten, hatten sie große Mühe, überhaupt ein Label zu finden, denn praktisch kein großes Label interessierte sich für ihre Rückkehr. Doch als Davorin Popović und Slobodan A. Kovačević von uns gegangen waren, änderte sich die Lage. Wie so oft nach dem Tod zweier Mitglieder wurden Indexi plötzlich wieder zur Attraktion für alle Jugo-Nostalgiker.
Indexi kehren nur noch mit einem Originalmitglied auf die Bühne zurück (das bei Kameni Cvijetovi nicht mitgewirkt hat), nämlich Fadil Redžić, dem langjährigen Bassisten. Irgendwie muss ich mich schon fragen, ob es ohne Davorin Popović, der die „Stimme“ der Band und einer ihrer erkennbarsten Faktoren war, überhaupt sinnvoll ist weiterzumachen. Popović hat zwar nicht viel am Songwriting mitgewirkt, war für den Sound von Indexi aber ungefähr so wichtig wie Freddie Mercury für Queen oder Jim Morrison für The Doors. Ich persönlich finde, dass man Davorin nicht ersetzen kann. Aber offensichtlich sehen das viele andere anders. Die übrigen Indexi haben beschlossen, die Lücke, die Davorin hinterlassen hat, mit der Crème de la Crème der „Schlager“-Sänger aus dem ehemaligen Jugoslawien zu füllen. Ich selbst stehe deutlich mehr auf die progressiven Songs von Indexi, also war mir klar, dass dieser Schritt nichts Gutes bedeuten kann. Außerdem hatte ich den Auftritt gesehen, den Indexi vor einiger Zeit in Zagreb hingelegt haben, und wusste, dass das Konzert im Cankarjev Dom alles andere als ein Leckerbissen für Liebhaber der eher künstlerisch angehauchten Musik werden würde, sondern dass ein deutlich populäreres und, ich würde sogar behaupten, kommerzielles Programm auf dem Plan stehen würde. Schon die Namen der Sänger zeigen deutlich, dass man bei „Indexi“ etwas auffahren wollte, das möglichst viele Zuhörer anzieht: Hari Mata Hari, Zoran Predin, Aki Rahimovski, Branko Đurič, Željko Bebek, Tifa, Saša Lošič, Vlado Kreslin, Giuliano, Dado Topič, Toni Cetinski und andere. Die meisten dieser Sänger sind so nervig, dass es mir grausen würde, sie mit einer Band in Verbindung zu bringen, die mit Modra Rijeka eines der schönsten Alben im ehemaligen Jugoslawien geschaffen hat.
Zum Glück wurde der Eindruck etwas gerettet von einer ganzen Reihe ehemaliger Bandmitglieder, die ich persönlich nach wie vor zu den Besseren im Geschäft zähle. Dem legendären Bassisten Fadil Redžić haben sich noch ein paar weitere Legenden angeschlossen, nämlich Kornelije Kovač (Korni Grupa), der hervorragende Komponist und Keyboarder Ranko Rihtman, Nenead Jurin, Miroslav Šaranović und noch ein paar weniger auffällige Mitglieder.
Da Indexi schon vor vierzig Jahren populär waren, war die Zusammensetzung des Publikums nicht überraschend. Gekommen waren vor allem Vertreter der „alten Garde“, dazu aber auch ein paar jüngere Fans, die aus diesem oder jenem Grund die legendäre Band anfeuern wollten (ich vermute, dass einige davon vor allem für Giuliano gekommen sind).
