Brainstorm-Sturm zum zweiten Mal über der slowenischen Hauptstadt (2019)
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Dienstag, 29.01.2019
Nun war also auch der Tag für Power Metal in Ljubljana gekommen. In die slowenische Hauptstadt kehrten die deutschen Power-Metaller Brainstorm zurück – und das nach gut vier Jahren seit ihrem Auftritt auf der Ljubljaner Metelkova in Gesellschaft der populären Piraten-Säufer Alestorm. Brainstorm begaben sich diesmal auf eine eigenständige Headliner-Tour zur Unterstützung ihres aktuellen neuen Studioalbums »Midnight Ghost« – Rezension HIER. Dazu luden sie weitere Power-Metal-Größen aus Deutschland ein, nämlich die erfahrenen Mob Rules sowie die deutlich jüngeren Botschafter dieses Genres Gloryful, die aber auch schon vier Studioalben im Gepäck haben.
Als Erste betraten Gloryful die Bühne. Das Venue war zu diesem Zeitpunkt noch weniger gut besucht. Die Leute sammelten sich an der Bar, aber ein paar begeisterte Fans von Marsch- und Ansturm-Hymnen hatten sich dennoch vor der Bühne eingefunden. Gloryful durften sich wahrlich glücklich schätzen, denn sie hatten am genau selben Venue ein Jahr zuvor als Vorband von Allmanac gespielt, die vom weißrussischen Musikzauberer Victor Smolski angeführt wird, vor völlig leerem Haus. Das Quintett spielte einen souveränen Auftritt, mit für eine Vorband solidem Sound – nicht optimal, aber solide. Vokalist Johnny La Bomba hatte einige Schwierigkeiten beim Übertragen der Stimmkraft aus den mittleren Lagen; vielleicht hatte ihn eine Erkältung erwischt, oder er hatte schlicht keinen besten Tag. Vor dem neuen Track The Hunt sagte Johnny, dieser Song sei in Anlehnung an den Stil und das Werk von Suicidal Tendencies entstanden. Wie sich herausstellte, war er einer der besseren Songs der aktuellen Tour-Setlist, der sich auf dem neu erschienenen Album »Cult of Sedna« befindet. Marschklänge, etwas Manowar-schen Marsch im Phrasing und Rhythmus – insgesamt solide, wenngleich sie auf bewährten und altbekannten musikalischen Pfaden reiten.
Mob Rules, die Band, die wir letztes Jahr beim Auftritt im Rahmen des deutschen Festivals Bang Your Head!!!, erwischten, feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen, während zugleich genau zwei Dekaden seit der Veröffentlichung ihres Studioerstlings »Savage Land« vergehen. Vor einigen Jahren, insbesondere nach dem Album »Ethnolution A.D.«, haben sie ihre Arrangements ausgebaut, und in Bombastik und Epik flirten sie – sowohl mit dem Vorgänger »Tales From Beyond (2016) als auch mit dem neuesten „Beast Reborn« – Rezension HIER, energetisch auch mit der Vibration eines Projekts wie Avantasia. Vor zwei Jahren wurden sie zum Sextett und nahmen mit Sönke Jenssen einen zusätzlichen (Rhythmus-)Gitarristen in die Besetzung auf. Angeführt wird die Band vom charismatischen und heute einzigen verbliebenen Originalmitglied Klaus Dirks, der es nicht vergessen hatte, sich in etwas barock verzierte Garderobe zu hüllen, inklusive viktorianischen Zylinders. Auf den ersten Blick erinnert er flüchtig an Urban Breed (Serious Black, Bloodbound). Klaus Dirks bleibt ein hervorragender Vokalist. Er ist ein hervorragender Vokalist. Dirks sang ausgezeichnet, man spürt, dass Ronnie James Dio sein Lehrmeister war. An Charisma mangelt es ihm nicht, und mit seinen taktisch geschickten Ansprachen ans Publikum zeigt er große Souveränität und Erfahrung, wenn nicht gar Routine. Zugleich fehlt ihm auch nicht der Sinn für überaus sympathischen Witz. Die Band zeigte ausgezeichnetes Zusammenspiel, als sie durch die neuen Songs marschierte (Children’s Crusade, Sinister Light sowie das eröffnende Ghost of A Chance) wie auch durch Songs vom Album »Tales From Beyond« (Somerled, On the Edge, My Kingdom Come), die sich kreativ und atmosphärisch definitiv sehr gut ergänzen und aufeinander beziehen. Die Band würzte das Konzert mit der Darbietung zweier Klassiker aus ihrem wohl bekanntesten Karriere-Album »Hollowed Be Thy Name«. Das sind zwei Songs, ohne die sie die Fans irgendwo in Deutschland wohl gelyncht hätten, nämlich: In the Land of Wind And Rain sowie der Titeltrack dieses Albums, der das Konzert beschloss. Auf der Setlist fanden außerdem noch Platz: der »Ethnolution A.D.«-Song The Last Farewell sowie Black Rain vom Album »Among the Gods«. Ein außerordentlich kompakter und eingespielter Auftritt, verstärkt durch das großartige Solospiel des exzellenten Sven Lüdke, die Theatralik von Dirks sowie einen sehr gut abgemischten Sound. Eine ausgezeichnete Vorbereitung und Einstimmung auf den Auftritt der Headliner des Abends.
