Frozen In Moment — Live In Atlanta

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Redemption
Label: Inside Out Records
Veröffentlichung: 2009
Laufzeit: 65:27
Wertung: 4/5

Redemption sind eine Supergroup – eigentlich noch ein weiteres  Progressive-Metal-Kraftpaket, das sich in letzter Zeit von allen derartigen Versuchen wohl noch am erfolgreichsten dem Geist der alten Dream Theater angenähert hat. Die Band besteht aus erfahrenen Musikern: Sänger Ray Alder, der bei Fates Warning sang, außerdem Nicolas Van Dyk, der bei den amerikanischen Speed-Power-Metallern Steel Prophet die Gitarre schredderte („Dark Halluciantions“, 1999 – absolute Pflicht für alle!), sowie Agent Steel-Gitarrist Bernie Versailles; die weniger klingenden Namen, die die Besetzung abrunden, sind Keyboarder Greg Hosharian, Bassist Sean Andrews und Schlagzeuger Chris Quirarte.

Die Jungs haben drei Studioalben in der Tasche. Das letzte  mit dem Titel „The Origins Of Ruin“ erschien 2007, und die Band präsentierte es im selben Jahr im Rahmen einer sommerlichen Nordamerika-Tournee in Gesellschaft der kanadischen technischen Extrem-Prog-Metaller Into Eternity sowie der Prog-Giganten Dream Theater.

Das als „Frozen In Moment – Live In Atlanta“ veröffentlichte Material ist auf zwei Scheiben festgehalten. Die erste ist eine DVD und enthält die vollständige filmische (wie natürlich auch akustische) Aufzeichnung des Konzertauftritts der Band beim traditionellen ProgPower Festival, das 2007 zwischen dem 5. und 6. Oktober in Atlanta stattfand. Dies war das 8. ProgPower Festival in Folge, und Redemption traten dort in interessanter Gesellschaft (nicht zwingend progressiver) Bands auf, darunter z.B. Virgin Steele, Primal Fear, Threshold, Communic, After Forever, Firewind, Pagan’s Mind usw.,…

Die Band stürmte in gut 65 Minuten Spielzeit die Bühne wie der heilige Gotteszorn und präsentierte ihr Spiel mit absoluter Kraft und Geschwindigkeit – stellte sich also die Spielregeln mit einer klaren Verherrlichung von „Rauheit“ über allem auf – und inszenierte eine Progressive-Metal-Odyssee, über die sich damals in der ausverkauften Halle definitiv alle hartgesottenen Fans von Dream Theater oder Symphony X am meisten gefreut haben. Das sind die beiden Bands, die beim Hören von Redemption als Erstes an die Assoziationstür der Hirnrinde des Zuhörers klopfen. Redemption schöpfen natürlich das Beste aus der alten Doktrin von Dream Theater, sprich der Kevin Moore-Ära, und mischen darin die hochmelodisch pompösen Arrangements, die für den Keyboard-Einsatz von Symphony X charakteristisch sind. Nicht selten reibt sich das Zusammenspiel von Gitarrenriff und Keyboards hart an Symphony X-Standards, was generell nicht überrascht, da Michael Romeo persönlich (Gitarre, Symphony X) der Band zu Beginn ihrer Entstehung beim Arrangieren der Musik geholfen hat. Van Dyk und Versailles sind ein einzigartiges Gitarren-Duo, das progressiv zerlegte Riffs aufwirbelt, in die jenes vampirische Old-School-Speed-Metal-Feuer eingemischt ist, das wie ein leichter Schleier eine klare Trennlinie zwischen dem genannten Trio Dream Theater, Symphony X und Redemption markiert. Schlagzeuger Chris Quirarte ist ein weiterer Faktor, der Redemption in Richtung Dream Theater zieht – sowohl aufgrund der Stimmung des Schlagzeugs als auch des Stils. Besonders die Übergangsrollungen auf den Toms, die Chris aus sich herausschüttelt, werden dich durchgehend in allen neun Songs an die „verwandte“ Schule von Mike Portnoy erinnern. Natürlich dürfen die atemraubenden wechselseitigen Soloduette zwischen Gitarren und Keyboards nicht fehlen, während der sechssaitige Bass gleichzeitig extreme Melodiosität entfaltet und dem Sprachstandard des Prog-Metal-Maximums vollständig folgt. Der Gesang von Ray Alder ist ideal für diesen Stil. Der erfahrene Sänger ist ein wichtiger Faktor, der den roten Faden in den Songs zusammenhält – mit der hohen Melodiosität der Versgestaltung und den wiedererkennbaren Grundmotiven, die dafür sorgen, dass der Prog-Ausdruck nicht in die Falle zufälliger Selbstfragmentierung tappt. Redemption sind deshalb keine schwere Kost für die Ohren. Der Sound ist natürlich wieder maximal. Die einzelnen Elemente klar herausgearbeitet in einem idealen Gleichgewicht des Miteinanders. Das schwächste Glied ist ausgerechnet Alder, dessen rauchig-kehlige Stimmkraft am Ende des Songs Fall On You leicht nachlässt.

