Sinister Mind
Autor: Aleš Podbrežnik
Band: Jaded Heart
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2007
Spieldauer: 54.57
Bewertung: 4.5/5
Jaded Heart melden sich mit ihrem neuen Album „Sinister Mind“ (2007) zurück, dem zweiten nach dem Abgang von Michael Bormann. Das grandiose „Helluva Time“ (2005) hat bewiesen, dass die Jungs problemlos ohne diesen tollen Sänger klarkommen. Das musikalische Gesicht der Band ist dabei natürlich nicht unangetastet geblieben. Der Sound ist härter, direkter und einen Tick düsterer geworden, und mit dem neuen Album rücken Jaded Heart noch näher an den Klang skandinavischer Melodic-Hard-Rock-Bands.
Die Atmosphäre auf „Sinister Mind“ wirkt noch tragischer, noch düsterer, und Jaded Heart haben mit „Sinister Mind“ ein Album aus sich herausgeholt, das sich mit dem härtesten Sound bisher brüsten kann. Weil es auch auf der neuen Platte nicht ohne Wechsel in der Besetzung abging, sind Jaded Heart durch den Neuzugang Peter Östros noch skandinavischer geworden. Der kommt natürlich aus der waschechten skandinavischen Schule der Elektrogitarren-Beherrschung. So sind klassisch runtergesägte Soli à la Norum/Malmsteen bei Jaded Heart keine Seltenheit mehr. Östros zockt die Gitarre bei der schwedischen Power-Metal-Truppe Insania, und es ist kein Wunder, dass Jaded Heart ihrem neuen Gesicht ein bisschen Stahl verpasst haben.
Jaded Heart halten auch auf „Sinister Mind“ durchgehend ein hohes Maß an Melodik. Die Musik ist überwiegend düster geworden, neben der immer lauteren Produktion bei den Gitarrenriffs vor allem wegen des Gesangs von Johan Fahlberg, der bei Weitem nicht so zuckersüß jovi-haft-bormannesk klingt. Die Texte sind im Vergleich zu „Helluva Time“ deutlich persönlicher, und die Band hat sich diesmal auch keine Coverversion gegönnt, wie es bei Paid My Dues (orig. Anastasia) von „Helluva Time“ der Fall war. Interessant ist auch die absolute Unterordnung der Keyboards von Henning Wanner, wie wir sie von Jaded Heart bisher nicht gewohnt waren. Die Riffs fressen die Keyboards buchstäblich auf, die sich stark verdeckt im Hintergrund des Gesamtsounds herumschleichen, den die Gitarrenriffs aufbauen.
Das Album bietet 11 Songs, geprägt von einer wieder mal beneidenswerten Vielfalt an musikalischen Grundmotiven, die die Stücke tragen. Ganz im Sinne ihrer bekannten Tradition und ihres Ausdrucks sorgt die Band natürlich weiter fleißig für große Refrains, die melodisch im Vordergrund stehen und sich mit einem Hauch obligatorischer Schönheits-Bombastik schamlos auf dem Album breitmachen. „Sinister Mind“ öffnet mit dem direkten Rocker Hero, der im Nu das ausgefeilte Gespür der Band für atmosphärisch-dynamische Kontraste zeigt, mit Motiven, die völlig fließend ineinander übergehen. Diese Kontrastwende zwischen Pre-Chorus und Refrain setzt die Band besonders wirkungsvoll im amerikanisch klingenden Heavenly Devotion um. Mit Justice Is Deserved tritt die Band noch mal aufs Gas, während der Titelsong mit einem der schönsten Refrains des Albums und Going Under die Stimmung gründlich in eine düstere, fast schon schaurige Richtung drehen. Einen besonderen skandi – melancholischen Touch tragen die Refrains von Open My Eyes und My Eager’s Red. Der Pre-Chorus von My Eager’s Red erinnert an die Melodie des Pre-Chorus von Queensryche The Mission, doch hier sind Atmosphäre, Rhythmus und natürlich Produktion völlig anders. Diese rein zufällige, flüchtige Ähnlichkeit werden nur die schärfsten Ohren bemerken. Das Album beschließen das schlagkräftige Hellucinate mit einem Refrain, der dafür gemacht ist, Arenen-Massen zu verführen, und das stimmungsvolle Mini-Epos Crush That Fear, eines der kompositorisch-melodischen Highlights des Albums.
Jaded Heart wirken auch mit „Sinister Mind“ weiter frisch und inspiriert. Sie schreiben nach wie vor ausgefeilte, kompakte Songs voller Melodik und Atmosphäre. Der Sound ist im Vergleich zum AOR-Opus der Bormann-Ära jetzt sehr organisch geworden. Die Energie hat sich verändert, Sound und Stil bis zu einem gewissen Grad auch, doch Jaded Heart haben all die wichtigen Qualitäten behalten, die sie zu einer hochgeschätzten Melodic-Hard-Rock-Band gemacht haben. „Sinister Mind“ ist ein weiteres hervorragendes Album der Band.
Besetzung
Johan Fahlberg – Gesang
Peter Oestros – Gitarre
Henning Wanner – Keyboards
Michael Mueller – Bass
Axel Kruse – Schlagzeug
Produktion
Chris Lausmann & Michael Voss
Trackliste
1. Hero
2. Justice Is Deserved
3. Sinister Mind
4. Going Under
5. See the Light
6. Open Your Eyes
7. My Eager’s Red
8. Always on My Mind
9. Heavenly Devotion
10. To Please and Give In
11. Hellucinate
12. Crush That Fear