Triumph Or Agony

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Künstler: Rhapsody Of Fire
Label: Magic Circle Music
Release: 2006
Bewertung: 3/5

Rhapsody Of Fire, früher Rhapsody, wirken bei all ihrer Hyperaktivität und ihrer unerbittlichen Treue zur Religion der Mission des Hollywood-Sinfonic-Metals tatsächlich schockierend. Zwei Jahre nach dem Album „Symphony of Enchanted Lands pt. II – The Dark Secret“ (2004), das eines der besten ihrer Karriere sein sollte und mit dem sie sich der überzeugend schweren Wiederholbarkeit des Debüts „Symphony of Enchanted Lands“ (1997) annäherten, kam das erste mit Sinfonieorchester, auf dem außerdem die wahre Verkörperung von Saruman, Christopher Lee, Erzählpassagen zur Story beisteuerte. Orchester, Chöre und Lee sind also auch auf dem neuen Album „Triumph Or Agony“ mit dabei.

Rhapsody Of Fire sind für einen klar definierten Stil im Heavy-Metal-Universum bekannt. Ihr Album zu rezensieren ist eine echte Kunst, denn ihre Alben gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Auch diesmal ist das (größtenteils!) so, und Rhapsody Of Fire bleiben in allem wiedererkennbar, was ihr bisheriges Opus schon ausgemacht hat. Die Jungs bleiben also bei der Zusammenarbeit mit dem Philharmonieorchester. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eindeutig. Vor allem in der Produktion. Rhapsody Of Fire haben die Präsenz des Orchesters maximal ausgereizt. Der echte, natürliche Klang von Streicher- und Bläserarrangements hat sich ins Bild der Band eingenistet, und im Klangbild liegen die Orchesterarrangements ausgewogen und gleichberechtigt neben den Metal-Zutaten. Mehr noch. Oft dominieren sie den Sound! Sogar in den schnelleren Passagen der Platte. Interessant ist auch Folgendes. Das Album ist deutlich ruhiger als der Vorgänger, weniger scharf, weniger besessen vom wütenden Getrampel auf dem Doppelbass-Pedal, also eine Abkehr von den Markenzeichen von Rhapsody Of Fire. Wollen sie frisch sein, um nicht zu sagen aktueller? Ja. So haben sie die Riffs stellenweise geöffnet und vereinfacht. Überraschend ist das mittelschnelle Tempo des Titeltracks gleich nach dem Standard-Intro der Band. Heart Of Darkness (das ist keine Grave-Digger-Coverversion!!!!), das darauf folgt, hebt die Dynamik des Albums etwas an und überrascht mit eingebauten, echt proggigen, metallisch gebrochenen Übergängen. Spannend ist, dass nach dem dritten Song die Dynamik des Albums komplett einbricht und Rhapsody Of Fire ihre weichere Seite zeigen, eine Seite, die auch freundlicher fürs Radio ausgerichtet ist. Vor allem durch das akustische Old Age Of Wonders und Il Cante Del Vento, wo pastorale Elemente regieren. Das Orchester dominiert den Sound der Platte! Silent Dream ist der Songtyp, der eines der originellsten Motive (im Refrain) auf „Triumph Or Agony“ trägt. Der Track hat eine melodische Hardrock-Basis und einen Hauch modernen „Grooves“, und in naher Zukunft sollte man sich nicht wundern, wenn er auch als „Single“ auf einer EP erscheint. Die pompöse Wucht, die er bietet, erinnert an eine verlangsamte Variante der Finnen von Nightwish (vor allem der Refrain). Das Album wird in seiner Ruhe weder vom erwähnten Silent Dream noch vom mittelschnellen, hymnischen Myth Of The Holy Sword oder Bloody Red Dungeons aufgebrochen. Die Stimmung springt schließlich beim 16-minütigen The Mystic Prophecy Of The Demon Knight an. Und zwar nicht wegen einer zufälligen plötzlichen Explosion in ein potenziell zugespitztes Metal-Tempo (das ist wieder nicht auszumachen!), sondern wegen seiner unberechenbaren Haltung, die von einem stimmigen Ineinanderfließen der Stimmungen diktiert wird, aufgereiht durch bunt gemischte Motive und Rhythmuswechsel. Dark Reign Of Fire beschließt das Album. Motivisch knüpft der Song direkt an den vorherigen an, deshalb ist es schade, dass Rhapody Of Fire ihn nicht als Teil von The Mystic Prophecy Of The Demon Knight stehen gelassen haben, der dann zusammen etwa 25 Minuten lang gewesen wäre.

