Black And White Rainbows
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Bush
Label: Caroline International S&D
Erschienen: 2017
Laufzeit: 57:44
Wertung: 2.5/5
Es erscheint das siebte Studioalbum einer Band, die zwischen 2002 und 2010 eine lange Pause einlegte und als eines der ganz eigenwilligen Phänomene aus jener Zeit gilt, als die Grunge-Invasion langsam verebbte. Die alternativen Londoner Rocker Bush, die mit ihrem Auftauchen auf der Szene bereits in der ersten Hälfte der Neunziger in den USA für eine echte Sensation sorgten und bis heute über zwanzig Millionen ihrer Studioalben verkauft haben (das Debüt »Sixteen Stone« aus dem Jahr 1994 hat in den USA bis heute sage und schreibe sechsfachen Platinstatus erreicht), stießen im Gegensatz zum großzügigen nordamerikanischen Kontinent damals auf weit weniger Unterstützung in ihrer Heimat, also auf den britischen Inseln. Dort beschäftigte man sich zur selben Zeit mit Britpop und tat Bush damit ein großes Unrecht. So blieben zum Beispiel auch die schottischen Gun unbeachtet, während Stiltskin dank des Superhit-Songs Inside wenigstens für ein Album »überlebten«.
Nun haben Bush nach ihrer Reaktivierung und der Veröffentlichung des Comeback-Albums »The Sea Of Memories« im Jahr 2011 nicht nur ihre Besetzung, sondern auch ihren Stil geändert. Das neue, also das siebte Studioalbum »Black And White Rainbows« setzt diese stilistische Transition fort. Darauf liebäugeln Gavin Rossdale und Gefährten noch ausgiebiger mit einer Weichzeichnung des Sounds, und so lassen sich immer mehr Elemente ausmachen, die U2 mit ihrem Opus in der Blütezeit der Indie-Rock-Szene geprägt haben. Schon der erste, also der Eröffnungstrack des neuen Albums namens Mad Love, ruft Parallelen zu Bands wie 30 Second To Mars und ähnlichen hervor.
Das ist ziemlich ungewöhnlich und eigentlich überraschend. Dieser Schritt. Offensichtlich wollen Bush es allen recht machen, suchen diesmal aber vor allem nach einer neuen Fan-Basis. Klar ist, dass ihnen dieses Album eher einen Bärendienst erweisen wird – und die alten Musikkritiker, vor allem die einheimischen. werden der Band auch bei den Bewertungen des neuen Albums stiefmütterlich gegenüberstehen. »Black And White Rainbows« hat nichts zu tun mit dem aufgeplusterten Post-Grunge-Moment, durch den Bush im frühen Teil ihrer Karriere, also auf den in den Neunzigern veröffentlichten Alben, berühmt wurden.
Dabei stehen uns sage und schreibe fünfzehn neue Tracks und fast eine Stunde neue Musik gegenüber. Ein entschieden zu langes Album, das in erster Linie die Gunst einer neuen Generation von Musikhörern sucht. Die Gitarre ist in dieser Hinsicht einer starken gestalterischen und produktionstechnischen Kontrolle unterworfen, während in der Produktion diverse Loop-Muster an die Oberfläche drängen. Die Band löst Arrangier-Situationen auch dadurch, dass sie Rossdales Lead-Gesang mit harmonischen Melodielinien ausstattet , wobei auch arenahafte »Oh-oh«-Gesänge nicht fehlen, was den Eindruck verstärkt, dass Bush mit dem neuen Album den Moment des zeitgenössischen MTV-tauglichen »08/15«-Pop-Indie-Rocks einfangen wollen . Wenngleich das solide Peace-s den anfänglichen Eindruck im weiteren Verlauf etwas abmildert, wo das Album an ausgelösten Dezibeln rockigen Nachhalls zunimmt, beginnt es danach leicht zu verwässern. In den musikalischen Elementen beginnen jene Elemente zu überwiegen, die das Klangbild aufweichen – in den obigen Absätzen bereits erwähnt –, und ein echter Eigentor folgt noch vor der Albummitte mit dem »seltsamen« Experiment Toma Mi Corazon. Auch an jenen Stellen, wo die Band Mikrofonie-Momente und verschiedene Verzerrungshebel des Gitarrenklangs der jeweiligen Phrasen einsetzt, packen diese Momente produktionstechnisch nicht entschlossen genug zu und bleiben klanglich unausgeschöpft , steif, produktionstechnisch »erstickt« und dadurch letztlich ausdruckslos. Nigel Pulsdorf, komm zurück!
Die Songs sind überwiegend in einem mittelschnellen bis langsamen Tempo gehalten, Rossdales Gesang wird so weit wie möglich weichgezeichnet und kommt ohne den geringsten Funken losgelassener Wildheit daher. Als solcher trägt er zur verträumten Atmosphäre des Albums bei. Diese Weichheit und die sanften Pastelltöne in der Farbgebung der Klanglandschaft bringen für Bush eigentlich eine klangliche und stilistische Verschiebung, die sie gesucht und erreichen wollten – die Frage ist nur, ob die Band damit die Gunst einer neuen Hörergeneration gewinnen wird. Eher das Gegenteil. Alte Fans könnten der Band den Rücken kehren, und das wird Bush natürlich vor eine neue Frage stellen: ob sie auf die Mittel des eigenen Opus der Vergangenheit zurückgreift, oder ob Bush weiterhin mit dem Sound experimentieren wird, wie sie es auf dem »zweischneidigen« neuen Album getan haben.
Bush – Mad Love (offizielles Video):
https://www.youtube.com/watch?v=exqfNG8AXCg
Besetzung
Gavin Rossdale – Gesang, Gitarre
Chris Traynor – Gitarre
Robin Goodridge – Schlagzeug
Corey Britz – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Produktion
Gavin Rossdale
Trackliste
1. “Mad Love”
2. “Peace-s”
3. Water
4. Lost in You
5. Sky Turns Day Glo
6. Toma Mi Corazon
7. All the Worlds Within You
8. Nurse
9. The Beat of Your Heart
10. Dystopia
11. Ray of Light
12. Ravens
13. Nothing but a Car Chase
14. The Edge of Love
15. People at War