Ein Abend voller Volksmetall mit Avven (2016)
Autor: Sebastijan Videc
Fotos: Jerneja Jerak
Video: Sebastijan Videc
Ort: Orto bar, Ljubljana, Slowenien
Konzertdatum: 13.04.2016
Das diesjährige Orto fest läuft bereits auf Hochtouren, und der Mittwochabend war diesmal vor allem den Fans etwas härterer Rhythmen gewidmet. Avven sind alte Bekannte der slowenischen Bühnen, auch dieser im Orto bar, und Puppetz sammeln ebenfalls schon seit geraumer Zeit erfolgreich Konzertkilometer. Da ich beiden Bands diesmal zum ersten Mal live begegnet bin, waren die Erwartungen – vor allem auf Basis von Gehörtem und Gelesenem – ziemlich hoch gesteckt.
Die Band startete ihren Auftritt vor anfangs eher überschaubarem Publikum mit der akademischen Viertelstunde Verspätung. Das Duo aus Dolenjska und Posavje steht seit stattlichen 14 Jahren gemeinsam auf der Bühne und veröffentlichte letztes Jahr sein zweites Studioalbum mit dem Titel ‚Top of the World‘. Die Jungs präsentierten dem Publikum ihre Vision von modernem melodischem Rock. Sie scheuen sich nicht, Samples einzusetzen, übertreiben es aber andererseits nicht damit, sodass diese eher als Würze für die klassische Rockbesetzung mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug wirken. Musikalisch erinnern sie stellenweise an U2, manchmal sogar ein bisschen an Siddharta, was vielleicht nicht mal verwundert angesichts der vergangenen Zusammenarbeit mit Tomi Meglič – in jedem Fall aber folgen sie ihrer eigenen musikalischen Vision. Viele der Stücke sind auf dem Kontrast zwischen ruhigeren Abschnitten (Bass, Gesang, Schlagzeug) und wuchtigen Momenten aufgebaut, wenn die beiden Gitarren dazukommen. Die Rhythmussektion leistet hervorragende Arbeit, allen voran Jaka Darovec, dessen kraftvolles Schlagzeugspiel live wirklich zur Geltung kam. Mit Auszeichnung hat auch das Gitarristen-Duo Škafarr und Močnik seine Sache gemacht, das aus seiner Telecaster und der Les Paul melodische Riffs herauslockte. Die langen Jahre des gemeinsamen Spielens merkt man der Band an – die Jungs waren trotz des überschaubaren Publikums gut aufgelegt. Einzig Sänger Pahljina stach in dieser Hinsicht etwas heraus, er war eine Nuance statischer als die anderen Mitglieder, erledigte seinen Job aber dennoch solide und korrekt.
Die Verspätung von Puppetz zog zwangsläufig auch eine Verspätung des Auftritts der Abendstars Avven nach sich. Doch zu diesem Stargehabe etwas später. Wie Puppetz vor ihnen haben auch Avven jede Menge Kilometer gesammelt – auf heimischen wie auf europäischen Bühnen. Ihren Musikstil haben sie „Rock des Ostens“ genannt, angeblich weil sie westliche Werte ablehnen. Ganz so stimmt das aber nicht. Musikalisch würde ich sie, zumindest die älteren Werke, irgendwo zwischen Siddhartas Album Nord und vielleicht Eluveitie einordnen. Auch der Bandname selbst stammt aus dem Westen, ebenso wie die Künstlernamen einiger Bandmitglieder. Wo ich gerade das Stargehabe erwähne: Noch nie zuvor habe ich im Publikum so viele Pullover mit der Aufschrift Avven Crew gesehen, darunter eine ganze Reihe ihrer Fotografen, Kameraleute, Roadies und wer weiß wen noch. Bei einem größeren Konzert wäre das vielleicht gar nicht so auffällig gewesen, im kleinen Clubraum des Orto bar stach es aber ganz schön ins Auge. Sei’s drum – die umtriebigen Kresničaner haben sich offensichtlich vorgenommen, ein ganzheitliches Image aufzubauen, was für jede ambitionierte Band, die über die slowenischen Grenzen hinaus will, schlicht dazugehört. Der Auftritt selbst war so, wie man es von ihnen kennt: ausgezeichnet! Zugute kam ihnen auch der hervorragende Sound im unteren Clubsaal; leider gibt es nur einen einzigen Kritikpunkt: Man konnte Anejs Dudelsackspiel nicht hören, während Flöte und Pfeife gut zu vernehmen waren. In gut einem Jahrzehnt des Schaffens hat sich eine treue Fangemeinde aufgebaut, die dem energiegeladenen Auftritt auch diesmal das gewisse Etwas verlieh – sei es durch Klatschen, Mitsingen oder sogar einen Moshpit in den ersten Reihen. Primožs und Urošs Gesang ergänzten sich hervorragend, und Peter, verborgen hinter den Keyboards, sorgte mehrfach für Abwechslung auf der Bühne mit einem tiefen Growl, den man seiner Statur kaum zugetraut hätte. Das Konzert war natürlich auch eine hervorragende Gelegenheit, das neue Studiowerk Projekt Eos vorzustellen. Die Tracks daraus sind deutlich härter als frühere Werke, mehr „Metal“, und es könnte gut sein, dass Avven trotz ähnlichem Gesang das Siddharta-Dogma hinter sich lassen. Egal ob euch die Musik gefällt oder nicht – Avven haben einmal mehr bewiesen, dass sie eine außergewöhnliche Liveband sind, die ihre Arbeit professionell erledigt und damit Erfolg erntet, daheim wie im Ausland.
Setlist
Puppetz:
1. Gledališče sanj
2. Easily offended
3. Sanje in jaz
4. Naj vidijo
5. Dance dance
6. Top of the World
7. I believe
8. Storm
9. Anticipator
Avven
1. Vvile
2. Avven
3. 5
4. Ibo
5. Tarak
6. Spain
7. Sijaj
8. Join the dance
9. Reborn
10. Red sun
11. 969
12. Empires
13. Oceans
14. Hej ti
15. Zmaji
16. Away
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