Als das attraktive Trio BHW zu BHB wird! (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Velden am Wörthersee (Vrba na Koroškem) / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 01.04.2015
Besucherzahl: 60
Kartenpreis: 32,00€ (Vorverkauf) / 37,00€ (Tageskasse)

In der wieder zum Leben erweckten Bluesiana machten am Tag der Narren, sprich am ersten April, drei außergewöhnliche musikalische Virtuosen Station, die im Laufe ihrer reichen Musikkarriere zahlreiche Spitzenalben vieler Künstler geprägt haben, vor allem jener mit eklektischem Inhalt. Von Pop bis Metal und experimentellem Rock (als Gegenpol) und allem dazwischen. Von Michael Jackson bis Frank Zappa. Und alles dazwischen.

Jennifer Batten (Gitarre), Stu Hamm (Bass) und Chad Wackermann (Schlagzeug). Es wäre eine Sünde, so einen Konzert-Leckerbissen zu verpassen. Jennifer Batten hat in der Bluesiana bereits am 29.11.2013 gespielt, genau an ihrem 56. Geburtstag. Damals haben sie ihr einen riesigen Kuchen in Form einer Fender Stratocaster gebacken, an dem sich die ganze Bluesiana noch lange nach dem Konzert tief in die Nacht hinein gütlich getan hat. Jenny hat auch schon in Ljubljana gespielt, im Rahmen einer Gitarren-Clinic, und auch Stu Hamm hat uns bereits besucht – im Rahmen seiner Bass-Clinic 2008 im Orto bar und als Teil der Begleitband von Joe Satriani, wo wir ihn im Juni 2008 auf den Bühnen von Codroipo bei Udine in Italien erlebt haben. Und Chad Wackermann? Der Mann, der auf den Alben und Konzerttourneen von Frank Zappa, Alan Holdsworth, Albert Lee, Steve Vai, Andy Summers (The Police), um nur einige zu nennen, mitgewirkt hat, ist diesmal nicht in der Bluesiana aufgetaucht. Stattdessen marschierte wenige Minuten nach acht im Gänsemarsch hinter Batten und Hamm Richtung Bühne ein Mann mit kurzen, adrett frisierten Haaren – auf jeden Fall muskulös und stämmig, von der Statur fast breiter als hoch. Das war kein anderer als der britische Schlagzeuger Greg Blundell. Ein weiterer erstklassiger Schlagzeuger mit teuflisch geschliffener und perfektionierter Technik, der in seiner Karriere mit David Cross (King Crimson) zusammengearbeitet hat und für Frost* sowie Pendragon trommelt – und der unlängst sogar einen Anruf von Steven Wilson himself bekommen hat, ob er auf seiner Tour zur Promotion des neuen Albums »Hand Cannot Erase« einspringen kann, da sein Schlagzeuger Marco Minnemann im Mai 2015 andere Verpflichtungen hat und die Rolle des Schlagzeugers nicht bis zum Ende von Wilsons Tournee übernehmen kann. Kurzum: Blundell ist ein außerordentlich hochgeschätzter Schlagzeuger. Ein erstklassiger und vielseitiger Virtuose. Auf keinen Fall dürfen wir aber den vierten Musiker übergehen, der an diesem Abend mit dem Trio aufgetreten ist. Es handelt sich um den ausgezeichneten italienischen Gitarristen Nazzareno Zacchoni, der Jennifer Batten schon vor zwei Jahren auf der Bühne in der Bluesiana unterstützt hat.

