Toto zu Besuch in Zagreb anlässlich ihres vierzigsten Jubiläums (2018)

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Autor: Peter Podbrežnik

Ort: Zagreb / Dom sportova (kleine Halle) / Kroatien
Konzertdatum: 09.03.2018
Besucherzahl: 3.500
Kartenpreis: 28,57€

Die amerikanischen Rockgrößen und Meister musikalischer Perfektion Toto haben im Rahmen ihrer aktuellen ’40 Trips Around the Sun‘-Tour, mit der sie ihr ehrwürdiges vierzigjähriges Bestehen feiern, bei unseren südlichen Nachbarn in Zagreb haltgemacht. Statt ihnen eine Halle zu verschaffen, die ihrem Renommee angemessen gewesen wäre, untergebrachten die Konzertveranstalter sie in der kleinen Halle des Dom sportova, was während des Auftritts einige fatale Folgen hatte: Aufgrund dieser Einschränkungen litt der Sound erheblich und damit natürlich der gesamte Konzertauftritt der rockenden Veteranen. Der Grund für die Durchführung des Konzerts in der kleineren Halle soll gewesen sein, dass in der Zagreber Arena zur selben Zeit eine Eiskunstlaufmeisterschaft stattfand. Das Konzert war übrigens nicht ausverkauft, auf den Tribünen gab es noch einige freie Plätze, dafür war es im Innenbereich geradezu erstickend eng — eine einzige Sardinenbüchse. Auch das Publikum hob sich optisch und in seinem Auftreten deutlich von dem ab, was man bei einem Toto-Konzert normalerweise erwartet.

Damit aber nicht nur die negativen Dinge erwähnt werden: Das Toto-Quartett, das zusammen mit seinen musikalischen Begleitern derzeit aus den ‚alten Hasen‘ Gitarrenvirtuose Steve Lukather, Allround-Keyboarder David Paich, Synthesizer-Zauberer Steve Porcaro und Sänger-Ass Joseph Williams besteht, lieferte einen meisterhaften Auftritt und begeisterte alle Anwesenden mit einer außerordentlich interessanten Auswahl an Hits sowie einigen fast schon ‚vergessenen‘ Stücken — darunter Werke, die sie seit Langem nicht mehr live gespielt hatten, quasi nie oder gar zum ersten Mal in ihrer Karriere. Den Abend eröffneten sie mit dem neuen Stück »Alone«, das erstmals auf dem kürzlich erschienenen ‚Best-of‘-Album »Greatest Hits – 40 Trips Around the Sun« (2018) auftauchte.

Darauf folgte — ziemlich überraschend und recht früh, denn normalerweise spielen sie es gegen Ende ihrer Auftritte — der beliebte Evergreen »Hold the Line« aus dem fernen Jahr 1978, als das gleichnamige Toto-Debüt erschien. Williams war an diesem Abend stimmlich in hervorragender Verfassung, unterstützt wie üblich von Lukather und Paich, die sich mehrfach auch in wichtigen Gesangs-Solorollen wiederfanden. Die Vokalharmonien waren wieder einmal eine wahre Augenweide fürs Ohr. Auch die Begleitcrew überzeugte, was beim langjährigen Gastperkussionisten Lenny Castro, den die treuen Fans bereits sehr gut kennen, kaum überrascht. Schlagzeuger Shannon Forrest, der technisch überdurchschnittlich versiert ist, mit Simon Phillips zu vergleichen ist zwar etwas unfair, aber man sollte ihn keinesfalls unterschätzen. Er ist ein weiterer äußerst geschätzter Gelegenheitsmusiker, der mit zahlreichen führenden Namen aus der Rock- und Countrywelt zusammengearbeitet hat. Nach dem Abgang von Phillips‘ Nachfolger Keith Carlock sind Toto übrigens nach wie vor ohne offiziellen Schlagzeuger.