Das Konzert begann mit dem ersten Höhepunkt des Abends, dem Song Plima, gesungen von Željko Bebek (Bijelo Dugme). Ich hatte erwartet, dass seine heisere Stimme nicht passen würde, aber sie hat überraschend gut funktioniert. Danach folgte der Auftritt von Zoran Predin, der auch als eine Art Moderator fungierte. Auch er hat seine Aufgabe solide erledigt. Der Konzertbeginn war richtig vielversprechend. Die nächsten zwei Songs (bei einem davon sang Branko Đurić) zeigten schon ein anderes Bild, denn das waren eher kommerzielle Nummern, aber noch immer halbwegs verdaulich. Auch Sarajevska Kiša, gesungen von Tarik Filipović (dem Moderator der kroatischen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“), war solide, wenn auch schon ziemlich chansonlastig. Auch Tifa hat den Song Krivac Si Ti auf ordentlichem Niveau gesungen, aber der Standard sank immer weiter. Die Songs wurden immer kommerzieller und die Sänger immer unpassender. Den Gipfel dieser Unpassendheit gab es, als Saša Lošić und Vlado Kreslin Jutro Če Promijeniti Sve zum Besten gaben. Kreslin allein hätte mich gar nicht so sehr gestört, aber Lošić passt einfach nicht zur Musik von Indexi. Soll er bei seinen weinerlichen Balladen bleiben, dann sind wir alle glücklicher. Der Standard stieg wieder etwas, als Bebek mit Negdje Na Kraju U Zatišju zurück auf die Bühne kam. Es folgte die schmalzige Ti Si Mi Bila Naj, Naj, den Eindruck wieder aufgebessert haben dann Halid Bešlič und der interessante, arabisch angehauchte Song Snijeg Pade Na Behar Na Voče, eine Bearbeitung einer traditionellen Sevdalinka (ein muslimisches Liebeslied). Und dann ging das Konzert zum Teufel. Dado Topič demonstrierte mit seiner angestrengt rockerhaften Erscheinung und seiner heiseren Stimme, wie wenig er für diese Art von Popmusik taugt, Giuliano verzauberte zwar das Publikum (besonders den weiblichen Teil), hätte mich mit seiner weinerlichen (und künstlich opernhaften) Stimme aber fast dazu gezwungen, mir ein Taschentuch in die Ohren zu stopfen. Am Ende hat mich dann doch noch Toni Cetinski überrascht, der Da Sam Ja Netko ziemlich gut gesungen hat. Nach tosendem Applaus folgte die Zugabe, die mir sinnlos vorkam, denn gespielt wurden Songs, die schon gespielt worden waren. Auf der Bühne standen alle, die am Konzert beteiligt waren (außer Kornelije Kovač, der auf wundersame Weise verschwunden war), und sangen, klatschten oder starrten nur ins Leere.
Der Zweck des Konzerts war von Anfang an klar. Es ging um ein großes Spektakel, bei dem die Sänger wie am Fließband wechselten und so dafür sorgten, dass das Publikum die ganze Zeit damit beschäftigt war, die großen Stars zu bestaunen. Einer nach dem anderen bekamen die Showgrößen riesigen Applaus, und je schmalziger der Sänger, desto mehr drehte das Publikum durch. Besonders auffällig war das beim „schönen“ Giuliano, bei dem sich die Frauen nicht mehr halten konnten. Eine solche Starbesessenheit bei einem Konzert einer so wichtigen Band ruiniert zusätzlich die Glaubwürdigkeit, die Indexi sich mit diesem Konzert hätten zurückholen können (wenn sie es anders angegangen wären) und die sie sich über die Jahre erarbeitet haben. Auch die Instrumentalisten wechselten oft durch: Es traten ziemlich viele Keyboarder auf, am Bass wechselten sich beide Redžićs ab, es gab auch zwei Schlagzeuger, nur der Gitarrist war immer derselbe.
Interessant (und nicht allzu überraschend) waren auch die Reaktionen des Publikums. Die Songs mit größerem künstlerischem Wert, die etwas weniger melodisch waren, ernteten deutlich kühlere Reaktionen als die eingängigeren. Je dümmer die Texte, desto lauter sang das Publikum mit. Die interessanteren Stücke, zum Beispiel Snijega Pada und Plima, hatten irgendwie nicht dieselbe Wirkung. Man merkte, dass es durchaus einige Enthusiasten gab, die auch diese Nummern richtig genossen, aber sie waren in der Minderheit. Songs mit extrem dämlichen Texten (wie Ti si mi bila naj, naj) wurden dagegen mit tosendem Applaus aufgenommen.