Das Konzert wurde mit insgesamt fünf Kameras aufgenommen. Man könnte vielleicht mehr Close-Up-Aufnahmen vermissen, die die Jungs auf der Bühne bei ihrer Arbeit noch näher herangebracht hätten; auch die Tatsache, dass die Perspektive von rechts auf die Bühne gegenüber jener von links bevorzugt wird, spricht nicht gerade für die Arbeit des Mannes, der diesen Film zusammengeschnitten hat. Keyboarder Greg Hosharian wird von den Kameraeinstellungen meist aus dem Bild geschnitten, dabei ist der Typ wegen seines brillanten Solospiels natürlich sehr sehenswert. Kritik gibt es auch für die relative Statik der Band – und natürlich dafür, was schon eine Klassik progressiver Metal-Bands ist: dass man sich eben nicht anständig anzuziehen weiß, wenn man die Bühne betritt. Natürlich kompensieren sie das alles  mit der Lichtgeschwindigkeit ihres Spiels, das haargenau abgestimmt und in extremer Kraft aller sechs Elemente keinen Moment nachlässt. Dabei muss man in Kauf nehmen, dass die Aufnahme von einem Festival stammt und man eben auf die Eintönigkeit rotierender Scheinwerfer und die Kreation farbiger Lichtnuancen angewiesen ist. Das Bild kann sich jedoch mit außerordentlicher Klarheit und Schärfe rühmen, was beim qualitativen Abwägen des Inhalts dieses Dokuments ein sehr wichtiger Faktor ist.

Redemption haben dabei (als Bonusmaterial auf der DVD) auch einen interessanten Foto-/Video-Dokumentarfilm angeboten, der auf einem ausgezeichneten Instrumental liegt, das die Band bisher noch nie offiziell veröffentlicht hat. Der Kern dieses Dokumentarfilms dreht sich um die Tournee von Redemption in Gesellschaft von Dream Theater. Er ist zusammengestellt aus einer saftigen Abfolge von Bildern und Amateurfilmaufnahmen, bei denen sich dir der Mund von selbst zum breiten Grinsen verziehen wird. Vielleicht ist der interessanteste Moment dieses DVD-Teils jener Augenblick, als Mike Portnoy (Drums, Dream Theater) dem Geburtstagskind Nicolas Van Dyk eine Torte auf die Bühne bringt – aber anstatt sie ihm mit Glückwünschen freundlich zu überreichen, schmiert er sie ihm vor den Augen des gesamten Saalpublikums unverschämt ins Gesicht. Kurzum: das Backstage-Material zeigt, dass diese großartigen Musiker, die durch die siegreiche Vereinigung von natürlichem Talent und technischem Know-how geprägt sind, immer noch nur große, große (amerikanische) Kinder sind. Als Sahnehäubchen ist auf der DVD noch das Video zur Nummer Bleed Me Dry hinzugefügt.

Die zweite Scheibe ist eine CD! Der vollständige Konzertmitschnitt ist darauf in exakt derselben Gestalt vorhanden wie auf der DVD. Manchmal reicht es nämlich völlig aus, dir Kopfhörer aufzusetzen und in die Welt der Bühnenchemie einzutauchen, die eine Band wie Redemption entfaltet – ohne den aufdringlichen Faktor, der dir alles auf dem Silbertablett serviert (das Filmbild). Und daran darf man ruhig nicht zweifeln, dass dabei auch deine verdammten „iPod“-Geräte freudig singen würden.

Wenn du Redemption-Fan bist, alle drei Studioalben kennst oder einfach nur Prog-Metal-Enthusiast, der in diesem Genre einfach alle neuen Veröffentlichungen aufsaugen muss – dann weißt du: Diese DVD/CD ist absolute Pflicht. Alle anderen können zunächst Dream Theater erkunden, die die Grundlagen des Prog-Metals gelegt haben. Redemption sind im Grunde genommen, was musikalische Erkenntnisse angeht, nämlich nichts wirklich Besonderes. Zum Glück gibt es heute solche Bands wie sie auf dem Planeten nur noch wenige, deshalb sind sie in jedem Augenblick der Aufmerksamkeit wert. „Frozen In Moment – Live In Atlanta“ wird dich bei Weitem nicht kalt oder gleichgültig lassen.

Besetzung

Ray Alder – Gesang
Nick van Dyk – Gitarre, Keyboards
Bernie Versailles – Gitarre
Greg Hosharian – Keyboards
Sean Andrews – Bass
Chris Quirarte – Schlagzeug

Produktion

Nick Van Dyk

Trackliste

DVD:
01. Threads
02. Bleed Me Dry
03. Nocturnal
04. Memory
05. The Suffocating Silence
06. Release
07. Fall On You
08. Sapphire
09. The Death of Faith & Reason

BONUS MATERIAL:
Bleed Me Dry – Video
Photo tour diary – Dokumentation
Behind the scenes – Video

CD:
01. Threads
02. Bleed Me Dry
03. Nocturnal
04. Memory
05. The Suffocating Silence
06. Release
07. Fall On You
08. Sapphire
09. The Death of Faith & Reason

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