Die einzigen Fragezeichen vor diesem Konzert waren der relativ junge und unbekannte Bassist Shem von Schroeck und der Saxofonist/Flötist/Background-Sänger Warren Ham. Letzterer ist ein erfahrener Musiker, der in der Vergangenheit konzertant mit John Elefante era Kansas, Donna Summer und Olivia Newton-John zusammengearbeitet hat. Zwischen 1986 und 1988 war er auch kurzzeitig Konzertmitglied bei Toto. Ham bereicherte mit seinen Bläsereinlagen die meisten Toto-Standards auf schöne Weise und verlieh einigen einen stärker jazzigen Anstrich, während die Rhythmusabteilung ihre Arbeit mehr als zufriedenstellend erledigte.

An diesem Konzertabend, der bereits im ersten Teil mit Überraschungen wie dem »Toto IV« (1982)-Standard »Lovers In the Night«, »English Eyes« vom Album »Turn Back« (1981) und dem großen britischen Hit »I Will Remember« vom Album »Tambu« (1995) aufwartete, hörten wir außerdem ein weiteres bisher unveröffentlichtes Stück: »Spanish Sea«. Mit dem Artrock-Instrumental »Jake to the Bone« vom Album »Kingdom of Desire« (1992) demonstrierte Lukather eindrucksvoll seine atemberaubenden Gitarren-Solokünste, an denen es an diesem Abend wahrlich nicht mangelte, während die »Fahrenheit« (1986)-Ballade »Lea« dafür sorgte, dass auch alle romantischen Seelen auf ihre Kosten kamen. Wer schon mindestens eine Liebenenttäuschung hinter sich hat, genoss die Darbietung des großen Hits »Rosanna« noch einmal mehr — der, ähnlich wie »Hold the Line«, ebenfalls verhältnismäßig früh gespielt wurde.

Toto haben seit Jahren die Angewohnheit, ein Medley zu spielen, das in der Regel gekürzte Versionen verschiedener Werke aus ihrer reichen Karriere enthält. Diesmal war das Medley akustisch ausgerichtet, was bedeutete, dass sich Herr Lukather in dieser Zeit gemütlich mit der Akustikgitarre auf dem Schoß setzen konnte, während die einzelnen Darbietungen von verschiedenen Anekdoten über ihre Entstehung unterbrochen wurden. Die Meinungen zu Toto-Konzertmedleys sind unter den Fans meist gespalten. Einerseits ist es eine Gelegenheit, auch Werke live zu hören, die selten gespielt werden; andererseits ist ihre Kürzung, vor allem im akustischen Gewand, fast schon ‚gotteslästerlich‘. Am schlechtesten schnitt von den akustisch gekürzten Arrangements »Georgy Porgy« ab, bei dem sich mancher eine Gastsängerin von früheren Touren gewünscht hätte. Besser kamen das gekürzte Arrangement von Jacksons »Human Nature« weg, an dem 1983 die meisten Toto-Mitglieder beteiligt waren, die »Isolation« (1984)-Überraschung »Holyanna«, die »Mindfields« (1999)-Überraschung »No Love« sowie die beiden gekürzten »The Seventh One« (1988)-Klassiker »Mushanga« und »Stop Loving You«.