„Triumph Or Agony“ ist ein ruhiges Album, das so reif wirkt wie bisher keines. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte ist es nämlich passiert, dass Rhapsody Of Fire ein Album veröffentlicht haben, dem man nur schwer das Etikett Metal anheften kann. Das Album wird von Orchesterarrangements dominiert, und Fabio Liones stets anziehender, opernhafter Gesang wird durch die Dominanz der Sinfonik im Sound der Platte zusätzlich betont. Manche Riffs in ihrer vereinfachten Haltung (zum Beispiel im Titelsong, im Intro Du Kunor und in Silent Dream) tragen stilistische Ausreißer Richtung „modern“ in sich und sind für die bisher gewohnten Standards der Band ein Überraschungsfaktor, der so manchen Fan der bombastisch-sinfonischen „Power-Metal“-Ausrichtung abschrecken könnte, für die Rhapsody Of Fire berühmt geworden sind. Auf jeden Fall bleibt aber auch auf der neuen Platte der klare Geist der Band erhalten, der auch das neue Album laut und deutlich in einen eigenständigen Stil einordnet, der nur der Band selbst gehört. Die Verse sind märchenhaft, die Musik ist filmisch: Du machst beim Hören nur die Augen zu, und vor dir öffnet sich eine einzigartige magische Welt aus Mythen und Legenden. Manchmal fragt man sich, warum Rhapsody Of Fire nicht gleich auch einen Film dazu drehen. Na ja, bei solchen Platten malt die Fantasie dem Hörer den Film ganz von allein. Auch diesmal ist das so. Und Rhapsody Of Fire bringen dabei einen Hauch Andersartigkeit und Frische mit, der absolut willkommen ist und erfolgreich in die neue Platte integriert wurde, was beweist, dass sich die Band in gut einem Jahrzehnt Bandgeschichte genug Erfahrung angeeignet hat, um bei den erwähnten Experimenten keinen Fehler zu machen. Es ist ein Album mit dem unverkennbaren Schuss italienischer kindlicher Naivität, die in Übertreibung mündet, aber ohne die Übertreibung der Italiener gäbe es sie nicht, die Welt wäre ohne sie langweiliger (und vor allem ohne ihre Küche) und auch „Triumph Or Agony“ wäre nicht noch ein sehr schönes Produkt. Power-Metal-Fans kann das neue Album der Band allerdings auf dem falschen Fuß erwischen.

Besetzung

Fabio Lione – Gesang
Luca Turilli – Gitarre
Alex Staropoli – Keyboards, Cembalo, Klavier
Patrice Guers – Bass
Alex Holzwarth – Schlagzeug

Produktion

Luca Turilli & Alex Staropoli

Tracklist

01. Dar-Kunor
I. – Echoes From The Elvish Woods
II. – Fear Of The Dungeons
02. Triumph Or Agony
03. Heart Of The Darklands
04. Old Age Of Wonders
05. The Myth Of The Holy Sword
06. Il Canto Del Vento
07. Silent Dream
08. Bloody Red Dungeons
09. Son Of Pain
10. The Mystic Prophecy Of The Demonknight
I. – A New Saga Begins
II. – Through The Portals Of Agony
III. – The Black Order
IV. – Nekron’s Bloody Rhymes
V – Escape From Horror
11. Dark Reign Of Fire
I. – Defenders Of Gaia
II. – New Saga Begins

Spielzeit: 62.41

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