Ein Abend des gitarristischen Exzesses im Orto bar (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 29.05.2015
Besucherzahl: 30
Eintritt: 6,00€

Eine interessante Kombination besuchte den Ljubljaner Orto bar am letzten Freitag im Mai dieses Jahres! Der Jesenice-Gitarrenass Grega Habič mit seiner Begleitcrew und die progressiven Thrash-Metaller Cordura, angeführt vom Velenje-Gitarristen Tim Draksler (ex-Intercpetor, ex-Decilence). Trotz der entschiedenen stilistischen Kluft zwischen den beiden Bands verbindet die Zusammenarbeit von Grega Habič und Tim Draksler die beiden Acts miteinander — beide sind bereits als Gäste beim jeweils anderen in Erscheinung getreten. Tim steuerte ein Solo auf Grega Habičs aktuellem Studioalbum »Kill the Engine« (2014) bei, und Grega ein Solo auf dem Debüt der Band Cordura, »Astral Projection« (2014).

Als Erste betraten Cordura die Bühne, in der Besetzung Tim Draksler (Gitarre), Nejc Heine (Gesang), Uroš Apat (Bass) und Grega Plamberger (Schlagzeug). Die Band präsentierte beim Konzert ihr Studioerstlingswerk »Astral Projection« und verblüffte mit einer makellosen Eingespieltheit. Die Songs haben Wiedererkennungswert, und in dieser Hinsicht haben Cordura von Anfang an das richtige Fundament gelegt, auf dem sie ihren unverwechselbaren musikalischen Ausweis entspannt und ambitioniert weiter ausbauen können. Die Musik von Cordura ist ambitioniert angelegt. Es handelt sich um eine interessante Mischung, deren grundlegendes Genre-Ausgangsmaterial in den Wurzeln des Bay-Area-Thrash-Metals zu suchen ist — dem Nährboden für Bands wie Testament, Forbidden oder Heathen —, doch Cordura verharren nicht in diesem typischen Muster, sondern bauen in ihre Arrangements auch anspruchsvollere, sprich progressiv gefärbte Passagen ein, und sogar Elemente des Jazz sind spürbar. Tempo und Atmosphäre wogen jedenfalls dynamisch durch das Spiel, und innerhalb der Truppe beeindruckte vor allem der virtuose Tim Draksler mit seiner halsbrecherisch expressiven, vielseitigen Gitarrenarbeit und überschallschnellen Gitarrensoli. Nejc Heine warf sich mit seinem ruppigen Extremgesang regelrecht auf der Bühne hin und her und brachte eine bildhafte Note von Unheil und Aggression ins Spiel, während das Rhythmuspaar Apat/Plamberger als außerordentlich kohärentes Gespann auftrat, das den Kompositionen effektiv und zuverlässig ein solides Gerüst verleiht.

Das einzige Problem war leider erneut die schwache Besucherzahl im Orto bar. Freitagabend — man hätte doch auf mehr gehofft. Der Band war wegen dieses Umstands eine leichte Niedergeschlagenheit anzusehen, aber auch in dieser Hinsicht werden sich die Zeiten in Zukunft sicher aufhellen. Cordura kannst du live beim Festival Live After Death in Komen am ersten Wochenende im Juli dieses Jahres erwischen. Außerdem arbeitet die Band angeblich bereits an Material für ein neues Studioalbum.

Es ist schön zu wissen, dass auch Grega Habič — beziehungsweise seine Band Grega Habič Band — in die Konzertaktivität zurückfindet. Neben Grega gehören der Band noch Gitarrist Peter Pavičič und das stets verlässliche Rhythmusduo aus Klemen Gasar (Bass) und Blaž Soklič (Schlagzeug) an. Die Band, die wir uns vor gut einem Monat, Mitte April im Neustädtler Lokalpatriotu, angeschaut hatten, wurde diesmal von einer etwas stärkeren Besucherdelegation unterstützt — natürlich vor allem Verwandte, Bekannte, Freunde und selbstverständlich Lebensgefährtinnen. Zumindest wirkte die Atmosphäre nicht so bedrückend und fremd wie damals im Lokalpatriot, wo sich gerade mal zehn Leute eingefunden hatten, die sich dann lieber an der Theke als in Bühnennähe versammelten. Entsprechend präsentierte sich die Band diesmal mit mehr Spielfreude und Schwung auf der Bühne, als sie sich ans Material machte.

