Brutaler Knaller beim siebten Down Town! (2013)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Kranj / Downtown / Slowenien
Konzertdatum: 28.09.2013
Besucherzahl: 400
Kartenpreis: 5,00€

Manchmal passiert’s… Ahhh. Es passiert, dass du dich mitten in der gottlosesten Metal-Fleischmühle des Universums wiederfindest. Ohne böse Vorahnung. Umso besser. Der Schock kommt durchs lebendige Fleisch viel schöner zum Ausdruck. Tanker aus Bosnien und Herzegowina waren angekündigt, blieben aber unterwegs irgendwo tief auf dem Balkan stecken. Doch der Veranstalter füllte die Lücke schnell mit einer hervorragenden Lösung. Die Erfahrenheit des KVGL-Teams lässt das Publikum einfach nicht im Stich (nochmals Respekt an Bidot und Zaverl). Als Ersatz bot der Veranstalter in letzter Minute Paragoria auf! Dazu lugte auch der gute alte Dildo vorbei. Gar nicht mal so alt. Gut aber allemal. Dead Dildo Drome! Das Festival war also gerettet! Du betrittst das Gelände. Super Besuch, angesichts der Tatsache, dass Rdeča Ostriga in Škofja Loka am selben Tag zur selben Stunde auf Black-Metal-Manier losknallte.

Die Eröffnung des kleinen Metal-Festivalchens mitten im Downtown gehörte den Jungen! Den ehrgeizigen Jungen. GMB sind ungezähmte Burschen mit üppiger musikalischer Fantasie und Vorboten einer neuen Welle im Metal! Sagen wir, Vertreter der neuen Welle extremer Obszönitäten! Auch wenn sie retromäßig klingen! Obituary, dazu ein bisschen alte Sepultura, und eine Prise vielleicht ein klitzekleines bisschen Pantera. Brutalisierung in voller Dosis. Ohne Zurückhaltung. Lieber eine Billion Halbtöne, »palm muted shredding« und Vollgas, als eine einzige melodische Linie. Das ist es. Gift! Von Anfang bis Ende im höchsten Gang. Gitarrist Klemen Govekar, der aus Armaroth hervorgegangen ist, hat neben seinen Kumpels Niki Krmelj (Bass), Anže Podobnik (Schlagzeug) und David Orehar (Growls) ein neues, messerscharf geschliffenes Werkzeug gefunden! Die Band präsentierte vollständig ihre erste EP »Gore Obsessed Violent Exhibition« mit den Kerntracks Nebelsheinwerfer, Painapple Express und Land Of The Dead. Das Quartett ist aus echtem Stahl gehämmert und besitzt schon ganz am Anfang gewaltig viel Eier. Vor allem aber gefällt der Retrosound, der Bilder und Erinnerungen an legendäre Bands aneinanderreiht, die im Rahmen authentischer musikalischer »Provokation« den Thrash versuchsweise in eine eigene Form zertrümmert und damit die brutalen Anfänge des Death Metal popularisiert haben. Primordialer Schuss, und Govekar versteht es, mit der Gitarre riesig viel Raum zu füllen und eine überzeugend einstürzende Klangwand zu erschaffen. Slowenisches Obituary? Nicht ganz, aber genug als ersten Hinweis, wo es langgeht, für alle, die die Band noch nicht kennen. Bravo, Jungs und Mädel. Nur so weiter!

Paragoria, vormals The Scourge, sind ein Thrash/Death/Groove-Metal-Quartett aus dem oberen Savinja-Tal, das kürzlich unter dem Dach des Labels On Parole Productions ihr Studiodebüt mit dem Titel »Decomposition Of Mind« veröffentlicht hat. So läuft das. Paragoria sind absolute Eigengewächse auf der slowenischen Metalszene. Noch eine außergewöhnliche Verstärkung des extremen Flügels Sloweniens. Ich kann im Moment sagen, eine der heißesten und vielversprechendsten neu zusammengeschusterten Bands profilierter und talentierter Musikmeister, die in Zukunft noch viel, viel Gutes liefern kann. Das Quartett Matjaž Parfant (Gesang, Gitarre), Jernej Štorgelj (Gesang, Bass), Primož Brezovnik (Gitarre) und Matija Kadliček (Schlagzeug) nahm seine Plätze ein, dem Ruf gerecht werdend, den der Name Paragoria verkörpert. Die finster dreinblickenden Jungs zündeten ihre Motörchen an, und das Downtown-Gelände glich bald einem Militärgelände für die Erprobung neuer Pershing-Raketen »Boden – Luft – Boden«. Wenn mich Augen und Ohren an diesem Abend nicht getäuscht haben, verwenden die Kerle gleich drei verschiedene Grundfarben des Growlings. Die linke Gitarre, also Matjaž, verwendet jenes angenehmste und tiefer angesetzte Death-Metal-Grunzen, während Bassist Jernej zwei verschiedene Growls einsetzt. Einen tieferen und einen höheren, der auch im Metalcore-Lager akzeptabel wäre. Gelegentlich hörst du einen mehr Thrash-lastigen Riff in Kombination mit einem außergewöhnlichen Gespür für voluminösen Groove, und wenn in diesen Momenten Growl auf Gesang trifft, kann es nach Machine Head riechen. Die Jungs präsentierten eine außergewöhnliche Mischung aus exzellentem Zusammenspiel eines gierigen Groove-Vorhangs aus Metal-Gemetzel, gestützt von einem perfekten rhythmischen Rückgrat – dazu packten sie einen Sack voller komplex angelegter Übergänge, die ein wunderschöner Beweis für die außergewöhnliche Fokussierung und Reife des musikalischen Talents des Quartetts sind. Paragoria präsentierten ausgiebig ihr Studiodebüt. Ansprechende Bewegung, Kinetik, Spiel mit großem Feuer und Hingabe. Das ist eine Band, von der wir hoffen, dass sie in Zukunft einer der tragenden Pfeiler des extremen Zweigs des slowenischen Metals wird! »Decomposition of Mind« ist ein Album, auf das die Gruppe wirklich stolz sein kann!

