Geschichten für zwei
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Radio Mondo
Label: Celinka
Erschienen: 2016
Wertung: 3.5/5
Auf die slowenische Musikszene kommt noch eine weitere Band, die – direkt gesagt – im slowenischen Musikraum populärer anklingen möchte. Hinter dem Namen Radio Mondo haben anerkannte und geschätzte slowenische Musiker ihre Kräfte vereint: Blaž Celarec (Perkussion), Nino de Gleria (Kontrabass, Bassgitarre), Urban Grabenšek (Keyboards, Gitarre), Jelena Ždrale (Violine) und Matej Mijatovič (Gesang).
Angesichts der musikalischen Hintergründe, aus denen die Bandformation stammt, überrascht der Stil nicht – eine Art süßlich-popiger Hybrid aus Kabarettchansons mit Tendenzen zum Swing. Die Melodien und Stimmungen, die das Album einfängt, betonen dabei deutlich die geografische Herkunft von der Sonnenseite der Alpen. So findet sich auch eine gewisse Beimischung volkstümlicher Melodik. Oberflächlich und grob über den Daumen gepeilt ist die Geschichte von Radio Mondo so, als würde man Nula Kelvina mit der Band Čedahuči kreuzen. Obwohl das Eröffnungsstück Vikend ljubimca in jeder Hinsicht stichelig-schelmisch wirkt, ja sogar spöttisch, und einen daher sofort an das musikalische Dossier der Band Nula Kelvina erinnert, nimmt im weiteren Verlauf die Pop-Süße immer mehr zu – vor allem wegen der vokalen Interpretation bzw. des vokalen Ansatzes von Matej Mijatovič, der durch die Duette mehrerer Gastvokalistinnen angeführt von Nana Milčinski kontrastreich belebt und eingefärbt wird. Letztere hat ihre Stimme in den ersten beiden Stücken eingebracht: Vikend ljubimca und Spet kot prvič.
Jedenfalls sind die 12 Stücke gewissenhaft und perfektionistisch in einen hochwertigen Kumulus aus ausgefeilt arrangierten Strukturen eingepackt, in dem alle Elemente durch und durch organisch, sachlich, geerdet und in der Ausdrucksstärke der vermittelten Emotionen überzeugend atmen. Die inhaltlichen Hintergründe sind Liebesbeziehungen, One-Night-Stands und andere süß-bittere Mann-Frau-»Kriege« (und Waffenstillstände). Eigentlich für die Macher des Albums, die längst zu erwachsenen Persönlichkeiten gereift sind, etwas naiv, überholt, wenn nicht gar infantil – aber trotzdem. Jeder von uns hat seine eigene »Štimung« bzw. die Frequenz, auf die man im Alltag eingestellt ist. Trotz stellenweise geradezu saccharosehaltiger Texte ist die Note, mit der ein luzider, verschmitzter Witz in die intelligent-kitzelnde Poesie eingebettet wird, stark genug, um den infantilen Charakter der Dichtung irgendwie zu neutralisieren – in der die Band, anders als der Autor dieser Rezension, ein gerütteltes Maß an Spaß gefunden hat. Ich hoffe, du findest ihn ebenfalls.
Das Musizieren ist ausgezeichnet. Darüber braucht man keine Worte zu verlieren. Erfahrene und abgebrühte Musiker mit enormer Kilometerleistung folgen diesmal vor allem der poetischen und kompositorischen Vision von Matej Mijatovič, bei dem auch Nebojša Mijatovič beim Schreiben des Materials tatkräftig mitgeholfen hat.
Angesichts des klar ausgearbeiteten musikalischen Charakters der Stücke sind die zwölf Titel, die das Album bietet, zu viele – denn das Album entfernt sich in seiner Spielzeit kaum von der abgesteckten Schablone des typischen Kabarettchansons, von dem der slowenische Raum in vielen Interpreten-Varietäten geradezu überquillt. Zehn Stücke hätten auf dem Studio-Erstling daher völlig gereicht. Wir werden sehen, wohin sich das Team aufschwingt. Sie klopfen an die Emotionen und versuchen, in die Sphäre der Mittelwellen-Popularität der slowenischen Radiowellen vorzudringen. Unterhaltsam, überzeugend, aber in der Ausdruckskraft absolut nichts Besonderes und zum Großteil schon Gehörtes.
Besetzung
Matej Mijatovič – Gesang
Nino de Gleria – Kontrabass, Bassgitarre, Akustik- und E-Gitarre, Ukulele, Banjo, Synth Bass
Jelena Ždrale – Violine, Viola, Marakas, Gesang
Blaž Celarec – Perkussion, Schlagzeug, Gesang
Urban Grabenšek- Klavier, E-Piano, Akustikgitarre, Banjo, Gesang
MITWIRKENDE MUSIKER:
Nebojša Mijatović – Musik (8,12), Texte (3,8,10,12)
Andraž Kržič – Klavier (3,8.11), Begleitgesang (11,12)
Krešimir Jadronja – Cajon (3,11), Tuareg-Trommel (8), Begleitgesang (11)
Rok Erjavec – E-Gitarre (11), Begleitgesang (11)
Nanča Muck – Gesang (11)
Luka Ropret – klassische Gitarre (10)
Jernej Kržič – Bassgitarre (11)
GASTMUSIKERINNEN:
Nana Milčinski – Gesang (1,2)
Neža Trobec – Gesang (3)
Produktion
Nino de Gleria
Tracklist
1. Vikend ljubimca
2. Spet kot prvič
3. Halo, mon cheri
4. Obriši solze
5. Mica se krega
6. Pijano te pogledam
7. Ne moje ne tvoje…
8. Anita in Čarli
9. Kadar te ni
10. Spomini
11. Tako dišiš
12. Zaspana nedelja