In der Setlist überließ die Band den Songs vom aktuellen Album »Kill the Engine« das Kommando, würzte das Ganze aber auch mit Nummern aus den Alben „Open Heart Surgery“ (2011), „Self Destruct Sequence“ (2009) und sogar zwei Nummern aus dem Album »Catharsis« (2008) — jenem Album, mit dem Rockline erstmals auf Grega aufmerksam wurde.

Alle Augen waren natürlich die meiste Zeit auf die Arbeit von Grega Habič gerichtet. Ein Meister ist ein Meister. Und das bleibt er. Er hat unglaublich viel geübt. Wie viel Übung und Entbehrung das über die Jahre erfordert hat, weiß nur er selbst. Doch bei Grega ist nicht alles bloßes Drill. Er besitzt nämlich ein außerordentliches kompositorisches Talent, und sein musikalisches Visionärtum ist bis an die Zähne bewaffnet mit einer unglaublichen musikalischen Breite und Aufnahmefähigkeit. Er ist ein vielschichtig geformter Musiker, der sich ständig weiterentwickelt und wächst. Von Album zu Album. Würde Grega etwa in den USA leben, könnte er mit seinem Können und Talent problemlos als professioneller Musiker leben und bestehen — und es wäre nicht ausgeschlossen, dass er dabei auch kommerziell außerordentlich erfolgreich wäre, denn seine Musik ist vergleichbar mit dem, was weltweit gefeierte Gitarrenmeister wie unter anderem Paul Gilbert, Tony MacAlpine und Steve Vai in ihrer Karriere geliefert haben. Grega Habič aber bleibt bei uns mit seiner Begleitcrew weiterhin das bestgehütete slowenische Musikgeheimnis — zumindest im Bereich Rock und Metal. Leider.

Das Konzert fasste all diese Vorzüge anschaulich zusammen. Die Songs sind in kompositorischer Hinsicht nämlich zutiefst unberechenbar, und Überraschungen warten auf den Zuhörer an jeder Ecke. Von hartem und unerbittlichem Gitarrenshredding, Thrash-Metal-Destruktivität, bis hin zu balladesker, akustisch verführerischer Sanftheit, bluesigen Einschüben, einer Fülle von Jazz-Fetzen und Variationen. All das ist eingebettet in kohärente Arrangements, die einem überragenden Gespür für Musikalität folgen. Liebhaber erstklassiger Gitarrenakrobatik konnten dabei schlicht nicht gleichgültig bleiben. Das alles ist in einen einzigartigen musikalischen Körper gefasst, der auch im Orto bar durch eine bravouröse Darbietung einmal mehr vollauf beeindruckt hat. Ein Konzert der Grega Habič Band ist Pflichtprogramm für alle, die ein vollständiges musikalisches Experiment aus autorischer Brillanz und musikalischer Einzigartigkeit anzieht — mit einem hohen Maß an zurückgehaltener melodischer Empfänglichkeit und Eingängigkeit.

Setliste

GREGA HABIČ BAND:
1. Pussy
2. No Lie Can Live Forever
3. Tired Of Everything
4. Self Destruct Sequence
5. Beyond Redemption
6. A Little Love Song 
7. Devil’s Whisper
8. IO
9. Alyx
10. Turn the Knife
11. Catharsis
12. Devil Planted the Seed
13. Voodoo Sex Thing
14. Razor’s Edge
—Zugabe—
15. A Word
16. Sun Over the Clouds 

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