Neben der gekürzten akustischen Version von »Holyanna« und dem selbstverständlichen Hit »Stranger In Town« hörten wir vom Album »Isolation« im weiteren Verlauf des Konzertabends auch das längst vergessene, aber ausgezeichnete Stück »Lion«, das Toto seit Mitte der Achtziger nicht mehr bei ihren Auftritten gespielt hatten. Die wohl größte Überraschung des Abends war die Darbietung des Instrumentals »Dune (Desert Theme)«, das Toto Ende 1984 für den Science-Fiction-Film Dune geschaffen hatten. Etwas weniger begeisterte uns — zumindest jene, die lieber mehr Toto-Originale hören wollen — das Beatles/George-Harrison-Cover des Rockklassikers »While My Guitar Gently Weeps«, das Lukather selten von seiner Setlist streicht. Zu den im Konzert seltener gespielten Stücken, die wir an diesem Abend zu hören bekamen, zählen auch »Girl Goodbye« und »Angela« vom gleichnamigen Toto-Debüt. Von den immergrünen Standards hörten wir im zweiten Teil des Toto-Auftritts in Zagreb noch »Make Believe« und natürlich ihren größten Hit »Africa«, der wie üblich den regulären Teil des Konzerts abschloss. Als Zugabe spielten Toto das ‚Abschiedsstück‘ des Abends — das entgegen den Erwartungen »The Road Goes On« war, eine weitere Überraschung vom Album »Tambu«. Von den großen Hits fehlten an diesem Abend interessanterweise »Pamela« und »I Won’t Hold You Back«, was nicht allzu oft vorkommt.

Toto sorgten in Zagreb trotz schlechtem Sound in einer ungeeigneten Halle für fantastische musikalische Unterhaltung, die deutlich länger dauerte als gewöhnlich und neben den erwarteten Klassikern zahlreiche selten gespielte musikalische Juwelen aus ihrem reichen Fundus enthielt. Alle vier Mitglieder sowie ihre Begleitcrew verdienen für ihren Auftritt, der eine vollendete Mischung aus außergewöhnlicher Professionalität, Eingespieltsein, Spontaneität und Witz war, die Bestnote. Weniger überzeugend fiel an diesem Abend, wie bereits erwähnt, der Sound aus, der am besten in der Nähe des Mischpults klang. Was Lautstärke und Schreien betrifft, hat sich das Publikum an diesem Abend zweifellos den ersten Platz verdient — das ist aber nicht immer eine positive Eigenschaft, denn mancher von uns hat deshalb nicht alle von Lukathers Sprüchen mitbekommen; er begeisterte die Einheimischen mit dem Einstiegsgruß »dobro veče Zagreb«. Deutlich unappetitlicher wirkte hingegen der sichtlich abgemagerte Paich, der beim Wechseln der Keyboards und seinen eitlen Spaziergängen über die Bühne, wann immer er ans Mikrofon trat, mehrfach mit seiner kroatischen Herkunft prahlte — sein Urgroßvater stammt aus Split —, obwohl er im Gegensatz zu Lukather bis heute kein einziges kroatisches Wort gelernt hat. Seine Reden von ‚meinem Volk‘ und ‚meinem Publikum‘, die in der Halle von begeistertem Jubel widerhallten, gingen den anderen drei Toto-Mitgliedern sichtlich auf die Nerven, sodass Lukather bei Gelegenheit die Gegenlatte gab und Paichs Worte über das ‚brüderliche Publikum‘ geschickt umdeutete — die bekamen dadurch einen deutlich weniger nationalistisch-fanmäßig-sensationalistischen Beigeschmack. Paich ist übrigens dafür bekannt, öfter mal einen ‚Bock zu schießen‘, wie etwa am 31.7.2012 beim Toto-Konzert im italienischen Maiano, als er die Sondergäste Perpetuum Jazzile als kroatische Gruppe ankündigte.

Fotos: LAA Agency

Setlist

—Set 1— 
1. Alone
2. Hold the Line
3. Lovers in the Night
4. Spanish Sea
5. I Will Remember
6. English Eyes
7. Jake to the Bone
8. Lea
9. Rosanna
—Akustik-Set—
10. Miss Sun
11. Georgy Porgy
12. Human Nature
13. Holyanna
14. No Love
15. Mushanga
16. Stop Loving You
—Set 2— 
17. Girl Goodbye
18. Angela
19. Lion
20. Dune (Desert Theme)
21. While My Guitar Gently Weeps
22. Stranger in Town
23. Make Believe
24. Africa
—Zugabe—
25. The Road Goes On

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