Break Away
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Overland
Label: Escape Music
Veröffentlichung: 2008
Laufzeit: 53.54
Bewertung: 4/5
Steve Overland ist eine Legende des britischen melodischen Hard Rock, wahrscheinlich sogar einer der größten Namen der Szene. Von den Zeiten bei Wildlife und der Kumpanei mit Simon Kirke (Free, Bad Company) bis zur Gründung von FM, einem der bekanntesten und erfolgreichsten Vertreter britischer AOR-Musik. Der Kerl werkelt im neuen Jahrtausend zusammen mit Heartland-Gitarrist Steve Morris am Projekt Shadowman, und ihr drittes gemeinsames Studioalbum ist gerade in Arbeit. Nicht übersehen sollte man dabei auch die zwei Platten von The Ladder, auf denen Steve mit seinen Mitstreitern einige herausragende Momente geliefert hat, die nach den besten FM-Zeiten duften und so die nostalgischen Herzen aller AOR-Fans erfreut haben.
„Break Away“ ist Steve Overland durch und durch. Ein rundum persönlicher Solo-Studioerfolg. Steve legt darauf eine außergewöhnliche musikalische Reife an den Tag. Das Album ist in künstlerischer Hinsicht überaus ausgefeilt. Die Details der einzelnen Klangcollagen werden von einer erstklassigen, glasklaren Produktion kontrastreich herausgearbeitet, in der absolute Harmonie und Balance herrschen. Bis zum vollen Glanz poliert.
Das Album ist nach wie vor ein Vertreter des melodischen Hard Rock. Es ist ausgesprochen kultiviert, das heißt: Kein Instrument spielt die dominante Rolle. Diesmal ist alles Steves Gesang untergeordnet. Seine Stimme hat den für ihn typischen Soul-Einschlag, den Steve diesmal frei auslebt. Und zwar in einem Maß, wie wir es von ihm bisher nicht gewohnt waren. Die Songs flirten in den Vorrefrains oft mit Pop-Rock-Kunstfertigkeit, die Übergangspassagen oder etwa der Ausklang von Alive And Kicking, aber auch die Übergänge im knackigen This Time, das das Album eröffnet, oder gegen Ende in Rescue Me, klingen verdächtig nach Prog Rock. Deshalb tendiert das Album in der Gesamtbilanz und analytischen Abwägung stark zu etwas, das man auch Art Rock nennen könnte – doch die riffmäßig geschärfte, in der Produktion aber durchgehend auf klanglichen Abstand zurückgenommene und beruhigte Gitarre verbirgt das melodische Hard-Rock-Grundprinzip des Albums eben nicht.
Steve betont sein Soul- und Improvisationstalent manchmal so tief, dass einem bei all der Raffinesse des Albums und seinem subtil fühlenden Ansatz als Parallele sogar die Perfektion schwer greifbarer Musikmeister wie Toto in den Sinn kommt. Vor allem wegen dieser außergewöhnlichen Abstimmung zwischen Soul-Gesang und Begleitung. Diese Sinnlichkeit von Overland funkt besonders stark in der Klasse von Look Into Your Life – die Balladen-Ausrichtung des Songs ist ideal, um Gefühle auszudrücken, was Overland mit seinem reichen Wissen und seiner Routine meisterhaft ausspielt.. Natürlich ist das Ganze zusätzlich mit mehrstimmigen Gesangsharmonien abgeschmeckt, ganz in der Tradition des britischen melodischen Rock. Unter den Songs verdient vor allem Like A River Erwähnung, als Beispiel für die ideale Symbiose der genannten Eigenschaften. Einer der schönsten direkter gebauten melodischen Hard-Rock-Stücke der Platte ist Heartache Calling.
Unglaublich, wie man ein Album mit 12 Songs hinbekommen kann, das durchgehend melodische Vollendung und Perfektion liefert. Die Grundmotive gehen stimmig ineinander über. Es ist ein Album von außergewöhnlicher melodischer Geschlossenheit. Es ist von tiefen Stimmungen durchzogen, die oft an die typische Drama-Atmosphäre grenzen, doch Steves Soul-Phänomen im Gesangsausdruck fügt dem eine Mischung aus Charme, Wärme und sogar Erotik hinzu.
Mit „Break Away“ hat Steve Overland sich selbst gefunden, mehr als je zuvor. Er hat eine ganze Schar erstklassiger Instrumentalisten um sich versammelt, und das Ergebnis ist ein Album, das Steve nur schwer übertreffen dürfte. Offenbar haben die trotz aller Arbeitswut des Mannes noch immer kräftig inspirierten und frischen Ideen in Kombination mit dem einzigartigen Anders Rydholm, diesmal völlig frei ihren Weg gefunden, um im schönstmöglichen Licht zu strahlen. „Break Away“ ist ein besonderes Album in Overlands Karriere. Persönlicher geht es nicht. Es ist ein Album, das musikalisch perfekt ausgefeilt wirkt und zugleich unglaublich echt und natürlich. Für alle, die nicht von den Standards perfekter Melodie abrücken, und Audiophile, die ihren Ohren nur den zartesten Balsam als Massage gönnen. Abgehangen, wie es nur die erfahrensten alten Hasen draufhaben.
Besetzung
Steve Overland – Gesang
Anders Rydholm – Gitarre, Keyboards, Bass
Olaaf Trampe – Gitarre
Gregg Bissonette – Schlagzeug
Tony Morra – Schlagzeug bei Evangeline und Lost In Paradise
Per Svensson – sämtliche Backing Vocals
Matt Bissonette – Fretless-Bass bei Until Forever Comes
Steve Newman – Gitarre bei Heartache Calling
Produktion
Anders Rydholm
Tracklist
1. This Time
2. Alive And Kicking
3. Break Away
4. Like A River
5. Look Into Your Eyes
6. After The Fire
7. Evangeline
8. Heartache Calling
9. Mad Mad World
10. Lost In Paradise
11. Rescue Me
12. Until Forever Comes