Hard-Rock-Ekstase im MC Krško (2012)
Ort: Krško / MC Krško / Slowenien
Konzertdatum: 21.01.2012
Besucherzahl: 80
Kartenpreis: 6,00€ (Vorverkauf) / 8,00 (Abendkasse)
Requiem endlich in Krško! Auch das hätten die Rock-Fans aus der Posavje beim Konzert hinausschreien können. Requiem live in Krško haben wir seit langer, langer Zeit nicht mehr erlebt – so lange, dass sich außer dem Bandältesten Marko Slokar niemand mehr daran erinnern konnte, dass sie überhaupt jemals in unserer Gegend gespielt hatten. Diesmal hatte sie der Leiter des Clubs im Jugendzentrum Krško (MC Krško), Jure Zlobko, in das idyllische Städtchen der Posavje eingeladen. Zu unserem aller Dank, die wir gute Rockkonzerte herbeisehnen, verwandelt Jure das MC Krško damit in eine kleine, aber echte Hauptstadt des guten alten Hard Rock in der Posavje – eine Musik, der er selbst leidenschaftlich zugetan ist.
Gegen halb zehn Uhr abends betraten die Ljubljaner Tomcat als Erste die Bühne. Das Quartett junger Jungs, das derzeit intensiv auf die Veröffentlichung seines Debütalbums hinarbeitet, nahm die Bühne souverän in Besitz. Und das nicht mit Guns N` Roses-Covern, sondern mit einer soliden Auswahl weniger bekannter Coverversionen und Eigenkompositionen. Lobenswert. Die Jungs agieren auf der Bühne den Großteil des Auftritts fehlerfrei. Denis‘ Gesang ist makellos, klar; Rok an der Gitarre fügt den Songs mit sicherem Rhythmusgefühl und melodischen Soli die nötige Harmonie hinzu, und dabei wird er am Bass von Gregor-Šujo ergänzt. Die Backing Vocals der beiden genannten Gitarristen verschmelzen schön mit Denis, und Damjan am Schlagzeug hält das Ganze rhythmisch zusammen. Die Bühnenshow macht Spaß – die Band lebt offensichtlich das aus, was ihre Musik ausdrückt, daran besteht kein Zweifel. Und doch fehlt etwas. Bei den makellosen Gitarrensoli tut sich in den Songs eine leichte rhythmisch-melodische Leere auf. Was offensichtlich auch der Band selbst bewusst ist, denn Sänger Denis griff bei den letzten Songs zu seinem Jackson – lehnte zu meiner Enttäuschung aber die meiste Zeit nur daran. Beim Spielen machte er klar, dass sein gitarristisches Können seinem Gesangstalent nicht annähernd das Wasser reichen kann. Der ansonsten starken Besetzung würde ich daher empfehlen, zumindest für Live-Auftritte über einen zusätzlichen Gast oder ein weiteres Bandmitglied nachzudenken – sei es an der Gitarre oder vielleicht sogar an den Keyboards. So ließe sich jener fehlende Teil des Faktor X füllen, für den sie selbst bereits sehr erfolgreich ein solides Fundament gelegt haben.
Tomcat hatten das nach gutem alten Rock hungrige Krško-Publikum, das die Halle des MC-Clubs langsam füllte, bereits teilweise abgeholt. Als nächstes wärmten die deutlich popiger klingenden Evil Eve die Bühne auf, denen wir als Besucher des Requiem-Konzerts bereits im Kino Šiška begegnet waren. Die Band besteht aus ehemaligen Mitstreitern von Make Up2. Trotz eines makellosen Auftritts mit reichlich theatralischem Effekt der Sängerin Eve, die mit ihrem Federaufsatz auf dem Kopf erhebliche Aufmerksamkeit erregt, passt die Band meiner Meinung nach nicht ins Gesamtkonzept eines solchen Abends. Genremäßig unterscheidet sich die Musik von Evil Eve von den beiden anderen auftretenden Bands. Die Band spielte einige Eigenkompositionen und einige Coverversionen.