Dead Dildo Drome sind keine Unbekannte mehr. Mit einer Prise Monty-Python-Logik bricht dieses herzhafte Quintett viele Barrieren, die wir Slowenchen allzu oft in unseren verkrampften Köpfen tragen. Damit können sie dich »schälen« wie eine Banane. Der Schlüssel dazu? Ein Wort. Šero! Aber der Reihe nach. Die Mitglieder von God Scard, Language Of Thought Hypothesis und Leaf Fat, vereint unter der Flagge Dead Dildo Drome, beweisen schon seit einer Weile überzeugend, dass sie ein Team außergewöhnlicher Talente sind, die mit ihrer Eklektik und der fetten Charisma eines eigenartig herausfordernden Tobens extremer Metal-Aufgeblasenheit eine einzigartige Farbnuance der ohnehin farbenreichen Palette slowenischer Errungenschaften auf dem Feld des Metals im Jahr 2013 hinzufügen! Wenn jemand sagt, was sie spielen sei Metalcore, ist diese Bezeichnung viel zu weit gefasst! Die Band ist eine außergewöhnliche Mischung der musikalischen Ausdruckskraft der Bands, aus denen ihre Mitglieder stammen! Wo zum Teufel ist das Studiodebüt „Cowboys from Kredar’tza« Jungs? Angeblich kurz vor der Tür! Es handelt sich also um eines der meisterwarteten Alben, die sich im slowenischen Metal-Untergrund abzeichnen!

Die Band ist auf Hochtouren und perfekt eingespielt. Die gesamte Aufmerksamkeit zieht natürlich die feurige Charisma von Robert Šercer auf sich. Šero, der unverbesserliche Liebhaber von Pyjamas und Lederhandschuhen, lenkte mit seiner außergewöhnlichen Bühnenperformance hypnotisch die Aufmerksamkeit auf sich und kontrastierte mit chamäleonartiger Versenkung brillant die Stimmungslagen, die die Band aneinanderreihte. Šero zum Präsidenten! Kein Blatt vor den Mund! Mit außergewöhnlichen Vokalakrobatiken – für die ich zu behaupten wage, er habe eine Metalldrehmaschine geschluckt, die ihm dann unglücklicherweise im Hals stecken blieb – beherrschte der Kerl mit der Verve außergewöhnlicher Erfahrung und Konzertkilometerleistung die Bühne. Es war wirklich schön zu beobachten, wie der Mann genießt, wenn ihm die betrunkenen und bekifften lokalen »Typen« verschiedenen Alters vor der Nase herumbaumeln. Anfangs hat Šero sie sogar »lausbubenhaft« angestachelt, später zogen sie ihm dann allmählich die Nerven. Aber, wie schon so oft. Jedes Eckchen des Planeten hat seine Eigenartigen. Auch in Kranj mangelt es nicht daran.

Dead Dildo Drome sollten aber den Erfolg im Ausland suchen. Es ist eine außergewöhnliche Maschine, die mit voller Kraft mahlt und dabei alle Dinge außergewöhnlich intelligent angeht, was das Gefühl vollblütiger Greifbarkeit ihres musikalischen Inhalts hinterlässt. Unter den Jungs herrscht eine außergewöhnliche Chemie, Wahrnehmung, Abstimmung, eine gefestigte und ungezähmte Haltung! Dead Dildo Drome unterwerfen sich nur ihren eigenen Antriebskräften, sie fahren in einem einzigen Gang! Im höchsten! Das Spielfeld des toten Dildos? Größere Lüge gibt es nicht. Der Dildo in Diamanthärte ist verdammt nochmal lebendig und bestialisch stoßend. Wenn er sich in eure Nähe schleppt, müsst ihr euch nicht unbedingt hinter einem Schleier verstecken, aber einen Tiefschutz nehmt besser mit. Spitzenvorstellung. Eine Vorstellung, die dich wegträgt und nach der du eine gute Weile nicht zu dir kommst! Eine Band, die die Umgebung mit Energie auflädt!

Das 7. Donw Town Festival war ein voller Erfolg. Drei Bands, drei verschiedene musikalische Facetten Seiner Hoheit Metal, mit dem wir jeden Tag schlafen und umgehen. Das Königreich der Metalmusik. Alle drei Bands sind besonders, fügen sich mit ihrem eigenständigen Charakter in eine besondere Nische der extremen Zweige des Metals ein und bereichern diese dadurch! Wir können offen stolz sein. Auf Downtown! Auf den slowenischen Metal! Es lebe beides!

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