Curious Volume

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Pentagram
Label: Peaceville Records
Veröffentlichung: 2015
Laufzeit: 41:58
Wertung: 4/5

Das hier ist das achte Studioalbum der Pioniere – oder besser: der Urväter des Doom Metal –, die heute als wahre Könige des Undergrounds in ihrem Genre gelten und für alles stehen, was als die dunkelste Pose gilt, die eine (beliebige) Band im Rock’n’Roll einnehmen kann. Pentagram erstrahlten wieder vor vier Jahren, als das Album »Last Rites« erschien. Gitarrist Victor Griffin kehrte damals zur Band und ins Studio zurück, und das Ergebnis war ein hervorragendes Comeback-Album, das nur bestätigte, dass das Gespann Liebling – Griffin bei Pentagram Voraussetzung für das Schaffen guter Musik ist. Mit diesem Album fanden Pentagram nämlich endlich wieder den echten Anschluss an die ersten drei Kultalben, die natürlich ebenfalls durch die fruchtbare Chemie  des gegenseitigen kreativen Zusammenspiels des genannten Duos geprägt sind.

Das neue Album namens »Curious Volume« ist eigentlich eine angenehme Überraschung aus mehreren Gründen. Angesichts von Bobby Lieblings »ewigem Schweben«, aufgrund dessen Pentagram durch ihre gesamte Karriere die unglückliche Eigenschaft der Unzuverlässigkeit begleitet (im Sinne eines konstant aktiven Schaffens), sowie Bobbys Liebesverhältnis mit dem »Weißen« (angeblich ist er jetzt »clean« (so steht es in offiziellen Verlautbarungen), doch unsere nahen und jüngsten Begegnungen mit dem markanten Sänger erfüllen einen leider mit anderen Gefühlen), ist es lobenswert, dass das Gespann mit Griffin für die Aufnahme eines neuen Albums gehalten hat. In den vier Jahren zwischen den beiden Alben haben Pentagram nämlich fleißig getourt, Mitte Juli 2013 auch zum ersten Mal Slowenien besucht, als sie beim Metaldays-Festival auftraten, und im vergangenen Jahr vor ausverkauften Clubs und mehreren Tausend Zuschauern als Headliner beim Psycho California Festival gespielt; die Band erntet dabei jede Menge positive Resonanz, was die Überzeugungskraft ihrer Liveauftritte angeht. All diese Energie von den Konzertbühnen hat sich glücklicherweise ins Studio übertragen und ist nun auf »Curious Volume« festgehalten.

Dieser wirkt noch verbissener, engagierter, fokussierter als der Vorgänger »Last RItes«, obwohl jener bereits die »triumphale Rückkehr« der Band auf ihre alten musikalischen Pfade bedeutete und für Pentagram deshalb die härtere Prüfung war. »Curious Volume« ist also die Weiterentwicklung des Vorgängers und bringt als Album eigentlich alles mit, was sich ein Fan des kultigen Materials von Pentagram – das großteils in den Siebzigern entstand – wünschen kann. Bobby Liebling bleibt mit seiner Stimme ein desillusioniert rasender Dämon mit heulender Vokalcharisma, dosiert die Interpretation mit dem richtigen Maß an nerviger Näseligkeit, während seine Pose trotzig-hörnig bleibt. Seine durchdringende, unverwechselbare Stimme bleibt das Markenzeichen der Person und der Band auch in neuen Zeiten, und Liebling hat in dieser Hinsicht nicht ein Körnchen seiner Vokalcharisma eingebüßt. Victor Griffin bringt eine neue Ladung außergewöhnlicher Gitarrenphrasen mit, die problemlos auch auf einem beliebigen Album der Bands verwendet werden könnten, in denen er mitspielt (oder mitgespielt hat): Place of Skulls, Death Row, In Graved. Und mehr. Der Teufel weiß, wann diese Stücke entstanden sind, denn es ist bekannt, dass Pentagram vor ihrem Debüt eine riesige Menge Musik geschrieben haben, die noch Jahre danach erschien – und auch das Album »Last Rites« bildet da keine Ausnahme. Doch die Gitarrenphrasen in Songs wie dem prägnanten Albumöffner Lay Down and Die, dem noch intensiveren Abschluss (Because I Made It) oder dem zentralen Stück des Albums (die Titeltrack) sowie in den hervorragend (primordial-authentisch) wirkenden Doom-Totenmessen: The Tempter Push, Dead Bury Dead, Close the Casket und The Devil’s Playground, zeigen Griffins unbestreitbaren Autorenstempel. Fett und zerschrammt donnernde Gitarren mit vernichtend treffendem Hall, der sich obligatorisch an Halbtonlösungen in der Riff-Rhetorik schmiegt,  packen einen mit der kompromisslosen Ästhetik der alten Schule der Riff-Elementarität; das Album als Ganzes kennt neben Lieblings unglaublicher vokaler Verbissenheit  eigentlich keinen Makel und damit auch keinen Faktor, der kritisiert werden könnte. Keinesfalls zu überhören sind auch der scharf klingende und hohl rumpelnde Sound der satten Basslinien von Greg Turley und die wuchtige Schlagzeugvorstellung von Neuling Pete Campbell. Die Rhythmussektion wirkt kontrastreich mitreißend,  Pentagram als Gesamtheit klingen mit einer dynamischen Organik, wie wir sie sonst von Konzerten kennen. Die Produktion ist fett und verdammt lebendig.

»Curious Volume« ist für eine so langlebige Band wie Pentagram ein ausgezeichnetes Studiodokument, das Fans der klassischen Pentagram mit offenen Armen empfangen werden. Hoffen wir, dass die Band diese Energie auch in Zukunft bewahrt und dass das Gespann Griffin-Liebling hält. Denn nur das ist die Garantie für echte Pentagram-Musik. Wenn die Klänge des Albums »Curious Voiume« erklingen, ist die schönste Erkenntnis genau die, dass die Band noch immer in der Lage ist, ein Album auf dem Charisma-Niveau von vor dreißig Jahren abzuliefern – um es unbescheiden zu sagen: auf dem Niveau des Debüts »Rellentless«.  

Pentagram – Because I Made It:

Besetzung

Bobby Liebling – Gesang
Victor Griffin – Gitarre
Greg Turley – Bassgitarre
Pete Campbell – Schlagzeug 

Produktion

Travis Wyrick

Trackliste

1. Lay Down and Die
2. The Tempter Push
3. Dead Bury Dead
4. Earth Flight
5. Walk Alone
6. Curious Volume
7. Misunderstood
8. Close the Casket
9. Sufferin‘
10. Devil’s Playground
11. Because I Made It

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