Boston-HC-Abend mit Defeater im Orto bar! (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 15.06.2015
Besucherzahl: 100

Defeater, eine Band aus dem US-Bundesstaat Massachusetts bzw. der Stadt Boston, sind musikalisch ein interessanter Hybrid, dem es irgendwie gelungen ist, seinen stilistisch eigenständigen Wiedererkennungsraum auf der (über)sättigten Musikszene zu behaupten. Vor allem, wenn wir von Spielarten sprechen, deren Fundament Hardcore ist. Die Jungs veröffentlichten Mitte Juli 2013 ihr drittes Studioalbum »Letters Home«, das sich in den Musikcharts sehr gut schlug und ihnen eine breitere, man kann schon sagen globale Bekanntheit einbrachte. So kamen sie mit dem nach wie vor aktuellen Album im Gepäck auch in den Ljubljaner Orto bar, wo am Montag eine stattliche Schar slowenischer Fans auf sie wartete.

Das Vorprogramm gehörte den Locals Seul Ocean. Die Jungs aus Rovte bei Logatec machen ausschließlich instrumentale Musik. Diese folgt klaren melodischen Linien, die beim Hören sofort packen und die dominante Rolle im musikalischen Charakter der Band übernehmen. Unterlegt werden sie oft von einem breiten, verschwommenen Riff-Wall, und da diese Motive vielfach repetitiv sind, dürfte es keine große Überraschung mehr sein, dass wir sie dem Post-Rock zuordnen können. Vielleicht haben sie den richtigen Zug in Sachen Genre-Aktualität knapp verpasst – aber das ist schon eine etwas harte Anmerkung. Die neugierigen, verträumten hypnotischen Loops wirkten wohlklingend und gefällig. In vielerlei Hinsicht bringen Seul Ocean nichts wirklich Neues auf die Bühne, doch ihr Engagement lieferte einen souveränen Auftritt. Dabei ist es für eine Band, die sich auf der Szene durchkämpft, generell enorm wichtig, die Chance zu bekommen, vor etablierten Acts zu spielen. Eine gute Referenz und ein ermutigender Auftritt der Youngster.

Hatten Seul Ocean noch maximal bis zu 30 Leute verfolgt, drehte sich das Bild vor dem Auftritt von Defeater grundlegend. Im Bühnenbereich im Erdgeschoss des Orto bar hatten sich gut 100 Köpfe versammelt, darunter ein schönes Dutzend aufgeheizte Fans der Band, die kurz nach dem akustischen Eröffnungssong sofort in den vollen Mosh verfielen, als die Band den Strom »anzündete«, die Gitarrenriffs einsetzten und das durchdringende Bellen und Schreien von Sänger Derek Archambault den Raum flutete.

Die Band lieferte genau die Show, die ihre Fans gesucht und gefordert hatten. Das spürte man von der ersten bis zur letzten Sekunde des Auftritts. Die Chemie zwischen Publikum und Band stimmte von Anfang an, und die Band übersetzte diese Rückkopplungsenergie des Publikums in ihre Bühnenpräsenz – das Ergebnis war ein wirklich schönes Konzerterlebnis. Musikalisch sind Defeater kein Ausnahmefall und bringen schöpferisch auch keinerlei musikalische Revolution mit sich. Eingestreute vorhersehbare Melodien tragen jenes typisch amerikanische »heartland rock«-Element in sich, das sich in Kombination mit der Hardcore-Basis sogar in eine Art Wiederbelebung der Emo-Welle aus der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts spiegelt. Defeater sind hervorragend eingespielt und aufeinander abgestimmt, lieferten einen äußerst präzisen Bühnenauftritt und ein Konzert, das energetisch wie performativ souverän auf den Punkt gebracht war und damit sämtliche eingefleischten Fans der Band vollauf zufriedengestellt hat, die an diesem Abend in den Orto bar gekommen waren, um Defeater zu unterstützen.  

Setlist

DEFEATER:
1. Brothers
2. Bastards
3. No Shame
4. The Red, White and Blues
5. Dead Set
6. Rabbit Foot
7. Blessed Burden
8. Dear Father
9. No Savior
10. A Wound and Scar
11. Empty Glass
12. Cowardice
—Zugabe—
13. Hopeless Again

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