Brainstorm sind in unseren Gefilden unter den »überlebenden« Power-Metal-Bands ein recht bekannter Name. »Midnight Ghost« ist ein neues, ausgezeichnetes Studioalbum, das alle Glaubwürdigkeit der Band vollauf rechtfertigt. Die Band stellte es auf dem Konzert reichlich vor und spielte insgesamt gleich fünf Songs daraus (Devil’s Eye, Jeanne Boulet (1764), Ravenous Minds, Revealing the Darkness, The Pyre). Obwohl Vokalist Andy B. Frank gleich zu Beginn klagte, dass er ernsthaft erkältet sei und keinen 100%-igen Vocal-Auftritt liefern könne, war davon während des Konzerts nicht einen Moment lang etwas zu spüren. Er sang wieder wie ein Düsenjet. Brainstorm sind seit jeher für ihre ausgezeichneten Musiker bekannt. Im Laufe ihrer langen Karriere, die sich seit 1989 erstreckt, hat sich die Besetzung kaum verändert, und diese festen Bande sowie das Element des gegenseitigen Verständnisses haben bei Brainstorm sozusagen festes Bürgerrecht erlangt. Ihre Konzerte haben durch die außergewöhnlichen Darbietungen schon oft sogar vor etablierteren Power-Metal-Namen die Shows »gestohlen«, wie etwa Grave Digger und/oder Primal Fear. Milan Loncaric und Thorsten Ihlenfled sind ein außergewöhnliches Gitarren-Tandem, das Patzer weder kennt noch akzeptiert. Unglaubliches Zusammenspiel der beiden, ebenso wie gegenseitige Harmonie. Im Harmonisieren von Phrasen, im Wechsel der Soli, im generellen Phrasing. Donnerschläge von links und rechts. Ununterbrochen. Ebenso ein außerordentlich geschicktes und agiles Ausnutzen der Bühne. Andy B. Frank bewahrt all seine Charisma und gilt als ausgezeichneter Frontmann, der das Publikum schnell dazu bringt, voll mitzumachen. Auch jener Teil des Publikums, der zurückhaltend wirkt oder anfangs weniger Interesse zeigt, ohne Erwartungen, oder schlicht zum ersten Mal in seinem Leben ein Konzert dieser Band sieht. Andy bleibt ein außergewöhnlicher Motivator des Publikums, und auch im Orto bar brachte Brainstorm den Großteil davon effektiv auf die Beine. Vielleicht trafen die Jungs diesmal auf etwas schwächere Besucherzahlen, doch im Publikum befanden sich jede Menge aufgekochte und glühende Power-Metal-Köpfe, die durchgehend für eine gute und ausgelassene Stimmung sowie das richtige Power-Metal-Ambiente sorgten, das durchgehend auf die richtige Temperatur aufgeheizt war. Insbesondere die Truppe von Musikerkollegen aus dem benachbarten Kroatien, mit denen wir uns über die Jahre regelmäßig bei Konzert-Epopöen treffen – mal auf unserer Seite, mal auf ihrer Seite der Staatsgrenze –, hielt vor dem Bühnenportal jenen verbissenen Fan-Charakter aufrecht. Die Band spürte diese Hitze der Menge in den ersten paar Reihen und hielt sich daher in keinster Weise bei der Darbietung des Materials zurück. Sie gab ihr Maximum, wie immer. Brainstorm ist eine Band, die man zwar dem Euro-Power-Metal zurechnet, aber im Phrasing trägt sie jede Menge Ausgangspunkte und Anlagen, die darauf hindeuten, dass man in einem anderen kompositorischen