Decatholicize: Remains of Dominance

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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 1. 2. 2021
Produktion: Dražen Kecman
Albumlänge: 35.50 min
Genre: Death Metal/Thrash Metal
Wertung: 9.0/10


Das Jahr 2021! Die Rückkehr der slowenischen Extreme-Metaller Decatholicize aus Maribor. Eine Band mit einem für diese Zeiten geradezu passenden Namen – und einem Debüt mit einem nicht minder bedeutsamen Titel. Decatholicize wurden 1989 gegründet, operierten bis 1991 allerdings unter dem Namen Newsagent. Wer beim letzten Satz noch aufgepasst hat: 1993 veröffentlichte die Gruppe eine EP mit vier Demo-Aufnahmen, danach löste sie sich still und ohne großes Brimborium auf.

Gut zwei Jahrzehnte später, genauer gesagt 2017, reaktivierte sich die Band. Die beiden Urbesetzungs-Mitglieder, Schlagzeuger Alan Breber und Gitarrist Mladen Buletinac, formierten das Quintett neu, doch stabile Verhältnisse stellten sich erst nach 2018 ein, als Solo-Gitarrist Jošt Skale zum Team stieß. In einer Zeit, in der die slowenische Metal-Szene vielleicht bis zu fünf Alben pro Jahr produziert, ist jedes Album-Release in irgendeinem Metal-Subgenre aus dem heimischen Stall eine echte Offenbarung.

Die Band hat also endlich ihr Studio-Debüt rausgehauen. Material gab es im Überfluss, und sie haben das Beste vom Besten herausgepickt, was sie zur Verfügung hatten bzw. erschaffen haben. Neun ausgearbeitete Tracks in weniger als 36 Minuten – das liest sich vielversprechend und lässt darauf schließen, dass auf dem Album höchstwahrscheinlich kein Füllstoff zu finden ist. Stimmt. Gibt’s keinen. Da auf der CD noch jede Menge Platz war, hat die Band drei weitere Songs hinzugefügt, die sie 2018 noch in der Besetzung mit Gitarrist Denis Agović und Bassist Nedeljko Krljić aufgenommen hatte. Das Thema ist klar. Der Wunsch, mit freien Lungen zu atmen. Tabus brechen, Ketten und Fesseln zerreißen. Zu hoffen bleibt, dass der Vibe und die Botschaft dieses Albums ein neuer Baustein im Mosaik , der dazu beiträgt, die  kritische Masse aufzuwecken, damit sie die jahrtausendealten Peiniger der Menschheit zerbricht – zu denen auch die meisten selbsternannten Gottesmittler zählen. Die unheilvolle Aggression kompromissloser Schärfe und roher klanglicher Korrosion  ist also verkörpert.

Ende der Achtziger tauchten die ersten Thrash-Metal-Bands Sloweniens auf: Sarcasm aus Kranj, Game Over aus Jesenice, Železobeton aus Murska Sobota – und das Pflastern des Wegs hin zu weltweiten klanglichen Extremen und noch höheren Geschwindigkeiten erreichte schließlich auch Decatholicize. Das verkörpert »Remains of Dominance«. Was wir auf dem Debüt hören, ist die Kombination von Death-Metal-Elementen mit dem spürbaren Einfluss der Old-School-Thrash-Metal-Phrasierung. In den späten Achtzigern, als die Geschichte von Decatholicize beginnt, müssen Slayer und Kreator mindestens als Inspiration für die Bandmitglieder gedient haben – auch wenn das auf »Remains of Dominance« nicht direkt herauszuhören ist. Death Metal, unterfüttert mit kernigen Old-School-Thrash-Einflüssen, der hier und da in klassisch angelegte Heavy-Metal-Strukturen abschweift,  was bedeutet, dass die Band trotz aller unheilvoller Ruppigkeit ein gehöriges Maß an theatralischer Musikalität entwickelt. Die Band harmonisiert die Leitphrasen geschickt mit Gitarren-Ornamenten, widmet der Gradation der Stimmungen Aufmerksamkeit (detaillierte Eröffnungspassagen) und wechselt dabei die Atmosphären durch die Variation rhythmischer Tonarten und Strukturen – was zu einem ruckartigen Ineinanderfließen düsterer Dramatik führt, die den Charakter des Albums durchzieht. Die ansprechenden Growl-Vocals sind in diesem Ansatz ein absolutes Muss und ein wichtiges Element zur Intensivierung der düsteren Aussichten des Albums.   