Wenn ich schon so engagiert herummeckere, sage ich auch noch was zum Bürgermeister von Ljubljana. Mich stört, dass sich Politik in die Musik einmischt. Mich stört, dass das Konzert angehalten wird, damit der Ljubljaner „Pate“ ein paar Worte sagen und diese großartige Veranstaltung segnen kann, die es ohne ihn angeblich gar nicht gegeben hätte. Und mich stört die Reaktion des Publikums, das bei jeder Erwähnung von Herrn Jankovič hysterisch klatschte und jubelte. Der Bürgermeister war zwar Ehrenschirmherr des Konzerts, aber die Leute müssten sich nicht wie Schafe benehmen, die ihrem Hirten folgen müssen (der halb Ljubljana aufgerissen hat).
Vielleicht war meine Konzertbeschreibung ziemlich negativ, aber das liegt vor allem daran, dass mir diese Band und besonders das Album Modra Rijeka viel bedeuten. Obwohl ich ein ähnliches Repertoire erwartet hatte, hatte ich doch gehofft, dass sie noch ein paar mehr gute beziehungsweise interessantere Songs spielen würden. Bei ein paar Nummern, die ich sonst eigentlich ziemlich mag, haben ziemlich schwache und viel zu moderne Arrangements den Eindruck verdorben. Am meisten gestört haben aber ohnehin die Sänger (bis auf einige Ausnahmen), denn Davorin Popović und seine einzigartige Stimme lassen sich nicht durch irgendeinen verzuckerten Showmenschen ersetzen. Ihre Sache gut gemacht haben Željko Bebek, Halid Bešlić, Zoran Predin und (überraschenderweise) Toni Cetinski, die Popović ganz ordentlich ersetzt haben, während die anderen „Schönlinge“ Popovićs Songs verhunzt und besudelt haben, besonders Giuliano, der die Refrains im Opernstil zu singen versuchte (und dreimal so laut wie zuvor). Kreslins Stimme ist zu rau für Popovićs feinen Stil, Ähnliches ließe sich über Dado Topič sagen, dessen Stimme immer rauer und eher was für Hardrock ist. Also, was soll ich noch sagen. Die Sänger waren größtenteils unpassend, die Musik dagegen war sehr gut und korrekt gespielt. Leider gab es keine großen Highlights, nur ein paar interessante Instrumentalparts auf Klavier, Orgel und Gitarre. Die Höhepunkte waren für mich persönlich Plima und das arabisch angehauchte Snijega Pada… Anders als Leb I sol, die mit der ersten Hälfte ihres Konzerts immerhin auch ihrer progressiven Phase Tribut gezollt haben, haben Indexi das nicht getan. Stimmt schon, Leb I Sol haben diese Art von Musik länger gemacht, aber auch Indexi könnten stolzer auf einige ihrer Art-Rock-Glanzstücke sein. Indexi haben für gute „Volks“-Unterhaltung gesorgt, aber einen schwachen künstlerischen Eindruck hinterlassen.
Text und Fotos: Rok Podgrajšek
Setlist
1. Plima
2. Pružam ruke
3. U jednim plavim očima
4. Ispijmo zlatni pehar
5. Sarajevska kiša
6. Krivac si ti
7. Jutro če promijeniti sve
8. Žute dunje
9. Budi kao more
10. Sve ove godine
11. Predaj se srce
12. Negdje na kraju, u zatišju
13. Ti si mi bila naj, naj
14. Snijeg pada na behar na voče
15. Svijet u kome živim
16. Pjesma za Davora
17. Bacila je sve niz rijeku
18. Sanjam
19. Balada
20. Da sam ja netko
Zugabe:
21. Svijet u kome živim (refren)
22. Bacila je sve niz rijeku
23. Ti si mi bila naj, naj
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