Umfeld die Grundlage für eine teutonische Thrash-Metal-Band hätte bekommen können. Eine unglaubliche Rhythmussektion, die Fesseln und Ketten gesprengt hat. Faszinierende Arbeit von Schlagzeuger Dieter am doppelten Bass-Pedal, dem der kinetische Bassist Antonio durchgehend Unterstützung gibt. Wirklich wahnsinnig gute Vorstellung des Quintetts. Vor allem deshalb, weil es ein Konzert im echten Club-Ambiente war, wo die chemischen Bindungen zwischen Publikum und Bühne so viel intensiver sind und Leidenschaften sowie Emotionen so viel mehr aufwallen. Bei solchen Konzerten reist man 20 Jahre oder mehr in die Vergangenheit, als Power Metal aufstieg, und dann verschwindet das Gefühl für alles. Für Zeit und Raum. Es bleibt nur eines. Magie. Die Magie, dass wir bei solchen Konzerten alle eins sind. Zwischen uns gibt es keine Unterschiede. Uns eint eines. Der Glaube an Metal und seine Magie, die uns durch unseren Alltag lebendig und ungezähmt hält. Sturm, Tornado, Monsun – wenn ihr wollt. Schlicht und einfach. Brainstorm liefern immer das Beste.
Die Band versuchte in der verfügbaren Konzertzeit die Hauptteile der Alben abzudecken. Außerdem hörten wir: The World To See (»Scary Creatures«, 2016), In These Walls (»On the Spur of the Moment«, 2012), den Titeltrack des Albums »Firesoul« (2014), Highs Without Lows und Shiva’s Tears (»Soul Temptation«, 2003), Falling Spiral Down und Fire Walk With Me (beide vom Album »Downburst«, 2008) sowie Worlds Are Comin‘ Through und All Those Words (beide vom Album »Liquid Monster«, 2005). Vorgesehen war noch eine Zugabe, die die Band jedoch nicht spielte. Sehr wahrscheinlich wegen des erkälteten Andy. Wir blieben nämlich ausgerechnet um den Song Under Lights aus dem kultigen »Metus Mortis«-Album gebracht.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik






























Manjši (dobronamerni :)) popravek: v prestolnici so bili v torek že tretjič: prvič so bili spomladi 2005 na Liquid monster turneji (predskupini Mercenary in At Vance) je bila pa to njihova druga headlinerska turneja od kar vem zanje: in to je od 2003. Prej so bili vedno support (Edguy , Primal fear vsaj 2x, Alestorm).
Je bilo pa tole res zakon in moram rečt, da pri Brainstorm še nisem videl slabega koncerta oz. da ne bi dali vsega od sebe.
Prva predskupina je bila pa faking najboljši možni support 😀
Če bi bilo po moje, bi jim zamenjal minutažo z Mob Rules.
tole je moj prvi Brainstorm koncert izmed vseh treh ljubljanskih do tega dne. Vedno je prišlo kaj vmes, mi je pa žal da sem zamudil sploh prvega, ker so nastopili At Vance, ki jih vodi brat Uda Dirkschneiderja, Peter. Ne vem če ta bend sploh še obstaja. Leta 2002 sem Brainstorm gledal kot predskupino Grave Digger v Roncadah pri Trevisu. Takrat so mel Grave Digger zunej močan album in res močno ekipo, sicer bi jim Brainstorm takrat ukradli šov, kot so kradli kasneje šove drugim skupinam. V živo so neverjetno močni in prepričljivi. V Ljubljani je bil itak zakon koncert 🙂