Eine Revolution entdeckt die Band also nicht. In ihrer Vision und künstlerischen Sphäre agiert sie aber außerordentlich kompakt, überzeugend und geerdet. Der musikalischen Formel, die durch eine Old-School-Mischung aus Death Metal  und Thrash Metal charakterisiert wird, folgen die Jungs treu und handhaben sie gekonnt.  Auch wenn die Substanz dieses Werks keine erdbebenhaften Stöße potenzieller musikalischer Innovationen auslöst, liegt sein Vorteil darin, dass es – sosehr es auch Bekanntes und Vertrautes anspricht – nicht direkt mit Bands vergleichbar ist, die sich in dieser Genre-Sparte versuchen. »Remains of Dominance« wird durch eine herausragende Produktion aufgewertet, die dem Werk eine kontrastreiche und durchdringende Breite und Tiefe verleiht. Das ist auch der Garant für die anhaltende Albumdynamik und den ersehnten Groove-Effekt. Die Klangbausteine sind fein kontrastiert, weshalb der dreidimensionale Raum der Klanglandschaft leicht wahrnehmbar ist. Im Mittelpunkt stehen kompatible Growl-Vocals, die theatralische Unheilsschwere und Düsternis einbringen und in einem bunten Kontrast zum Grollen der Basslinien, dem aufgerauten und massiven tieffrequenten Phrasieren sowie einem soliden rhythmischen Gerüst koexistieren, das durch einfallsreiche Ausgestaltung der Einschübe an den Übergängen eine spannungsgeladene Entwicklung über das gesamte Album sichert. Die Kompositionen sind sorgfältig durchdetailliert – das spiegeln u.a. auch die Middle-Eight-Passagen wider, die mit klassischen, aber geistreichen Gitarrensoli gespickt sind, wobei die Songs dabei keinen Moment den roten Faden in der Wahrung ihrer Kompaktheit verlieren.

Das hier ist ein kreatives Manifest und ein starkes Studio-Debüt – was kaum überrascht. Die Kombination der alten Schule mit neuen und aktuellen Inhalten aus den extremen Bereichen heutiger Metal-Musik musste endlich das Licht der Welt erblicken. Ein ideen- und atmosphärisch abwechslungsreiches Debüt also, auf das die Band sehr stolz sein kann. Angesichts der Tatsache, dass Konzerte nicht erlaubt sind und offen bleibt, wann sie es wieder sein werden – zu hoffen bleibt, dass das die Band nicht ausbremst oder ihr die Lust nimmt, denn auf der anderen Seite öffnet sich dadurch jede Menge Zeit fürs Schreiben neuer Musik. Für die Reaktivierung so mancher alter Ideen, die zweifellos wie versteckte Pokerasse im Ärmel stecken – und für die Kreation neuer. »Remains of Dominance« beweist nämlich, dass das Quintett den richtigen Moment starker chemischer Wirkung im Studio erwischt hat – also ist jetzt der richtige (und allerhöchste) Zeitpunkt, dass Decatholicize den Musikmassen noch das ein oder andere Studiokapitel liefern.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Demon Divine (4:40)
2. Take Our Souls (3:08)
3. Isotope 235 (4:08)
4. Retribution Awaits Us All (2:44)
5. Down To Four Men (4:22)
6. Life Imprisonment (4:26)
7. Doomsday Machine (4:41)
8. God Ends Here (4:22)
9. Remains Of Dominance (3:17)
Bonustracks:
10. Into The Eyes (3:28)
11. Grind The Mind (4:08)
12. Armageddon (4:41)

Besetzung:
Jure Vandur – Gesang
Jošt Skale – Sologitarre
Mladen Buletinac – Rhythmusgitarre
Leon Pondelak – Bassgitarre
Alen Breber – Schlagzeug

Denis Agović – Sologitarre auf den Tracks Nr. 10, 11 und 12.
Nedeljko Krljić – Bassgitarre auf den Tracks Nr. 10, 11 und 12.


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