Alien

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Interpret: Cosmo
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2006

Cosmo? Eine Partnerschaft von Vater und Sohn! Fran (Vater) und Antonio Cosmo (Sohn). Wie zum Teufel kann das überhaupt funktionieren? Aber offenbar gibt es doch Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Fran gründete schon in den Achtzigern die Band Orion The Hunter, zusammen mit dem Boston-Gitarristen Barry Goudreau (bei dem Namen brichst du dir die Zunge). Später stieß Fran zu Boston und aus Orion The Hunter wurde nichts. Auf dem bislang letzten Studioalbum von Boston, „Corporate America“, wirkte auch Antonio mit, Frans Sohn. Offenbar haben die beiden dort gemerkt, dass sie auch im Studio richtig gut miteinander klarkommen, und so entstand die Band Cosmo – wenn Cosmo auf Cosmo trifft!

Name, Cover, der Ruf des Sängers, das alles zieht potenzielle Parallelen zu Boston. Mehr noch. Bei den prophetischen Andeutungen, dass das Label Frontiers Records die Band absichtlich dazu drängen würde, ein AOR-Album abzuliefern, das so sehr wie möglich nach den berüchtigten Begründern der melodischen Hard-Rock-Elemente klingen soll – den AOR-Meistern Boston, die übrigens leider schon seit Jahrzehnten ins Leere treten -, würde dem AOR-Fan bei solchen Erwartungen wohl das Wasser im Mund zusammenlaufen! Dazu kam es nicht. Das Label ließ die fleißigen Musiker in Ruhe, und die haben ein Album ganz nach ihrem eigenen Geschmack gemacht. Aufgenommen haben sie es in weniger als einem Jahr.

Das Material ist dagegen eine Mischung aus Klassischem und modernen Einflüssen. Mit Boston-Bombast wird nichts, mit dem kosmetischen Schönling des melodischen Hard Rock, der in den Ohren wie echter Balsam wirkt, kompositorisch wie in der Produktion selbst. Dämmert dir schon was? Kurz und knapp: Da steckt typisches „Mainstream“-Make-up drin, zum Beispiel spezielle Sound-Samples, ein produktionstechnisch verschmierter „crunchy“ Gitarrensound, riffbasierter Konstruktionsminimalismus, obendrein ohne massive klangliche Ausrichtung, die stellenweise sogar am liebsten mit Pop Rock flirtet.

Die zündende Ballade Don’t Tell Me Your Lies ist der Punkt, an dem Cosmo die Zutaten des klassischen melodischen Hard-Rock-Pomps am gelungensten mit modernem „Groove“ verbinden, und man hört sogar ein paar Harmonien, bei denen man sich an Boston erinnern kann, und so bekommt der Song einen Hauch von AOR-Epik. Danach knallt der explosive No Surprise rein. Flüssiges Riff, atmosphärische Gesangsharmonien, und man fängt an zu glauben, dass sich da was Großes anbahnt, aber der nächste Song, Gravity, hat einen komplett identischen Refrain. Und so wird das Album an dieser Stelle monoton. Spring gleich zu Track Nr. 7. Alien! Verdammt! Auch da steckt nämlich ein schamlos ähnlicher Refrain. Redemption ist das einzige Instrumental auf der Platte, aufgebaut aus zwei thematisch klar getrennten Teilen, von denen aber keiner zum Leben erwacht, ein „Filler“-Song, der so gut wie nichts hinterlässt. Helicopter hat Hitpotenzial und ist der zweite Lichtblick des Albums. Ein gelungener Pop-Rock-Song, den Fran in der idealen Tonlage singt, damit er zu den akustischen Arrangements passt, die in der Produktion in den Vordergrund des Gesamtsounds geschoben wurden. Jetzt folgen die kompletten Fehlschüsse Woman und Creep, ein echtes R.E.M.-Massaker mit Ausflügen in alternative – Indie-Pop-Gewässer. Zum Verrücktwerden! Zwischen die beiden ist zum Glück der geschmackvollere, wenn auch wieder modern „durchgeschablonte“ Hard-Rock-Song Can’t Run Away gequetscht, bei dem das Album ein bisschen Rock-Adrenalin freisetzt. Kompositorisch ein weiterer, erfolgreicherer Versuch, Klassisches mit modernem Sound zu verbinden. Leider sind solche Versuche eine seltene und bedrohte Art!

Diesem Album fehlen die „Eier“! Es ist leer! Ihm fehlt die Konsistenz, und in der Qualität des geschriebenen Materials schwankt die Sache über 45 Minuten ziemlich stark. Wenn man also Minimalismus in die klassisch-melodischen Hard-Rock-Grundformen steckt, kommt man an den Punkt, an dem man sich fragt, ob Cosmo überhaupt wissen, was sie wollen. Es fühlt sich an, als würden sich die Jungs noch suchen. Sie wollen den Jungen gefallen, aber irgendwas fehlt hier einfach. Ein Stückchen Seele. Einige Songs, in der Minderheit, haben Hitpotenzial in Sachen „Ohrwurmfaktor“ und Eingängigkeit, andere (die Mehrheit) verblassen schnell, rutschen einfach durch den Magen und lassen ihn dabei völlig leer zurück. Erstens bräuchten sie einen Produzenten, der im „Mainstream“ „drin“ ist, wofür aber kein Geld da ist, oder sie sollen sich zusammenreißen und sich wieder dem Hard Rock nach klassischer AOR Schulschablone widmen! Ich möchte die Jungs nicht dazu verleiten, jemals Boston nachzuahmen, aber ich glaube, „Alien“ käme in dem Fall durch die Ohren der Musikkritiker billiger davon.

Besetzung

Fran Cosmo – Gesang
Antonio Cosmo – Gitarre, Bass, Keyboards, Percussion, Samples, Backing Vocals
Mick Brooks – Gitarre
Bill Carman – Bass
Pat Orlowski – Schlagzeug

Produktion

Fran & Antonio Cosmo

Tracklist

1. Communication
2. Don’t Tell Me Your Lies
3. No Surprise
4. Gravity
5. Redemption
6. Helicopter
7. Alien
8. When I Close My Eyes
9. Woman
10. Can’t Run Away
11. Creep
12. Don’t Tell Me Your Lies (acoustic)

Spielzeit: 45.38

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