Amon Amarth eroberten das Grazer Orpheum (2017)
Autor: Sebastijan Videc
Fotos: Sebastijan Videc
Ort: Orpheum, Graz, Österreich
Konzertdatum: 02.04.2017
Besucherzahl: 2.000
Die unermüdlichen schwedischen Wikinger Amon Amarth haben sich kürzlich auf den zweiten Teil der Jomsviking-Tour begeben, deren ersten Teil sie letzten Herbst gespielt haben. Uns am nächsten kamen sie dabei in der österreichischen Stadt Graz zum Halt – in der legendären Halle Orpheum, in der in den letzten paar Jahrzehnten so manch legendäres Konzert über die Bühne gegangen ist. Die wesentliche Änderung gegenüber dem ersten Tourteil waren zwei neue Vorgruppen, die den Abend in melodischen Death-Metal-Klängen stimmig abrundeten.
Als Erste spielten die finnischen Sechser Omnium Gatherum. Leider kamen wir beide – wegen überfüllter Straßen durch heimkehrende Wochenendausflügler, fehlendem Parkraum und nicht zuletzt der Tatsache, dass die Auftritte zehn Minuten vor dem offiziell angekündigten Zeitplan begannen – erst in der Halle an, als die letzten Takte ihres Sets aus der Anlage hallten. Obwohl die Band bereits seit 1996 existiert, kamen die Finnen erst in den 2000ern so richtig in Fahrt, als sie begannen, Alben zu veröffentlichen und Verträge mit Labels wie Nuclear Blast u.ä. zu unterzeichnen. Sie spielen progressiven melodischen Death Metal mit einer Kombination aus cleanen und growlenden Vocals, und ihr Stil wurde stark von der Göteborger Szene beeinflusst. Leider muss man auf ihren nächsten Konzertauftritt bei uns oder in der Nähe noch ein Weilchen warten.
Die Band, die danach folgte, war für mich persönlich der Höhepunkt des Abends. Dark Tranquillity gehören zum großen Trio der Göteborger Melodic-Death-Metal-Szene, und ich bin ihnen zum ersten Mal live genau im Orpheum begegnet – anno 1999, als sie (neben Arch Enemy und Children of Bodom) als Vorgruppe von In Flames auf der damaligen World Colonization Tour auftraten. Wenn wir die Zeit schnell 18 Jahre vorspulen – DT haben seitdem sieben Studioalben veröffentlicht, das letzte, ‚Atoma‘, Ende letzten Jahres. Und genau Atoma war der rote Faden dieses Auftritts, denn die Songs vom letzten Album machten die Hälfte der Setliste aus. Die Band unter der Regie des charismatischen Stannej absolvierte ihren Auftritt mehr als ausgezeichnet – trotz Soundproblemen, die sich praktisch durch alle 50 Minuten ihres Sets zogen. Stannej dabei zuzusehen, wie er mit breitem Grinsen im Gesicht die Reaktionen des Publikums genießt, während der Rest der Band dahinter auf recht kontrastierende Weise eine ziemlich melancholische Form von Melodic Death Metal spielt, war schon ziemlich amüsant – aber macht nix, wir haben alle unseren Spaß gehabt. Dark Tranquillity sind dafür bekannt, auf Tourneen auch mal einen Gast-Gitarristen mitzunehmen – diesmal waren es gleich zwei. Da sich ihr Gitarrist Niklas Sundin für diese Tour etwas väterlichen »Urlaub« gegönnt hat, rekrutierte die Band Johan Reinholdz, der seine Karriere bereits als junger Teenager in der ersten Hälfte der ’90er begann und mit vielen Bands zusammengearbeitet hat – Gesellschaft leistete ihm Christopher Amott, Gründungsmitglied von Arch Enemy und Armaggedon und Bruder des bekannteren Michael Amott, der nach wie vor Haupt-Gitarrist bei Arch Enemy ist. Und wo wir gerade bei berühmten Brüdern sind – seit 2015 kümmert sich Anders Iwers mit seinem Bass um die tiefen Töne, Bruder von Peter Iwers, der vor Kurzem In Flames verlassen hat. Den beiden Gitarristen war absolut nicht anzumerken, dass sie nur vorübergehende Bandmitglieder sind, während Iwers mit seiner Körpergröße und den langen grauen Haaren und dem Bart die erste Bühnenlinie gemeinsam mit Stannej dominierte. Knappe 50 Minuten sind für eine Band vom Kaliber Dark Tranquillity absolut zu wenig. Ich hoffe nur, dass sie uns in naher Zukunft mit einer eigenen Headliner-Tour erfreuen.
Wie bereits erwähnt, haben Amon Amarth den zweiten Teil der Jomsviking-Tour gestartet – und was gibt es da Neues zu sagen im Vergleich zum Konzert in Zagreb (Konzertbericht HIER)? Ehrlich gesagt, ziemlich wenig. Wenn Dark Tranquillity mit Soundproblemen kämpften, war davon bei den Wikingern nichts zu spüren. Perfekte Bühnenshow, toller Auftritt, was will man mehr. Diesmal wurden auch die Roadies etwas mehr in Szene gesetzt: Sie tauchten neben der Bühne in Wikingermontur auf – mit Fahnen (Tattered Banners), Äxten (Guardians), Bögen (One Thousand Burning Arrows) und nicht zuletzt besuchte uns während der Darbietung von ‚Father of the Wolf‘ höchstpersönlich der Gott Loki. Und Heggs Vocals donnerten diesmal überzeugend durch das gesamte Konzert. Das knallvolle, ausverkaufte Orpheum ließ uns aber nicht atmen – buchstäblich. Die Belüftung der Halle erwies sich nämlich als völlig unzureichend, und der bis in den letzten Winkel gefüllte Saal trieb die Temperatur deutlich über 30°C. Infolgedessen sind einige Besucher ohnmächtig geworden und wurden vom Sicherheitspersonal zur medizinischen Versorgung ins Foyer der Halle gebracht. Ende gut, alles gut – wir haben wieder einen Wikingerüberfall in unserer Gegend überlebt. Das nächste Mal kämpfen wir mit ihnen im Juli in Tolmin beim Metaldays-Festival. TIL VALHAL!!!
Setliste
Dark Tranquillity
1. Force of Hand
2. The Treason Wall
3. Atoma
4. The Science of Noise
5. Forward Momentum
6. Terminus
7. The Silence in Between
8. Clearing Skies
9. The Pitiless
10. Misery’s Crown
Amon Amarth
1. The Pursuit of Vikings
2. As Loke Falls
3. First Kill
4. The Way of the Vikings
5. At Dawn’s First Light
6. Cry of the Black Birds
7. Deceiver of the Gods
8. Tattered Banners and Bloody Flags
9. Destroyer of the Universe
10. Death in Fire
11. One Thousand Burning Arrows
12. Father of the Wolf
13. Runes to my Memory
14. War of the Gods
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15. Raise Your Horns
16. Guardians of Asgard
17. Twilight of the Thunder God
Bildergalerie












































































