Blues From Hell – The Legend of the Courageous Five

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Stray Train
Label: SAOL
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 49:35
Wertung: 4.5/5

Obwohl Stray Train kaum gute zwei Jahre alt sind, handelt es sich um ein Quintett abgebrühter Hengste, eingeölt mit allen Kniffen und beschlagen mit handfesten Musikerfahrungen und jeder Menge Kilometern auf dem Buckel. Die Chemie zwischen den Jungs hat also gezündet und funktioniert auf einem wirklich beneidenswerten Level, daher überrascht es nicht, dass die Band in dieser angenehmen Arbeitsatmosphäre recht schnell ihr Studio-Debüt aus der Taufe hob – eines mit einem der längsten Titel der Rock-Ära:  »Just ‚Cause You Got the Monkey Off Your Back Doesn´t Mean The Circus Has Left Town …«, das als mehr als exzellentes Eröffnungswerk im Leben der neuen Gruppe gilt. Und weil die Jungs wissen, dass man das Eisen schmieden muss, solange es heiß ist, folgt bereits nach gut einem Jahr dem Debüt sein Studio-Nachfolger, vielsagend betitelt »Blues From Hell – The Legend of the Courageous Five«. Wenn also Frank Zappa Jazz aus der Hölle spielte, erzählt die Legende der mutigen Fünf vor allem vom Blues aus der Hölle, so wie einst Howlin‘ Wolf geheult hat. 

Nach der Veröffentlichung ihres Studio-Debüts brachen Stray Train zu einer ausgedehnten Europatournee gemeinsam mit Kadavar und Blues Pills auf und spielten in einem Rutsch sage und schreibe 43 Konzerte, wobei ihre Shows von über 30.000 Fans besucht wurden,  die sich den nackten, urtümlichen Grundstoffen der durchdringend klirrenden Rockästhetik des Hard Rocks hingaben, übergossen mit einer gehörigen Portion Blueserotik.

Auf dem neuen Album präsentieren sich Stray Train als noch reifere und noch fokussiertere Rock-Entität. »Blues From Hell – The Legend of the Courageous Five« wirkt in dieser Hinsicht noch ausgefeilter, ideenreicher und mit einer noch größeren Dosis feuernder Salven urtümlichster Rock’n’Roll-Gravur. Nicht zuletzt ist es auch ein Album, das produktionstechnisch noch effektiver und überzeugender zupackt als das Debüt. Die Band wollte aus ihren kreativen Säften schlicht das Maximum herausholen. Das neue Album wurde daher im Studio Wisseloord in den Niederlanden aufgenommen, wo zu ihrer Zeit solche Giganten wie unter anderem Queen, U2 und Depeche Mode und viele weitere aufgenommen haben, wobei für die endgültige Klanggestaltung des Albums Ronald Prent verantwortlich zeichnete, der in der Vergangenheit mit Rammstein, Depeche Mode, Queensryche,… zusammengearbeitet hat.

Würde man nicht von der hochgradig ausgeschliffenen Qualität der einzelnen Mitglieder von Stray Train sprechen, käme aus diesem Mehl garantiert kein Brot. Stell dir die ererbte Direktheit und messerscharf geschliffene Kühnheit von Led Zeppelin vor, dazu die düstere Schwermut und obskure Ästhetik von The Cult – und natürlich ist sehr geschickt verpackt auch die prätentiös-freche Kontur von Guns N‘ Roses dabei, wenn nicht sogar Vain und die frühen Poison. Klar wird die Struktur der Kompositionen, wie auch der gegroovte, warme und organische Klang, all jenen sehr, sehr vertraut vorkommen, die etwas auf das Erbe des Siebziger-Jahre-Rocks setzen, während das Zusammensein mit den klanglich verwandten Blues Pills auf der kürzlichen gemeinsamen Europatournee sowieso höchst willkommen war. Nach dem eröffnenden, auf Anschlag vibrierenden Hard-Rock-Katalysator Electrified folgt eine außerordentlich starke Komposition – man kann sie ruhig eine der stärksten des Albums nennen –, die unter einem Dach  eigentlich alle Elemente des musikalischen Visionärstums der Band vereint. Das ist das außerordentliche Heading for the Sun. Daher überrascht es nicht, dass die Band sie als Präsentations-Single ausgewählt und dazu auch ein Video gedreht hat.  Die Band beherrscht die Funk-Kinetik hervorragend (Days Gone), besonders geheimnisvoll und geradezu schicksalhaft anziehend entwickelt sich auf dem Album das mystische Emona. Das Album hält dabei auch im weiteren Verlauf eine hohe Qualitätskonstante!

Luka Lamuts Gesang ist eigentlich ideal, um bluesigen Charme und Hair/Glam-Rock/Metal-Frechdachsigkeit zu verbinden, und er ist einer der Hauptträger der Musikalität und der packenden Eingängigkeit der Refrainmelodien wie auch der Hooks der Strophen selbst. Er steckt voller Leidenschaft, Emotion, Instinkt, Weichheit, Durchdringlichkeit und noch mehr. All das schmückt Luka Lamuts Vokalleistung. Gitarrist Jure Golobič beweist erneut, was für ein Ass und Meister er ist, wenn er in den Mid-Eight-Passagen unglaublich einfallsreich konzise und ausgefeilte Soli rausfeuert, die an sich zu den attraktivsten Edelsteinen jedes einzelnen Stücks zählen. Besondere Potenz und Groove-Momente verleiht dem Album durchgehend die außerordentliche Kinetik und das Funkensprühen der Rhythmussektion. Kurz gesagt: Die Klangkontraste, die die einzelnen Klangbausteine liefern, sind bis ins Detail optimiert. Das Album packt sofort zu und lässt dabei nicht locker. Die englischen Verse sind metrisch mehr als exzellent, und Stray Train vermitteln überhaupt nicht das Gefühl, eigentlich eine slowenische Band zu sein. In dieser Hinsicht setzen sie die Qualitätslatte im Vergleich zu den übrigen slowenischen Rockgruppen auf ein neues, höheres Niveau.

In dieser Hinsicht ist »Blues From Hell« eine triumphierende Fortsetzung der Geschichte des Debüts und öffnet der Band damit noch selbstbewusstere und kompromisslosere Türen zur Bekanntheit auf dem internationalen Musikparkett. Das ist ein Album, das qualitativ tatsächlich von Kopf bis Fuß ausgestattet ist, mit allen Details größter Hingabe beim Polieren und Komponieren. In dieser Hinsicht trägt es einen ausgefeilten Charakter und das Potenzial, die Band in die Liga der heißen Garde der Neue-Welle-Hardrock- und Blues-Revivalisten zu schießen und der Band die Fanbasis auf dem internationalen Parkett zu erweitern. Dieses Album lässt sich dem Genre-Schubfach des Hard Rock zuordnen, es ist gewiss eines der besten Alben, die in diesem Jahr auf der heimischen Szene erschienen sind – und ein Album, bei dem auch die Fans dieser Musik im Ausland die Ohren weit aufstellen werden!

Besetzung

Luka Lamut – Gesang
Jure Golobič – Gitarre
Boban Milunović – Gitarre
Niko Jug – Bassgitarre
Viktor Ivanović – Schlagzeug

Produktion

The Corageous Five

Trackliste

1. Electrified
2. Heading For The Sun
3. Days Gone
4. Emona
5. Mad Machine
6. Blues From Hell
7. House Of Cards
8. Love Is Just A Breath Away
9. My Baby´s Ride
10. Give It Away
11. No Easy
12. Miracle

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