Creations From A Chosen Path
Künstler: Silent Call
Label: Escape Music
Erscheinungsjahr: 2008
Wertung: 3/5
Offensichtlich reißt die neue Welle erstklassiger skandinavischer Bands, die einen leicht zugänglichen Progressive Metal pflegen, keineswegs ab. Vor uns liegt das Debütalbum der schwedischen Band Silent Call. Und wenn ich Namen wie Platitude oder Seventh Wonder ins Spiel bringe, trifft das die Sache ganz gut. Etwas weniger komplex als etwa Circus Maximus, vor allem was Gitarrensoli und das Wechselspiel zwischen Keyboards – Gitarre angeht, aber mit einem außerordentlichen Maß an Melodiösität. Eigentlich ist bei Silent Call alles dieser Melodiösität untergeordnet. Die kompakt melodischen Refrains setzen sich sofort im Ohr fest, und die Band schafft es, zwischen den Songs ein unterschiedliches Maß dieser Refrain-Kompaktheit zu zaubern, sodass das Album durchgehend sehr interessant, ansprechend, dynamisch und qualitativ konsistent bleibt.
Etwas überraschend ist die härtere Produktion des Albums mit betonten Gitarrenriffs, die Silent Call klanglich sogar den deutschen Vanden Plas annähert. Das gilt auch für einzelne Keyboard-Passagen, wie zum Beispiel das kurze Interludium Fallen und der Übergang in den knackigen Riff von Rise zeigt. Sänger Andi Kravljaca (auch bei Seventh Wonder) erinnert bisweilen in der Gestaltung der Verse und Vokalmelodien an Andi Kuntz (Vanden Plas), was allerdings nicht für die Klangfarbe der Stimme gilt, obwohl auch Kravljaca ein starker und überzeugender Sänger in mittleren, höheren und höchsten Lagen ist, der dem Sound der Band ein zusätzliches Maß an Melodie verleiht.
Die ruhige, mittelschnelle, eingängige Halbballade I Believe In Me beweist, dass die Jungs nicht von ungefähr hier sind, sondern ein außerordentliches Talent für die Kombination einprägsam ineinandergreifender Melodiösität besitzen, die sich durch die Pre-Chorus-Chorus-Beziehungen zieht. Alle Glieder (Instrumente) und der Gesang koexistieren perfekt, sowohl in der Produktion als auch in der Betonung der großen Melodien, von denen das Album voll ist. Diese großen Melodien besitzen auch eine hohe atmosphärische Reichweite, dank der typisch skandinavischen Schule des melancholischen Melos, dem auch die Keyboards neben den betonten Riffs eine besondere Tiefe verleihen. Bei all dieser Melodiösität bleiben Silent Call dem progressiven Zweig des Metals treu, da sie in den Songs mehrfache Tempowechsel sowie wechselnde Gitarrenphrasen bzw. -motive zaubern. Doch der grundlegende rote Faden ihres Ansatzes bleibt die vom ersten Moment an giftig ansteckende große Melodiösität.
Wenn dein Geschmack diesem skandinavischen Charme verfallen ist, der das Leitmotiv der melodischen Perfektion verfolgt, dabei erstklassiges technisches Spiel sowie Epik und bombastische Atmosphäre bietet und qualitativ an keiner einzigen Stelle nachlässt, dann sind Silent Call genau das Richtige für dich. Ansprechend werden sie auch für alle sein, die auf die verschiedenen „Leichtgewichte“ Brother’s Firetribe, H.E.A.T. oder Leverage abfahren, aber dabei ihren Ausdruck der melodischen Perfektion unterordnen.
Besetzung
Andi Kravljaca – Gesang
Patrik Ulfström – Keyboards
Daniel Ekholm – Gitarre
Tobbe Moen – Bassgitarre
Mikael Kvist – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Göran Edman – Gesang
Daniel Flores – Schlagzeug
Produktion
Silent Call & Martin Kronlund
Trackliste
1. My Way, My Time (4:50)
2. Outcast (4:21)
3. I Believe In Me (6:04)
4. Fallen (1:27)
5. Rise (5:03)
6. Hold On (5:08)
7. I Come Undone (4:39)
8. Divided (4:56)
9. Long Comes The Night (4:25)
10. Can’t Breathe (4:02)
11. Behold My Dreams (4:59)
12. Bloodred Sky (4:56)
13. The Chosen Path (4:06)
Albumlänge: 58.56