AC/DC auf Slowenisch: Annäherungsversuche
Ort: Rock Caffe Epicenter / Postojna / Slowenien
Konzertdatum: 07.12.2006
Besucherzahl: 80
Eintrittspreis: freier Eintritt
AC/DC sind Rock & Roll! Warum? Weil sie es einfach sind! Ein totaler Schuss vor den Kopf, bei dem jedes Hören auf „empfohlener“ Lautstärke sofort zur Evakuierung aller (noch lebenden) Nachbarn führt. Ihre Tribute-Kollegen dagegen passen wohl eher in die Szene eines Chors der katholischen Jugend. Nichts für ungut, Jungs. Aber der Reihe nach:
Wenn ich ehrlich bin, haben wir uns mit den Kumpels nach langer Zeit richtig auf eine echte Rock-Fete gefreut. „Duce“ hat uns auch diesmal nicht hängen lassen, und gegen halb neun nuckelten wir schon fröhlich am Bier aus Postojna. Als das Vieh getränkt war, zogen wir langsam Richtung Rock Cafe, wo es einiges zu sehen gab: ein schönes Lokal mit noch schönerem Ambiente und, das Beste daran, voller Leute! Kurz gesagt, eine echte Auffrischung für jemanden, dem die Ljubljanaer Verhältnisse vertrauter sind. Zum überall obligatorischen Bier fehlte uns jetzt nur noch Rock & Roll, und punkt 22 Uhr ging es los.
Die Jungs „heizten“ uns zum Auftakt mit Hell Ain’t A Bad Place To Be ein, danach folgten Hells Bells und Shoot To Thrill. Auch wenn es keine Kleinigkeit ist, innerhalb von zehn Minuten Scott und Johnson zu sein, fällt schnell auf, dass der Gesang das schwächste Glied im Ganzen ist. Die Maschine, die uns eigentlich die Eier abreißen sollte, wollte einfach nicht anspringen. Man muss nicht extra betonen, dass im Raum schnell eine apathische Stimmung herrschte und man das Gefühl nicht loswurde, dass die Saitenquäler selbst null Bock hatten. Alles wirkte völlig orientierungslos, von zu abgehackten Basslinien über leere Ala-Angus-Soli bis hin zum Posen des Rhythmusgitarristen (Statisten), den ich gar nicht erst erwähne. Aber wie bei jedem Kopfweh war auch das bald vorbei. Dafür sorgte eine sehr interessante Interpretation von Whole Lotta Rosie, die die Luft zumindest mit ein bisschen von der für AC/DC so typischen Energie füllte. Man hätte glatt getanzt, aber weil Migräne in Postojna offenbar gerade total angesagt ist, betonieren uns die Typen sofort mit dem Zeppelin’schen Rock & Roll zu!! Es folgen die weihnachtliche Version von Dirty Deeds Done Dirt Cheap und einer meiner liebsten Songs, Shot Down In Flames (dessen Titel schon einiges sagt). Die erste Hälfte der Setlist beschlossen die Jungs mit Back In Black. Es folgte eine kurze Pause, die uns allen zum Meinungsaustausch gerade recht kam und sich auch als hervorragendes Schmerzmittel erwies! Als ich mich schon langsam damit zu trösten begann, dass es nicht mehr viel schlechter werden kann, steigen die Jungs wieder ein, mit noch einem Klassiker aus der Scott-Ära, dem unvergesslichen Live Wire. An diesem Punkt fing ich schon an, mich selbst zu verfluchen, weil ich weder Monopoly noch sonst irgendwas Ähnliches zum Zeittotschlagen mitgenommen hatte. Aber pass auf: Es folgte das von allen (anderen) sehnlichst erwartete Thunderstruck, das auch mit Hüpfeinlagen des Gitarristen an der Bühne aufwartete. Den Bewegungen nach zu urteilen nutzte der Junge die Gelegenheit offenbar, um sich auf die Paralympics vorzubereiten. Natürlich ist Thunderstruck Grund genug für eine etwas „lebendigere“ Reaktion des Publikums, und vor der Bühne sammelte sich schnell ein Grüppchen „leicht“ angeheiterter lokaler Krieger. Und als hätten „Angus & Co.“ diesen plötzlichen Stimmungswechsel gespürt, verwandeln sie sich flink in eine echte, alkoholgeschmierte Maschine. Während Problem Child noch auf Rohheit setzt, sind TNT, Fire Your Guns, Heatseeker und It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock & Roll) Volltreffer. Glatte Eins, als würde ich jetzt ganz andere Leute auf der Bühne sehen. Schnell folgt Pomarančas Takoj Se Dajva Dol und in der Folge eine innige Umarmung zweier Skinheads vor der Bühne (???). Der romantische Abend erreicht seinen Höhepunkt mit einer einmaligen Version von The Jack, bei der man sich mit geschlossenen Augen problemlos vorstellen kann, dass Angus Young höchstpersönlich spielt. That’s The Way I Wanna Rock & Roll ist ein weiteres Juwel des Abends, doch dann ist die Freude leider schon wieder vorbei. Schade, dass die Jungs den Abend so beenden wollten, denn mit Motori (!?), Who Made Who (das nach gar nichts klang) und vor allem der Wiederholung von You Shook Me All Night Long hinterließen sie eher den Eindruck einer gewöhnlichen Barband als den gefährlicher Rocker. Ihre hellen Momente hatten sie aber definitiv, und ich kann mir nur wünschen, sie an einem schlechten Tag erwischt zu haben. „Da ist nix zu machen“ würden meine Leute sagen, und langsam verließen wir das Rock Cafe, in das ich definitiv wiederkommen werde. Mit Monopoly oder ohne!
Setlist
1. Hell Aint A Bad Place To Be 2. Hell’s Bells 3. Shoot To Thrill 4. Highway To Hell 5. Stiff Upper Lip 6. Whole Lotta Rosie 7. You Shook Me All Night Long 8. Moneytalks 9. Rock & Roll 10. Dirty Deeds Done Dirt Cheap 11. Shot Down In Flames 12. Riff Raff 13. Hard As A Rock 14. Back In Black 15. Live Wire 16. Problem Child 17. Thunderstruck 18. Big Gun 19. TNT 20. Fire Your Guns 21. Heatseeker 22. It’s A Long Way To The Top 23. Takoj Se Dajva Dol 24. The Jack 25. That’s The Way I Wanna Rock & Roll 26. Motori 27. Who Made Who 28. You Shook Me All Night Long