Death metal Nikolaus! (2014)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad
Ort: Gala Hala, Ljubljana
Konzertdatum: 06.12.2014
Das ausklingende Jahr 2014 sorgte letzten Samstag für eine der letzten Death-Metal-Delikatessen des Jahres (in ein paar Tagen folgen noch die für die selige Dezemberzeit irgendwie passenden Deicide, die mit Benton an der Spitze O Holy Night und Ähnliches anstimmen werden). Zurück auf unsere Bühnen kehrten die Veteranen des Technical Death Metal Dying Fetus, die als Begleitung die ebenfalls rückkehrenden NOLA-Teufelsverehrer Goatwhore, die Hardcore-Truppe Malevolence sowie die Prog/Tech-Death-Metal-Leute Fallujah mitbrachten. Endlich fand das Konzert auch bei uns an einem Samstag statt und lockte damit auch jene Stubenhocker aus der Reserve, denen Konzerte unter der Woche nichts bedeuten. Das Ergebnis war eine nahezu proppevolle Gala Hala und großartige Stimmung den ganzen Abend.
Die Chance zur Wiedergutmachung nach ihrer nicht allzu überzeugenden slowenischen Premiere (zum ersten Mal traten sie bei uns im vergangenen Juni zusammen mit Havok, Cephalic Carnage und Suffocation auf) bekam diesmal als Aufwärmband die amerikanische Truppe Fallujah. Die Jungs, die trotz ihres Namens keine Turbane tragen und keinen Thrash spielen – obwohl sie aus San Francisco kommen –, veröffentlichten diesen Sommer das hervorragend aufgenommene Album The Flesh Prevails, das in jeder Hinsicht eine Weiterentwicklung des Debüts The Harvest Wombs darstellt. Die Jungs haben auch live einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, denn von Schüchternheit und mangelndem Selbstvertrauen ist nichts mehr zu spüren. Fallujah wissen, dass sie ihre Instrumente durch und durch beherrschen, und dieses Selbstvertrauen zeigt sich auch in ihrer Performance. In knapp einer halben Stunde hüllten sie die Gala Hala in ein Chaos aus technisch perfektioniertem Schlagzeug, dissonanten Gitarren und atmosphärischen Keyboards; unnötige Ausflüge in den Deathcore sind bei ihnen nicht mehr auszumachen, außer in seltenen Breakdown-Momenten, die dank der reichlichen Unterstützung der atmosphärischen Keyboards auch nicht allzu albern wirken. Fallujah waren, trotz des miserablen Sounds zu Beginn, als nur das Schlagzeug zu hören war (der sich aber schnell so weit besserte, dass sogar der Bass zu hören war!), diesmal eine absolut gesteigerte Version ihrer selbst von vor anderthalb Jahren – das i-Tüpfelchen auf dem stürmischen Auftritt setzte ein phänomenales Lichtspiel, das eine geradezu unwirkliche Atmosphäre erzeugte.
In völlig andere Gefilde, komplett ohne Kompliziertheit und technische Ambitionen, führten die britischen Hardcore-Kerle Malevolence. Dass sie aus ganz anderen musikalischen Gewässern kommen, bewies auch der offensichtliche Publikumswechsel. Kapuzen und Schwarz wurden durch muskelbepackte Ninjas ersetzt, die jeden Vers der Briten auswendig kannten und unter der Bühne sofort Platz für ihre HC-Akrobatik machten. Malevolence spielen zwar stark metallisierten Hardcore, vor allem wegen der aggressiven Riffs und stellenweise sogar Blastbeats, aber insgesamt wurde es schnell etwas eintönig und langweilig. Die Jungs haben ihren Job trotzdem mit Bravour erledigt – der Frontmann hat genug Energie und Charisma, nur die Gitarristen wirken zu statisch und die Riffs zu basic. Das Publikum, beziehungsweise ein paar Hartgesottene, störte das aber kein bisschen und machte sich mit Hardcore-Tänzen Luft, die ich nicht verstehe. Kein bisschen. Ein spontaner Bonus war dennoch der Sprung eines Fans auf die Bühne, der dem Sänger das Mikrofon aus der Hand riss und es sogar besser hinausbrüllte als er.
