Ein Abend mit Led Zeppelin-Klassikern im Orto bar (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 11.01.2014
Besucherzahl: 100
Eintrittspreis: 5,00€
Tribute-Bands sind immer gern gesehene Gäste, denn sie sorgen für einen guten Besucherandrang – und das gilt auch für den Tresen. Kula, eine kroatische Band aus dem međimurischen Čakovec, die sich ganz dem Schaffen der großen Led Zeppelin verschrieben hat, fand so ihren Weg auch auf slowenische Bühnen, genauer gesagt in unseren geliebten Orto bar. Bei ihrem Auftritt veranstalteten sie eine wahre kleine Orgie, mit der sich all jene Rock-Seelen identifizierten, die sich nur schwer damit abfinden können, dass Led Zeppelin nie mehr spielen werden. Auch zahlreiche kroatische Besucher waren anwesend – was doch ziemlich überraschend war.
Jedes Pflaster auf die Wunde der grausamen Erkenntnis, dass Led Zeppelin nicht mehr existieren, ist willkommen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise keine Konzerte von »Tribute-Bands« besuche – also muss in diesen Januartagen in Ljubljana wirklich eine handfeste Konzertflaute geherrscht haben. Dabei sind Kula beim Led Zeppelin-Repertoire alles andere als Analphabeten. Der Orto bar bekam ein anderthalb Stunden langes Programm mit den bekanntesten Songs von Led Zeppelin geboten, wobei sich der Laden auch erst richtig füllte, als die Band die Bühne betrat. Insgesamt rund hundert Leute rasteten bei den zeitlosen Rock-’n‘-Roll-Hymnen von Led Zeppelin aus. Von der Eröffnung mit Good Times Bad Times über Rock ‚N‘ Roll, Ramble On, Communication Breakdown, Black Dog, das erwartbare Stairway to Heaven, Kashmir, Nobody’s Fault bis hin zu Immigrant Song. Die Band hatte einen cleveren Trick parat, um das slowenische Publikum zusätzlich aufzuheizen. Vor dem Beginn von Whole Lotta Love – für das einige zusätzliche technische Soundanpassungen nötig waren – schob der Gitarrist theatralisch den roh und aufgedreht gespielten Einleitungsteil von Siddharthas Song Napoj ein. Natürlich fehlte auch ein langer psychedelisch-improvisatorischer Einschub mit dem Violinbogen auf der Gitarre nicht – weder in Whole Lotta Love noch später in Dazed And Confused.
Das Quartett spielt souverän. Die Originale wurden gut getroffen. Von der Vokalfarbe mit echter Soul-Vibration in der Tonalität bis hin zu den ordentlich gesungenen hohen Passagen (ein paar »Schlampereien« bei der Melodiegestaltung waren zu erwarten), die das einzigartige stimmliche Profil von Plant ausmachen. Die Gitarre wirkte für das Arsenal von Jimmy Page sogar zu technisch ausgereift, zu schulbuchmäßig poliert. Im Sound ein Hauch zu scharf, ein Hauch zu aufgedreht. Alles schön und gut, die Grundfiguren sind wieder sauber dargeboten – nur muss der Gitarrist in den Soli nicht vorführen, wie schnell und geschickt er ist. Wir glauben ihm, dass er sehr gut ist, deshalb braucht er keine zusätzlichen Verzierungen an den Originalen. Ein bisschen mehr von Pages einzigartigem »Feeling im Griff« sollte er in seine Finger fließen lassen, dann wird das Ganze in Zukunft noch besser funktionieren. Natürlich gab es Ungenauigkeiten, so in Stariway To Heaven (in der Übergangspassage »..makes me wonder…«, während das Solo selbst sehr schön gesetzt war). Die rhythmische Kinetik hingegen bildete ein außerordentliches Gerüst, auf dem Kula das Konzert von Anfang bis Ende erfolgreich, souverän und sicher durchzogen. Einige Kopfschmerzen bereitete der Gruppe beispielsweise Heartbreaker (das Zusammenspiel Gitarre/Gesang), da die Band dabei einige Unstimmigkeiten beim zeitlichen Präzisieren der Übergänge zeigte.
Über die Konzertvorstellung kann ich summa summarum nur lobend sprechen. Nichts anderes. Vielleicht wäre es für die Gruppe in Zukunft sehr gut, die Konzertauftritte noch stärker aufzulockern, indem sie akustisch eingefärbte Nummern einbaut, wie Going To California, Friends, Gallows Pole – ganz zu schweigen von den fast schon obligatorischen Einbindungen von Babe I’m Gonna Leave You, der erotogen-düsteren, balladesken Blues-Drama-Perle SInce I’ve Been Lovin You, oder der stets magisch versunkenen Rain Song. Von besonderen Überraschungen wie Achilles Last Stand, No Quarter oder In My Times Of Dying können wir wohl nur träumen. Die Band würde auch an Intensität gewinnen, wenn sie den Bühnenauftritt und die »bad ass attitude« aufwerten würde. Alles zu seiner Zeit. Wieder ein schöner Samstagabend im Orto bar.
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