Heavy Metal Sanctuary
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Battleaxe
Label: SPV Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 47:07
Bewertung: 4.5/5
Battleaxe sind weitere Rückkehrer auf dem Schauplatz der endlosen Horizonte des ehrwürdigen Metal-Universums. Die Männer von »biblischem« Wert entstanden 1979 im englischen Newcastle upon Tyne. Mit ihrer Erscheinung, ihrem Werk und ihrem Auftritt auf der Szene gehören sie nämlich zu der Bewegung namens »New Wave of British Heavy Metal«, die um die Wende von den Siebzigern zu den Achtzigern über den Planeten fegte. Dank des Trends, dem wir in den letzten Jahren beiwohnen – neue Musikgenerationen stöbern begeistert in den Wurzeln des Metal-Pioniergeistes, was in der Entstehung einer Reihe ausgezeichneter Revival-Bands und Studioalben resultiert –, erwachen nun auch jene Dinosaurier aus ihrem langen Schlaf, die in den Achtzigern mit ihrem Schaffen die Erbsünde begingen. Viele Bands sind durch die Achtziger verstummt und haben ihre Karriere beendet. Es sah aus, als würde die Pause ewig andauern. Doch im neuen Jahrtausend haben sie sich wieder zusammengefunden und reaktiviert. Einfach so. Das Interesse an ihnen ist neu erwacht.
Die Kurzgeschichte von Battleaxe geht ungefähr so. Die Band veröffentlichte 1983 und 1984 zwei Studioalben: das bahnbrechende Debüt »Burn This Town«, an das sich manche von euch vielleicht durch eines der grotesksten Cover erinnern, die die Metal-Ära hervorgebracht hat, und ein Jahr später folgte »Power from the Universe«. Auf ihrem Höhepunkt eröffneten Battleaxe Mitte der Achtziger als Vorband Konzerte von Saxon, bevor sie 1988 still und leise die Arbeit einstellten. 1987 nahm die Gruppe ein neues Album auf, das jedoch nie erschien, da Battleaxe damals ohne Plattenvertrag dastanden. Diesem abgebrochenen Album gaben Battleaxe den Titel »Mean Machine«.
2005, also noch während der Ruhephase der Band, erschien eine EP mit vier Tracks, die eigentlich auf dem Album von 1987 hätten erscheinen sollen. Diese bestätigten einmal mehr, dass das Debüt der Band weitaus spitzer gewesen war als alles, was Battleaxe in den Achtzigern danach noch zu erschaffen vermochten.
Die Band reaktivierte sich 2010, und von den Originalmitgliedern sind heute nur noch Sänger Dave King und Bassist Brian Smith dabei. Da im Rock und Metal bekanntlich »an den Gitarristen alles hängt«, ist die Schlüsselfigur des Albums »Heavy Metal Sanctuary« und der neu aufgestellten Battleaxe der neue Gitarrist Mick Percy. Er hat seine Arbeit ausgezeichnet gemacht, und Battleaxe haben mit ihm die Kurve gekriegt! Das bedeutet, dass sie mit dem neuen Album ihre gesamte Glaubwürdigkeit bewahrt haben, denn sie haben sinnvoll eine Brücke gebaut, die die neugeborene Band direkt in den Schoß ihres vergangenen diskografischen Erbes der Achtziger führt. Dave King hat seine hervorragenden Vokalqualitäten auch im reiferen Alter behalten. Der Mann erinnert mit seinem kreischend gurgelnden und scharf durchdringenden Gesang mal leicht an Nicky Moore (Samson), mal an alle drei Sänger der Accept-Karriere – und diese Anklänge gefallen natürlich auch jenen, die auf den Stil und das Werk von AC/DC schwören. Wenn Dave King die vokale Rauheit ablegt, kann er an Biff Byford (Saxon) erinnern. So ist etwa der Track Hail to the King oder das mit dem Pomp eines großen Dramaturgiemoments versehene Kingdom Come, das als einer der besten Tracks des neuen Albums gilt – genauso wie die Strophe des »Accept-artigen« The Legions Unite. Beim Thema Pomp ist zu betonen, dass Batleaxe nicht zwingend darauf setzen. An Stellen des Albums, wo sie eine bestimmte Stimmung aufbauen wollen, greifen sie zu theatralischen Einleitungen, wie etwa dem bösartigen Präludium in Give it Mine, das im weiteren Verlauf wieder mit den Merkmalen des altschulischen Accept-Riffings handelt. Solch einen Pomp-Moment baut die Band bereits im einleitenden Teil des Albums auf (der Titeltrack) sowie in der Mitte mit Prelude to Battle, das in das bereits erwähnte The Legions Unite übergeht.