Und schließlich erklang nach einem kurzen Bühnenwechsel die Intro-Sequenz von Requiem. Wieder einmal eine der slowenischen Bands, die man live besser erlebt als über Studioaufnahmen – was sie gleich zu Beginn mit dem druckvollen Let it hurt von der kommenden CD unter Beweis stellten, die laut Versprechen der Bandmitglieder doch noch Ende Februar das Licht der Welt erblicken soll. Die Setlist war für die Besucher des Konzerts im Kino Šiška keine Überraschung. Die Jungs machten weiter mit der ersten Single der kommenden Platte – dem schelmischen Slovensko, das beredt von einem der beliebtesten Hobbys des slowenischen Volkes erzählt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Jungs die Bühne bereits vollständig im Griff und zogen jeden einzelnen Zuhörer vor der Bühne in ihre Musik. Das Publikum ließ sich führen und ergab sich der Band beim Zvezdno nebo vollständig – mit lautem Mitsingen zeigte es, dass Requiem trotz der Konzertflaute in der Posavje den hiesigen Zuhörern kein Unbekannter sind. Das Geschehen in der Halle nahm mit All night long Fahrt auf, wo sich das Krško-Publikum erneut mit Gesangsunterstützung auszeichnete. Nicht als ob der Gesang von Sergej Škofljanec irgendwelche Hilfe benötigt hätte – seine kristallklare Stimme kennt keine Fehler. Und lässt auch keine gelten. Zweifellos einer der besten Sänger Sloweniens enttäuschte auch diesmal nicht, obwohl ihn am nächsten Tag eine anspruchsvolle Aufgabe erwartete – ein Duett mit Tarja Turunen im KinoŠiška. Aber Sergej schonte seine Stimme deshalb in Krško nicht.
Die Jungs machten weiter mit einem Paket älterer Hits (Kaja, Čarovnice, Amsterdam, …). Die Lockerheit auf der Bühne steigerte sich, die Jungs spielten sich schön ein und harmonierten immer besser. Die kaum hörbaren gelegentlichen kleinen Rhythmusfehler und etwas zu laute Basslinien registrierte nur das angespannteste Ohr, und auch das konnte die echte Rockatmosphäre selbst bei den kritischsten Zuhörern nicht trüben. Mit dem Titeltrack des neuen Albums Fallen angels führte die Truppe unter der Leitung von Bandältestem Marko Slokar das Publikum zur Rock-Ekstase. Einen der Höhepunkte des Abends stellte zweifellos die akustisch/elektrische Version des Medleys Ogenj/Ker te ni dar. Gesang auf der Bühne war kaum noch nötig, das Publikum vor der Bühne ließ alles raus, und Sergej konnte sich dem Spiel auf der Akustikgitarre hingeben – kurz darauf stießen die übrigen Mitglieder auf ihren Instrumenten dazu. Das Duo Marko und Matjaž an den Gitarren, Bassist Martin und Schlagzeuger Miha im Hintergrund. Den 12-jährigen Weg durch Pekel in raj führten sie zum zweiten Höhepunkt und gleichzeitigen Abschluss mit Stare device. Doch das Publikum ließ sich nicht so einfach wegschicken. Es forderte mehr – und das, obwohl in der ersten Reihe bereits die ausgeschriebene Setlist von der Bühne geholt worden war und man darin fieberhaft suchte, was beim Konzert noch nicht gespielt worden war. Obwohl wir das gesamte Programm der Setlist gehört hatten, blieben wir hartnäckig. Und wir bekamen, was wir wollten.
Diesmal wiederholten Requiem nicht den Fehler vom Konzert in der Šiška, wo wir in der Zugabe bereits zuvor gespielte Songs nochmals zu hören bekamen. Die Jungs fügten diesmal noch Kraljica noči und Rock `n` roll naj živi hinzu. Doch das Publikum war auch nach dieser Zugabe weiterhin unerbittlich. Den Jungs blieb nichts anderes übrig, als in der zweiten Zugabe nochmals Slovensko zu spielen. Dann verabschiedeten sich Requiem langsam, und wir machten uns mehr als zufrieden auf den Heimweg.
Fotos: Jože Hvala
Setliste
TOMCAT: 1. Race with the devil 2. Purgatory 3. Breaking the chains 4. Girl in leather 5. Fortunate son 6. Hangover 7. (Hit the road) Wild child 8. Riders 9. Goodbye EVIL EVE: 1. Moja navodila 2. Ni popolnega 3. Word up 4. Lithium 5. Rebel yell 6. Secret 7. Love gun 8. Ne bi, hvala 9. Zombie 10. Poker face 11. Ideal REQUIEM: 1. Intro 2. Let it hurt 3. Slovenska 4. Zvezdno nebo 5. All night long 6. Kaja 7. Čarovnice 8. Amsterdam 9. Križarji 10. Red leather 11. Pozabi na vse 12. Little princess 13. Mr. Twister 14. Začaraj me 15. Heroji 16. Fallen angels 17. Gospa 18. Ogenj/Ker te ni 19. Pekel in raj 20. 12 let 21. Stare device —Zugabe I.— 22. Kraljica noči 23. Rock`n`roll naj živi —Zugabe II.— 24. Slovenska
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