In noch extremere Metal-Gewässer kehrte die inzwischen fast voll besetzte Gala Hala durch die NOLA-Veteranen Goatwhore zurück, die Ljubljana diesmal mit dem aktuellen Album Constricting Rage of the Merciless aus den Sümpfen von New Orleans heraus angriffen. Die freigebige Ziege sorgte wieder für einen handfesten Alligatoren-Biss druckvollen, geschwärzten Death Metals – und das einmal mehr kompromisslos und gnadenlos. Genauso wie Satan in South Park Saddam sodomisiert. Vom Fürsten der Finsternis persönlich mit Whiskey und allerlei anderen Dingen getränkt, haben Goatwhore als Geschenk einfache, aber teuflisch ansteckende und drückende Riffs erhalten, die Sammy Duet rausfeuert, schlichte Punk-Drums, die trotzdem eine vernichtende Grundlage bilden, sowie den rohen Vokalangriff von Ben Falgoust. Goatwhore haben nicht viel geredet, sondern einfach ihre apokalyptische Vision einer von Dunkelheit beherrschten Welt rausgehauen. Und das machen sie überaus wirkungsvoll. Klar klingen die Texte manchmal so, als hätte sie ein wütender Grundschüler geschrieben, der in sein Heft Pentagramme und umgekehrte Kreuze malt – aber wenn Falgoust Verse à la Fucked By Satana rausbrüllt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die Nackenmuskulatur ordentlich zu strapazieren, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Abgesehen vom hervorragenden, klaren und genau richtig lauten Sound hat sich der hünenhafte Ben erneut als einer der charismatischsten Frontmänner im Death Metal bewiesen, der die Show mit der wohl besten Air-Guitar-Einlage im weiten Umkreis klaut. Satan.
Die Dornenkrone setzten sich auch diesmal die unaufhaltsamen Dying Fetus auf, die seit zweieinhalb Jahren das großartige Album Reign Supreme im Gepäck haben. Obwohl sie in den letzten Jahren häufige Gäste auf unseren Bühnen sind, haben sie auch diesmal bewiesen, warum es in ihrer Gesellschaft nie langweilig wird. Das höllische Death-Metal-Trio bestätigte erneut seinen Status als Giganten des Extreme Metal, indem es einen Orkan aus technischen Riffs, wilden Arpeggio-Soli, unmenschlichem Schlagzeug und bestialischen Vocals des Duos John Gallagher und Sean Beasley in die Gala Hala entfachte. Auch diesmal redete Gallagher wenig, machte das fehlende Gerede aber mit chirurgisch präzisem Spiel und tierischen Grunzern mehr als wett. Dying Fetus boten in knapp anderthalb Stunden eine Art Best-of-Set, Moshpits und Stage Dives entfachten vor allem die mörderischen »Hits« à la Second Skin, From Womb To Waste, Subjected To A Beating und die ewige Hymne Kill Your Mother, Rape Your Dog. Der einzige Schwachpunkt von Dying Fetus? Mal wieder hatten die Techniker offenbar vergessen, Beasleys Bass einzustöpseln. Das Fingerspiel auf seinem Gitarrenhals sieht zwar wirklich beeindruckend aus – aber man hört immer noch nur den gelegentlichen »Lick« oder zwei. Aber egal – Dying Fetus regieren nach wie vor souverän.
Setlist
FALLUJAH:
1. Venom Upon the Blade
2. Ritual of Godflesh
3. Carved From Stone
4. Cerebral Hybridization
5. Sapphire
GOATWHORE:
1. Poisonous Existence In Reawakening
2. In Deathless Tradition
3. An End To Nothing
4. FBS
5. Cold Earth Consumed In Dying Flesh
6. Alchemy of the Black Sun Cult
7. Nocturnal Conjuration of the Accursed
8. Schadenfreude
9. Baring Teeth For Revolt
10. Apocalyptic Havoc
DYING FETUS:
1. In the Trenches
2. One Shot, One Kill
3. Intentional Manslaughter
4. Second Skin
5. From Womb to Waste
6. Shepherd’s Commandment
7. Raped on the Altar
8. Subjected To a Beating
9. Grotesque Impalement
10. Praise the Lord (Opium of the Masses)
11. Pissing in the Mainstream
12. Kill Your Mother, Rape Your Dog
13. Your Treachery Will Die With You
Fotogalerie



















































