Episode 3: The Final Surprise
Künstler: Genius
Label: Frontiers Records
Release: 2007
„Genius“ ist eine Rockoper, deren Idee vom italienischen Multiinstrumentalisten Daniele Liverani stammt, der unter anderem bei Empty Tremor und Khymera mitgemischt hat. Was ich da in den Händen halte, ist der dritte und letzte Teil des ambitionierten Projekts, das damit die Genius-Trilogie abrundet. Die komplette Story ist ausführlicher auf Liveranis offizieller Webseite und auf der offiziellen Seite „geniusrockopera“ aufgedröselt. Drei CDs mit je 11 Songs ergeben insgesamt 33 Stücke und über 4 Stunden Musik. Wirklich großspurig. Die Geschichte dreht sich um einen Jungen namens Genius. Ein kleiner Knirps, der Schlagzeug spielt und eifrig übt. Wenn ihn morgens der Wecker aus dem Schlaf reißt, schickt ihn eine sich ständig wiederholende Sequenz so tief zurück ins Land der Träume, dass Genius in ein Reich reist, in dem er erfährt, wie menschliche Träume entstehen. Klingt verlockend und spannend, oder? Dabei wollen wir uns aber nicht lange aufhalten. Wen es interessiert, der klickt und surft einfach mal durchs Netz.
Liverani bleibt auch mit dem dritten Teil seiner Oper auf dem Niveau der beiden Vorgänger. Das Album zeichnet sich auch diesmal durch ein überragendes Aufgebot an Sängern aus. In der Rolle des Genius ist D.C. Cooper (ex-Royal Hunt, Silent Force) zu hören, wobei diese Rolle von der Opernhaftigkeit der Vocals her problemlos auch an David Gildenlow (Pain Of Slavation) oder Toby Hitchcock (Pride Of Lions) hätte gehen können, die in Nebenrollen auftauchen, der Erste als Twinspirit nr. 32 und der Zweite als Senator Jeramus. Von allen Sängern ist nur Daniel Gildenlow auf allen drei Teilen in ein und derselben Rolle dabei. Auf dem ersten und zweiten Teil „spielt“ Marc Boals (Y.J. Malmsteen) den Genius. Und was sagt ihr erst zu den übrigen Spitzensängern auf dem Album: Andrea Dätwyler(Lunatica), Jörn Lande (ex-Masterplan, Jorn), Eric Martin (ex-Mr. Big)?
Für alle Instrumente, mit Ausnahme des Schlagzeugs (Dario Ciccioni, von Khymera), hat Daniele Liverani gesorgt. Der Typ ist verrückt, und zwar im positiven Sinne! Das hier ist Progressive Metal. Symphonischer Progressive Metal. Wenn du zum Beispiel Symphony X oder Angra liebst, willkommen zu Hause! Kurzum: unerwartete Rhythmuswechsel, Wechsel zwischen den Grundmotiven, fließende Übergänge, Chöre als Würze, Liveranis solistische Eskapaden. Alles ist geschmeidig ineinander verwoben, und „The Final Surprise“ hat von Kopf bis Fuß einen klar erkennbaren roten Faden. Natürlich steht die Magie des Riffs im Vordergrund, und auch das Double-Bass-Pedal sorgt durchgehend für ordentlich Lärm! Deshalb ist das ein Album wie gemacht für alle Fans des angesagten „reinen“ Heavy Metal. Das ist heute nämlich Power Metal und Progressive Metal mit klarem Gesang in großen Tonumfängen. Also erstklassiger Gesang auf Schritt und Tritt, wahnsinnige instrumentale Zwischenspiele (auch mit Dream Theater- oder Shadow Gallery-Tricks), auf diesem Album steckt wirklich jede Menge Musik, und es ist keins, das du sofort im Handumdrehen beim ersten Hören knackst. Du brauchst schon etwas Zeit, bis es sich setzt.
Genius ist ein bombastisches Album voller hymnischer Epen und damit genau das, was jede echte Rockoper verlangt. Bei dem Stichwort „bombastisch“ schießt einem das Projekt Avantasia in den Kopf, das aber in erster Linie eine Oper aus lupenreinen Power-Metal-Songs ist. Genius klingt in der Produktion „weicher“ als das erwähnte deutsche Projekt, wegen der „üppigeren“ Chöre und orchestralen Arrangements, und auch kompositorisch ist es die anspruchsvollere Geschichte, die eine Mischung aus Power Metal mit Elementen des Progressive Metal bietet. Der Schlussteil des Songs Save Me From My Destiny erreicht sogar den Bombast von Rhapsody of Fire, oder anschaulicher gesagt: Wo ein Italiener ist, ist garantiert irgendwo auch noch ein zweiter in der Nähe. Dem Konzept zu folgen ist nicht schwer, denn fürs Verständnis sorgen vor allem die Erzählpassagen des Geschichtenerzählers Philip Beynoe zwischen den einzelnen Songs.
„The Final Surprise“ muss man unbedingt mit Kopfhörern hören, sonst verliert die ganze Sache definitiv ihren Zauber. Liverani und Kompanie schaffen es, eine teuflisch dichte Stimmung aufzubauen, die dich im Nu komplett packt, in sich aufsaugt und in die Traumwelt davonträgt. Macht euch also bereit, in eine Welt voll purer Fantasie abzutauchen und auf eine „One-Man-Show“ der Extraklasse in Sachen Virtuosität, zu der euch Daniele Liverani einlädt. „The Final Surprise“ ist in erster Linie ein Album für alle „Prog/Power-Metal“-Eiferer.
Liverani ruht sich aber nicht auf den Lorbeeren vergangener Taten aus. Das ist offensichtlich ein extrem hyperaktiver Bursche. Kaum ist der Abschlussteil der Genius-Trilogie erschienen, ist schon das Debüt seiner neuen Band Twinspirits angekündigt, und zwar für Juni 2007! Bis dahin soll der CD-Player voll sein mit den Harmonien der dritten Genius-Episode „The Final Surprise“.
Besetzung
GESANG:
DC Cooper: ‚Genius‘
Daniel Gildenlow: ‚Twinspirit n.32‘
Jorn Lande: ‚Apikor‘
Andrea Dätwyler: ‚Kokeshi‘
Toby Hitchcock: ‚Senator Jeramus‘
Eric Martin: ‚Mr. Niko‘
Philip Bynoe: ‚Storyteller‘
Daniele Liverani – Gitarre, Bass, Keyboards
Dario Ciccioni – Schlagzeug, Percussion
Oliver Hartmann – Backing Vocals
Irene Ermolli – Backing Vocals
Philip Beynoe – Erzähler
Produktion
Daniele Liverani
Tracklist
1. Toy Warehouse
2. No More Chances
3. Save Me From My Destiny
4. Alive And Safe
5. Jump Off This Train
6. Let Me Live
7. Inside These Memories
8. I Die
9. Back To Life Again
10. Dream In Liberty
11. Final Surprise
Spieldauer: 78.43