Amandolat
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Klarisa Jovanovič & Della Segodba
Label: Celinka
Erschienen: 2016
Wertung: 4.5/5
Klarisa Jovanovič kehrt mit ihrer Begleitband Della Segodba, drei Jahre nach dem Erscheinen des Albums »Medinteran«, mit einem neuen Werk auf die Bühne zurück, dem sie den Titel »Amandolat« gegeben hat. Das neue Album ist eigentlich die Fortsetzung einer musikalischen Visionärschaft an dem Punkt, wo die Geschichte des Albums »Medinteran« endete – genauer gesagt, dort, wo „Medinteran“ ein »offenes Ende« hinterließ. »Amandolat« ist also seine logische Fortsetzung. Die Besetzung, die Klarisa auf dem neuen Album begleitet, bleibt unverändert! Also exakt dieselbe Palette an Musikern, einschließlich der Gastmusiker.
Klarisa hat sich im Laufe der Jahre mit ihrer einzigartigen Interpretation traditioneller Volkslieder sowohl auf der slowenischen als auch auf der internationalen Bühne zu einer äußerst angesehenen Musikerin entwickelt. Mit ihrem großartigen Wissen um die Volkskunst, die die Schönheiten der Botschaft vieler ethnischer Gruppen offenbart, und ihrer Liebe zur Ethnomusik bietet sie auf dem neuen Album eine geografisch weitreichende Reinterpretation traditioneller Volksweisen – vom slowenischen Prekmurje über Ungarn, den Balkan (Kroatien, Serbien, Nordmazedonien) bis nach Albanien, Griechenland und Süditalien –, wobei Klarisa auch das Erbe der sephardischen Juden nicht vergessen hat.
Klarisa ist Übersetzerin. Sie übersetzt aus dem Neugriechischen, Kroatischen, Serbischen, Mazedonischen, Französischen und Italienischen – was ihr natürlich die Tür weit aufgestoßen hat zu einer so wirkungsvollen und überzeugenden Reinterpretation von Stücken unterschiedlicher geografischer Herkunft. Die Melodie mehrerer Sprachen trägt sie quasi im »Blut«, dazu kommt ein außerordentlich feines Gespür für Musikalität und die Fähigkeit, sich intuitiv in einzelne Vokalrollen einzufühlen – womit sie den Versen so geschickt ein Gefühl von Lebendigkeit, von Leben einhaucht. Klarisa geht stets mit unglaublicher Herzlichkeit und Feuer heran. Mit Sanftheit, Sehnsucht und einer frischen, ja fast scheuen Weichheit. Die überwiegend melancholischen Weisen sind zugleich gerade richtig dosiert mit einem Moment Schelmerei und lebhafter Verspieltheit. Das erste integrale Element der Instrumentalbegleitung, das sich so charmant in das Dossier von Klarisas Ethno-Chansonniertum einfügt, ist auf der einen Seite Vasko Atanasovski, der »Herr des Windes«, der diesmal den Entwicklungen der Stücke äußerst aufmerksam folgt, ihre kompakte Form wahrt und in den Instrumentalteilen eine improvisatorische Note einbringt – weshalb das Album Jazzelemente trägt, die natürlich im Hintergrund bleiben. Das zweite integrale Element ist die Gitarre von Luka Ropret, die sich mit der raffinierten und sinnlichen Weichheit akustischer Filigranarbeit völlig unaufdringlich und anspruchslos um Klarisas betörenden Gesang windet. Die Gitarre wirkt stellenweise, als wäre sie mit der Vokalinterpretation verwachsen.
Es muss nicht extra betont werden: Dieses Album wirkt lebendig. Es entwickelt sich dynamisch. Im Klangresultat unglaublich authentisch. Das Team entfaltet eine außerordentliche Ausdruckskraft bei der eigenwilligen Reinterpretation der Standards, die mit unverhüllter Sinnlichkeit und Leidenschaft jeden Hörer bewegt und so angenehm, ja geradezu mühelos und ohne jede Anstrengung seine Gefühle herausfordert. Die Interpretation der Stücke strahlt außerordentliche Erfahrenheit, ja Weisheit, des Kollektivs mit Klarisa an der Spitze aus. Deshalb ist »Amandolat« ein außerordentlich einprägsames Album, ein Album von außerordentlichem musikalischem Charisma.
»Amandolat« ist wie gemacht für alle Fans der beiden Vorgängeralben von Klarisa mit der Band Della Segodba. Das neue Album bleibt eigentlich mit seiner Vibration und Ausdruckskraft dort, wo Klarisa sich am meisten zu Hause fühlt. Dort ist sie auch am stärksten. So ist »Amandolat« letztlich noch ein ganz besonderes musikalisches Dokument, das auf einzigartige Weise zündet – von Anfang bis Ende gespielt mit dem fantastischen Gespür eines außergewöhnlichen musikalischen Kollektivs.
Besetzung
Klarisa Jovanovič – Gesang
Vasko Atanasovski – Sopransaxofon, Flöte
Luka Ropret – Gitarre, arabische Laute
Žiga Golob, Kontrabass
Marjan Stanič – Perkussion
GASTMUSIKER:
Jelena Ždrale – Violine, Begleitgesang
Igor Bezget – Gitarre
Nino de Gleria – Kontrabass
Danilo Ženko – Keyboards
Produktion
Danilo Ženko, Klarisa Jovanovič & Luka Ropret
Trackliste
1. Akkr Szep Az Erdo Mikor Zold (ungarisch)
2. Thalassa Thalassaki (griechisch)
3. Marijo deli bela Kumrijo (serbisch aus dem Kosovo)
4. Dej mi bože joči sokolove (kroatisch aus Međimurje)
5. Točila san čarno vijno (slowenisch aus dem Prekmurje)
6. Nevesta idi od voda (mazedonisch)
7. Por que lloras blanca nina (sephardisch)
8. Ani mori nuse (albanisch aus dem Kosovo)
9. Jano mori (mazedonisch)
10. Agapi mu fidela (griechisch aus Süditalien)
11. Addio, addio amore (italienisch)
12. Siete modos de guisar las berenjenas (sephardisch)