Angels of the Apocalypse

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Timo Tolkki's Avalon
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2014
Laufzeit: 50:30
Wertung: 3.5/5

Über Timo Tolkki ist bereits viel gesagt worden. Einer der renommiertesten finnischen Gitarrenvirtuosen, Komponisten und Produzenten, der noch in den Achtzigern die Ursünde namens Stratovarius beging, startete vor zwei Jahren ein völlig neues Musikprojekt. Die Antwort des finnischen Musikvirtuosen auf das Avantasia-Projekt seines deutschen Kollegen Tobias Sammet lautet Avalon. Im vergangenen Mai veröffentlichte Tolkki bereits das Studiodebüt des Projekts Avalon mit dem Titel »The Land Of New Hope« (2013). Gerade mal ein Jahr ist vergangen, und schon steht sein Nachfolger »Angels Of The Apocalypse« in den Regalen.

Auch dieses Album ist konzeptuell ausgerichtet. Tolkki hat im Laufe seiner langen Karriere mit seinen Aktionen mehr als einmal bewiesen, dass seine Seele dunkel ist, weshalb er auch diesmal seinen kreativen Inspirationsquell in seinem Lieblingsthema gesucht hat – der Apokalypse. Diese ist unabdingbar für die »Erlösung« des Planeten Erde, den der Virus namens Menschheit mit seiner Unmoral und grenzenlosem materiellem Gier erniedrigt und entweiht hat. Der Virus der Menschheit muss vom Antlitz der Mutter Erde getilgt werden. Nur so kann die Schuld beglichen werden. Vier Engel der Apokalypse steigen im Jahr 2020 auf die Erde herab und verkörpern sich in den vier Grundelementen Feuer, Erde, Wasser und Luft. Die Enttäuschung der Engel der Apokalypse über die verfehlten Taten der Menschheit in den letzten 150 Jahren ist grenzenlos, weshalb sie eine Kaskade von Naturkatastrophen auslösen, die selbst die Fundamente jener »Zivilisationen« erschüttern, die am meisten verantwortlich sind für den unerträglichen Zustand des absoluten Verfalls derer, die nehmen, und die daraus resultierende vollständige geistige Verwahrlosung und den totalen Verlust moralischer Grundsätze. Die Büchse der Pandora öffnet sich, um den Planeten wieder ins Gleichgewicht zu bringen und ihm das ursprüngliche Aussehen jungfräulicher Reinheit zurückzugeben!

Tolkki ist ein Meister im Erschaffen von Metal-Opern. Das hat er bereits in der Vergangenheit bewiesen. Der klassisch ausgebildete Gitarrist, einer der Ideenväter des modernen europäischen Power Metals, hat ähnlich wie beim Vorgängeralbum dieses Projekts eine Gruppe bewährter Vokalisten um sich geschart. Allen ist eines gemeinsam. Mit ihren Ansätzen bringen sie in die Songs das geforderte Drama-Theater und färben die Stücke mit vielfältigen Stimmungslagen, gemäß der Aussagekraft des Konzepts! Diesmal übernehmen weibliche Vocals die dominante Rolle – Tolkki hat ihnen im Vergleich zum Erstling mehr Gesangsaufgaben zugeteilt.  Besonders in der zweiten Albumhälfte treten sie in den Vordergrund. Tolkki hat die Gesangsrollen erneut meisterhaft verteilt und fein abgestimmt an alles gedacht. An die Gesangslinien, die den Charakteristiken des jeweiligen Vokalinterpreten optimal entsprechen. Mit Ausnahme des einleitenden Preludes Song For Eden, der Balladennummern (The Paradise Lost, High Above Of Me) und des abschließenden Garden of Eden, wo symphonisch-operettenhafte Elemente dominieren, richtet sich Tolkkis kompositorischer Fokus auf seine bewährte Formel der Fusion von Power-Metal- mit symphonischen Elementen. Wer die musikalischen Hintergründe der mitwirkenden Vokalisten auf diesem Album kennt, ebenso wie Timo Tolkki selbst, und ein Fan derselben ist, wird schnell die Ohren spitzen, wenn er sich mit dem Inhalt des Albums »Angels of the Apocalypse« auseinandersetzt. Das ist unbestreitbar.

Auf jeden Fall entdeckt Tolkki mit dem zweiten Studioalbum des Projekts Avalon keine musikalische Revolution. Er bewegt sich weiterhin routiniert in musikalischen Gewässern, die er mit dem kleinen Finger seiner linken Hand beherrscht. In der Produktion hat er erneut auf die Präsenz tiefer Töne und organische Wärme verzichtet, was nicht überrascht. Dieses Minus ist auch typisch für die Produktion klassischer Stratovarius-Alben. Schlicht und einfach. Eine der typischen Eigenschaften des Power Metals ist, dass Gitarrenphrasen häufig vom »Rollen« des Doppelbassdrum-Pedals unterstützt werden, während Wärme und Organik der Basslinien dabei auf der Strecke bleiben. Aber das scheint Tolkki überhaupt nicht zu stören. Genauso wenig stört ihn, dass er erneut Vokalisten wählt, die Probleme mit der korrekten Betonung englischer Verse in den Melodien haben (diesmal ist das zum Beispiel der Italiener Fabio Leone, zur Zeit von Stratovarius war es Tolkkis finnischer Kollege Timo Kotipelto).

Ansonsten wirkt »Angels of the Apocalypse« ein bisschen düsterer in der Schaffung der vorherrschenden Atmosphären und stellenweise sogar »lauter« produziert als der Studiodebüt-Vorgänger, was zum finsteren Konzept des neuen Werkes passt. Tolkki ist so erfahren und routiniert, dass er in einem Jahr ein Album auf die Beine stellen kann, das in den grundlegenden Qualitätskriterien glaubwürdig besteht. Das Element der Generik ist klar vorhanden, doch immer wieder lenken die »Mid-Eight«-Passagen davon ab, in denen man die supersauber eingestimmten Gitarrensoli grenzenlos genießen kann.  Auch »Angels Of the Apocalypse« richtet sich in erster Linie an die hartgesottensten Liebhaber des symphonischen Power Metals europäischer Prägung. Es bringt keine musikalischen Glanzleistungen, da es in den Kompositionen dem Prinzip des bewährten und bereits vielfach verwendeten Rezepts a  la Timo Tolkki folgt.

Besetzung

Timo Tolkki – Gitarre, Bassgitarre, Keyboards
Tuomo Lassila – Schlagzeug
Antti Ikonen – Keyboards
Nicholas Jeudy – Orchestrierungen

VOKALISTEN:
Floor Jansen
Simone Simons
Fabio Lione
David DeFeis
Zachary Stevens
Elize Ryd
Caterina Nix

Produktion

Timo Tolkki

Trackliste

1. Song for Eden
2. Jerusalem is Falling
3. Desiogn the Century
4. Rise of the 4th Reich
5. Stargate Atlantis
6. You’ll Bleed Forever
7. The Paradise Lost
8. Neon Sirens
10. Angels of the Apocalypse
11. High Above of Me
12. Garden of Eden 

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