Die Produktion ist logischerweise auf den neuesten Stand gebracht. Das Album »Heavy Metal Sanctuary« ist eine zugespitzte Geschichte, die eine Legendenband mit Auszeichnung erschaffen hat! »Aufgedreht« an den rustikalen Hebeln großer Erfahrung und kompositorischen Könnens. Die Gitarrenphrasen sind simpel, haben dabei aber wirkungsvoll das prägnante, ausdrucksstarke Charisma eingefangen. Die »Middle-Eight«-Passagen besitzen den typischen Übergang durch die Ornamente der Gitarrenharmonien in Terzen bis zur solistischen Eskapade (Crescendo) und die Überleitung zurück zur Strophe. Klassisches Arrangement also. Aber von großer Prägnanz, das die dramatische Atmosphäre der Tracks effektiv steigert! Das Album »Heavy Metal Sanctuary« navigiert also erfolgreich durch die Hebel der Erschaffung von Gefühlen böser Flüche und düsterem Okkultismus, steuert bewährt durch die Verwendung typischer Phrasen der Metal-Poesie (über die Heldenhaftigkeit des Metal-Herzens), und die Band spart dabei auch nicht an gesellschaftlicher Kritik. Rebellischer Haltung ist reichlich vorhanden.
Battleaxe haben also beim Schmieden der Riffs des neuen Albums eine wirksame Brücke zwischen dem Erbe der Achtziger und der neuen Zeit gebaut. Sie haben den elementaren Charakter ihrer klassischen musikalischen Vision vergangener Zeiten bewahrt und ihn effektiv aktualisiert. Das Album besitzt neben der vorhersehbaren Kompositionsform ein vielfältiges motivisches Repertoire und dadurch eine effektive dynamische Flüssigkeit! An atmosphärischer Düsternis und apokalyptischen Ausblicken des letzten Todesmarschs direkt in den Schoß mangelt es ihm nicht! Der Track Romeo ist mit dem hinzugefügten Rock ’n‘ Roll-Element die einzige stilistische Abweichung auf dem Album. Daher ist er ans Ende des Albums gesetzt. Er besitzt einen klarsinnigen Text, der zum rockig ausgerichteten Arrangement passt! Der Track ist entbehrlich, aber die Band spürte, dass er ein integraler Bestandteil dieses Albums sein muss, und hat ihn deshalb aufgenommen. Sonst würde das Album »Heavy Metal Sanctuary« mit Kingdom Come enden, das eine echte Mini-Epos-Suite ist und zweifellos einer der künstlerischen Höhepunkte dieses sehr hochwertigen Comeback-Albums der Band! Das ist ein Album, das all jenen auf den Leib geschrieben ist, die der klassischen Schulstunde rustikalen Heavy-Metal-Trotzes geschworen haben – dem Typischen der NWOBHM-Ära! Die Riff-Konfiguration des neuen Albums zieht dabei auch sinnvolle stilistische Parallelen zu Bands der alten deutschen Metal-Schule wie Accept, Victory oder sogar den frühesten Grave Digger (die Hauptgitarrenphrase des Tracks Hail to the King erinnert verblüffend an den Grave Digger-Track Heavy Metal Breakdown). Verwandtschaften sind natürlich auch mit den Briten Saxon vorhanden sowie mit Samson aus der letzten Schaffensphase der Band, als Sänger Nicky Moore bei Samson sang. Genug davon. Ich gehe für einen neuen „spin“ des Albums „Heavy Metal Sanctuary“.
Besetzung
Dave King – Gesang
Mick Percy – Gitarre
Brian Smith – Bass
Paul Atkinson – Schlagzeug
Produktion
Fred Purser & Brian Smith
Tracklist
01. Heavy Metal Sanctuary
02. Shock and Awe
03. Hail to the King
04. Rebel With a Cause
05. Give it More
06. Too Hot For Hell
07. Revolution
08. A Prelude to Battle
09. The Legions Unite
10. Spirits of the Fallen
11. Devil Calls
12. Kingdom Come
13. Romeo