Die Band eröffnete das Konzert mit dem Solo-Stück von Jennifer Batten namens Ya Ain’t Nothing Like A Fast Car. Schon zu Beginn war klar, wer das Sagen auf der Bühne hat. Jenny hat die Gitarre deutlich mehr aufgedreht als Nazzareno und ihre Soli durch einen viel schärfer geschliffenen, knallhart verzerrten Sound gezogen. Willkommen im Kreuzfeuer endloser solistischer Akrobatik-Einlagen, die kein Ende nehmen wollen. Schon beim zweiten Stück berührte die Band Michael Jacksons Repertoire, als sie seine Nummer Scream spielten, die der König des Pop einst zusammen mit seiner Schwester Janet aufgeführt hat. Natürlich in einem viel schnelleren und schärferen, knallhart-experimentellen Instrumentalgewand, in dem Stu Hamms Slapping in funkiger Manier exzellent zur Geltung kam. Das kürzere Stück namens Lone Star gehörte Stu Hamm, der in einem Reggae-Rhythmus-Gerüst ein starkes Prelude entwickelte – zur Überraschung des Abends, als Einstieg in das Weather Report-Arrangement, das  Jennifer mit den Worten ankündigte: »We’re gonna hit you with some Weather Report!«. Es handelte sich um eine Darbietung des Stückes Black Market, bei der auch die weichere und feinere Seite des Quartetts zum Vorschein kam.

Diesmal kam neben Jennifer Battens halsbrecherischen Eskapaden auch der vielseitige Nazzareno Zacchoni zur Geltung, der mehrmals schlicht mit seiner Brillanz verblüffte – und dem auch eine längere Solo-Nummer gehörte, in der er sein Können auf der Akustikgitarre unter Beweis stellte.

Die Energie war unglaublich in dem Raum, in dem sich rund 60 Köpfe versammelt hatten. Bei solchen Kalibern und ihrer Ausführung des Materials kann man einfach nicht gleichgültig bleiben. Greg Blundell, der Hals über Kopf mitten auf der Tour in die Besetzung eingesprungen ist, da Wackermann sofort über den Atlantik fliegen musste – angeblich war seine Frau erkrankt –, hat in seiner Solo-Einlage am Ende des Konzerts gezeigt, was für ein feinsinniger Schlagzeuger er ist. Sein Solo unterhielt durchgehend mit Inhalten, die Blundell so darbot, dass die Stimmung von Moment zu Moment graduell dem abschließenden Crescendo entgegenstieg. Hamm hat in seiner Solo-Nummer eigentlich eine ähnliche Abfolge von Stücken gespielt wie 2008 in Ljubljana. Er eröffnete die Nummer mit einem Klassiker-Cover, schloss daran Nostalgia an und ließ das Ganze in eine instrumentale Version des Led Zeppelin-Klassikers Going To California münden. Zum Abschluss spielte das Quartett noch eine knallige Version des Nirvana-Hits Smells Like Teen Spirit, bevor das Konzert mit einem stürmischen Blues-Jam des Blues-Klassikers Fannie Mae endete, den Buster Brown 1959 geschrieben hat. Stu Hamm verwandelte sich auf der Stelle noch einmal in Jaco Pastorius, während Jennifer, die ihre Soli durchgehend mit reichem Einsatz des Tremolohebels schmückte, und Nazzareno weiterhin unaufhaltsam Salven atemraubender Solo-Eskapaden herausschossen. Zu den aufregendsten Momenten des Konzerts gehört auch die Darbietung des Stückes Freeway Jam, das im Original Jeff Beck gehört, bei dem Jennifer Batten eine Zeit lang »angestellt« war.

Zwei Stunden vergingen wie im Flug. Ein Spiel, wie auf den Leib geschrieben für die anspruchsvollsten Musikgourmets, das durchgehend begeistert – mit seiner freien Form, die Genregrenzen überbrückt, mit der außerordentlich feinsinnigen und stimmigen Adaption der Arrangements einiger der interessantesten Stücke, die in der Geschichte des Rock’n’Roll entstanden sind. Ein neues Erlebnis voller musikalischer Brillanz. Im Musiktempel namens Bluesiana. 

Setlist

1. Ya Ain’t Nothing Like A Fast Car
2. Scream (orig. Michael Jackson
3. Lone Star
4. Black Market (orig. Weather Report)
5. Elephant Stomp
6. Radio Free
7. Off the Deep End 
8. Bass guitar solo (Stu Hamm)
9. Guitar solo (Nazzareno Zacchoni)
10. The Obligatory Boogie 
11. In the Aftermath
12. Freeway Jamm (orig. Jeff Beck)
13. Drum solo (Greg Blundell)
14. Smells Like Teen Spirit (orig. Nirvana)
—Zugabe—
15. Fannie Mae (orig. Buster Brown) 

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