Brainstorm : Midnight Ghost
Label: AFM Records
Erscheinungsdatum: 28.09.2018
Produktion: Seeb Levermann
Albumlänge: 51:38
Bewertung: 9.0 /10
Wie funktioniert eine Band, die sich schon immer mit dem Erbe des teutonischen Thrash Metal geliebäugelt hat und in ihren Reihen einen Sänger besitzt, der melodisch-autoritären Gesang einbringt und mit seiner »dominanten Pose« die Komposition des Materials so spürbar beeinflusst, dass sich die eigene Musik infolgedessen in die Gewässer des Power Metal verschiebt? Fragt die deutschen Brainstorm.
Die langlebigen Metaller aus dem deutschen Heidenheim haben in den beneidenswert vielen Jahren ihres Schaffens (sie sind nämlich ununterbrochen seit 1989 aktiv) ihren ganz eigenen Stil und Sound entwickelt, von dem sie keinen Fingerbreit abweichen. Im Laufe der Jahre haben sich die Jungs natürlich gemausert und sich zu noch fähigeren Arrangeuren entwickelt, doch übertragen sie nach wie vor mit unglaublicher Überzeugungskraft jenen altschulisch ungezähmten Zorn des weißglühenden teutonischen Riffings, mit dem sie den Hörer gnadenlos überschütten – und bewahren so auf gewisse Weise jene Ungezügeltheit, die für den Enthusiasmus von Bands typisch ist, die ihre Karriere gerade erst begonnen haben, und nicht für Metal-Veteranen, was Brainstorm zweifellos sind. Brainstorm, die vor allem mit dem außergewöhnlichen »Metus Mortis« (2000) die internationale Bühne betraten, befinden sich auf einem neu entdeckten Höhepunkt einer gewaltigen Inspirationswelle, so wie es für die Band zur Jahrtausendwende galt, als Studioalben nur so hereinprasselten. Im Laufe der Jahre sind Brainstorm fokussierter aufs Feilen an den Arrangements geworden, und diese reife Evolution bestätigen auch einige geschickt hinzugefügte Orchestrierungen sowie bestimmte künstlerische Mittel, auf die die Jungs vor mehr als 15 Jahren bewusst verzichteten, weil sie damals so vernichtend wie möglich klingen wollten.
Die Synthese einiger Neuerungen in ihrer Musik ist höchst gelungen, und deren Integration bringt keinerlei »Sünden« in dem Sinne mit sich, dass Brainstorm ein Stückchen ihrer ureigenen Metal-Charisma geopfert hätten. Der musikalische Output bleibt ansteckend, die Refrainmelodien sind die stimmungsvollen Höhepunkte der Songs. »Midnight Ghost« bringt eine neue Ernte echter Metal-Anthems, echter Marschhymnen voller durchdringender Bombastik, und die Highlights sind wieder einmal schwer zu wählen. Die Texte berühren erneut eine bunte Auswahl an Themen. Von den Nöten des kleinen Mannes und seinem langsamen (aber sicheren) Untergang bis hin zum Okkultismus, und weiter bis zu historischen Fabeln und Erzählungen.
Es gibt keine Geheimnisse, und echte Fans dieser Band werden auch dieses neue Album der bewährten Synthese zwischen der Orthodoxie der deutschen Power- und Thrash-Metal-Schule mit großem Vergnügen ihrer ohnehin schon beneidenswerten Brainstorm-Diskographie hinzufügen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
01. Devil’s Eye
02. Revealing The Darkness
03. Ravenous Minds
04. The Pyre
05. Jeanne Boulet (1764)
06. Divine Inner Ghost
07. When Pain Becomes Real
08. The Four Blessings
09. Haunting Voices
10. The Path
Besetzung:
Andy B. Franck – Gesang
Milan Loncaric – Gitarre, Hintergrundgesang
Torsten Ihlenfeld – Gitarre, Hintergrundgesang
Antonio Ieva – Bassgitarre
Dieter Bernert – Schlagzeug