A Time Of Shadow

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Autor: Peter Podbrežnik

Künstler: Dead Heroes Club
Label: Progrock Records
Erschienen: 2009
Laufzeit: 53:53
Wertung: 4/5

Das Label Progrock Records ist dafür bekannt, in seinen Reihen einige Bands zu vereinen, die aus eher ungewöhnlichen Ländern stammen, was die Tradition des Progressive Rock angeht. Irland, die Heimat der Neo-Progger Dead Heroes Club, war nämlich nie gerade als Brutkasten des Progressive Rock bekannt. Nennenswerter Bands aus diesem Genre vom Land der vierblättrigen Kleeblätter und Kobolde könnte man kaum mehr als eine Handvoll zusammenzählen. In den musikalischen Fußstapfen dieser wenigen, heute kaum noch erwähnten, aber dennoch kultigen Bands wie Fruupp, Horselips und Winter wandeln Dead Heroes Club – die sich gerne auch als einzige irische Modern-Progressive-Rock-Band vorstellen und damit der Wahrheit nicht allzu fern liegen, denn ähnlich ausgerichtete Bands, denen es zufällig gelungen ist, einen Vertrag bei einem etablierten Label zu unterzeichnen, müsste man mit der Lupe suchen.

Dead Heroes Club beweisen auf ihrem zweiten Album „A Time Of Shadow“, dass sie alle Zutaten mitbringen, die eine erfolgreiche Neo-Progressive-Rock-Band des 21. Jahrhunderts braucht. Liam Campbells theatralischer Gesang ist in seiner Färbung unverkennbar verwandt mit Peter Gabriel (ex-Genesis), und in den mittleren Lagen erinnert er bisweilen sogar an Ian Gillan (Deep Purple) – natürlich den heutigen, etwas „ausgepowerten“ Gillan, was in diesem Fall nicht unbedingt ein Nachteil ist. Gerade sein exzellenter, hochgradig emotionaler und zutiefst einfühlsamer Gesang ist das entscheidende Element der Band, das in Zukunft wohl darüber entscheiden wird, ob sie einen größeren Bekanntheitsgrad erreichen kann. Breiten Raum in ihrem Klangkollage nehmen Hammond-Orgeln ein, in etwas geringerem Maße auch Mellotron, während die Gitarren sehr gerne in hartrockige Riff-Gefilde abgleiten. Auch akustische Momente fehlen nicht. Mickey Gallaghers Drumming hat eine spürbar jazzige Note und ist überraschend geistreich – mit ausgiebigem Einsatz von Becken und unerwarteten Tempowechseln. Man muss nicht zweimal raten, dass Phil Collins (Genesis) zu seinen wichtigsten Schlagzeug-Vorbildern zählt.

Der Sound der Band basiert grob gesagt auf dem Erbe der „goldenen“ Siebziger, angereichert mit einigen modernen Kniffen – gerade genug, um sie weder als vollständige Gefangene der Vergangenheit noch als stereotypen Neo-Prog-Act abzustempeln. Dead Heroes Club bauen mit Vorliebe melodramatische Klangvorhänge aus wallenden Synthesizer-Texturen, theatralischem Vokalausdruck und harmonischen Übergängen zwischen sinfonischen Melodien, Akustik und einigen knackigeren Momenten. Dabei wirken sie zum Glück nicht wie Marillion-Klone – was leider immer noch allzu häufig passiert, wenn es um Neo-Progressive geht.

Der Opener „Theatre of the Absurd“ ist – etwas überraschend – der stärkste Moment des Albums, und der Hörer kann sich hier sofort von allen zuvor genannten Qualitäten der Band überzeugen. Obwohl keiner der folgenden Songs auf dem Album die atmosphärische und komplexe Dimension des Eröffnungsstücks erreicht, handelt es sich um ein kunstvoll strukturiertes Album, das auch als Gesamtwerk äußerst gelungen wirkt. „Stranger in the Looking Glass“ erinnert von allen Kompositionen auf dem Album am stärksten an eine verlorengegangene Genesis-Klassik aus den Siebzigern – allein von der Atmosphäre her lassen sich durchaus einige Parallelen zu „Seven Stones“ ziehen –, was in erster Linie durch mächtige Mellotron-Wellen, weinende Gitarren-Slides und Campbells gefühlsgeladenen Gesang mit surrealistischen Texten erreicht wird. Romantische Melancholie in der zehnten Potenz also, die ihren größten Entfaltungsmoment im melodisch-epischen Refrain erlebt, der erst im zweiten Teil der Komposition zum Zug kommt.

„The Centre Cannot Hold“ demonstriert zugleich die klangliche Vielseitigkeit und die härtere Seite der Band – es basiert auf zahlreichen rollenden, hartrockigen Riffs, die über satt aufgedrehten Basslinien liegen. „A Gathering Of Crows“ klingt stellenweise wie ein interessantes Experiment, bei dem klangliche Elemente von Genesis und Deep Purple gekreuzt werden: Neben orchestralem Wogen ist der Song von Orgelspielereien und geschärften Riffs durchzogen, während Campbells Stimmfarbe mehrmals Richtung Ian Gillan tendiert – was ziemlich amüsant rüberkommt. Die ausgeprägt melancholische Atmosphäre, die seit jeher untrennbar mit dem keltischen Erbe verbunden ist, prägt auch den zweiten Teil des Albums, auf dem Dead Heroes Club nicht nachlassen im Aufbauen komplexer Klangpaletten und im überzeugenden Ausdruck tiefer Emotionen.

„A Time Of Shadow“ wird am meisten jene ansprechen, die sich zu melancholischen Spielarten des Neo Progressive Rock hingezogen fühlen. Dead Heroes Club geizen nämlich nicht mit überzeugender emotionaler Ausdrucksstärke und bewahren dabei jene besten Klangelemente, die einige ihrer legendären Vorbilder einst ausgezeichnet haben. Allein die Tatsache, dass sie heute die einzige nennenswerte irische Progressive-Rock-Band sind, macht sie zu echten Exoten innerhalb des Progressive Rock. Mit ihrem zweiten Album haben sie bewiesen, dass sie fortan in die Kategorie der besseren Neo-Progressive-Rock-Bands gehören – jener, die wissen, wie man die Dinge richtig und überzeugend angeht.

Besetzung

Liam Campbell – Gesang, Gitarre
Mickey Gallagher – Schlagzeug, Perkussion
Wilson Graham – Bassgitarre, Gesang
Gerry Mc Gerigal – Gitarre, Gesang
Chris Norby – Keyboards, Klavier

Produktion

Frankie Robinson & Dead Heroes Club

Trackliste

1. Theatre of the Absurd (9:13)
2. Stranger in the Looking Glass (9:43)
3. The Centre Cannot Hold (4:10)
4. A Gathering of Crows (11:25)
5. The Sleepers Are Waking (4:15)
6. A Time of Shadow (15:07)

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