24 Hours
Interpret: Jones, Tom
Label: EMI Records
Erscheinung: 2008
Laufzeit: 54.49
Bewertung: 3/5
Selten gibt es Namen in der Showbusiness-Welt, die sich mit dem Bekanntheitsgrad und den Erfolgen des Vokalgiganten Tom Jones messen können. Dem Kerl ist es im Laufe seiner langen Karriere gelungen, gut über 100 Millionen Alben in die Wohnzimmer der Menschen zu schmuggeln, wobei fast jede dieser Lieferungen in der Regel noch mit einer ganzen Menge zeitloser Klassiker gespickt war, die größtenteils auf dem Erbe von R & B-Musik, Soul und bis zu einem gewissen Grad auch dem amerikanischen Blues gewachsen sind. Tom Jones scheint mit dem hektischen Treiben der modernen Musikwelt nichts am Hut zu haben, doch der Typ lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht beirren. In nicht gerade jungen Jahren ballert der Alte am liebsten noch immer mit allen Patronen im Magazin. Der zähe Waliser erweicht im Stil des erfahrensten Verführers beharrlich die Herzen junger wie alter Fans. Der neueste Beitrag des Kerls zu seinem ohnehin schon umfangreichen Katalog männlicher Verführungstricks, endloser Anmache und ähnlichem Getue trägt den Titel 24 Hours.
Bei 24 Hours handelt es sich um ein äußerst ungewöhnliches Gebräu, in dem die Spuren des musikalischen Wegs, den Tom Jones bis heute zurückgelegt hat, deutlich erkennbar sind. Auf dem Album dominieren größtenteils elektrische Rhythmen, programmiert, um trendbewusste Drumbeats zu liefern. 24 Hours verliert dadurch zweifellos an einem gewissen Maß an Natürlichkeit, was zweifellos einer der größeren Minuspunkte des Albums ist. Opa Jones wollte offenbar nichts dem Zufall überlassen, zum Glück aber bleibt der Altmeister des Musikzirkus stets weit entfernt von einer möglicherweise selbstzerstörerischen Übernahme synthetikdurchtränkter Trends, die heutzutage die Radiowellen beherrschen, und der damit verbundenen inhaltlichen Trockenheit. Den Mangel an Organik gleicht Jones mit einer raffinierten vokalen Ausführung und arrangementtechnisch hervorragend aufgebautem Material aus, wo willkommene, farbenfrohe Bläserarrangements stets im Überfluss vorhanden sind. Mit einer gelungenen Auswahl an Songs, die beharrlich zwischen atmosphärischem Soul und qualitativem Pop-Mäandern pendelt, bleibt ein konstantes Gefühl der Elektrisierung und zitternder Erwartung der nächsten emotionalen Wendung, das charakteristisch ist für die mit feinstem Samt umhüllte vokale Darbietung des Sängers. Schweiß mischt sich hier mit anderen körperlichen Flüssigkeiten, und das auf eine Weise, die sich dem Geschmack der meisten entzieht, und allen gemein ist eine Intensität, neben der Josef Fritzl wie ein erstklassiger Amateur aussieht!
Was immer wieder schockiert und der jungen Generation von Verführern zweifellos Angst einjagt, ist die Unbekümmertheit von Tom Jones, mit der uns der 68-Jährige auf 24 Hours beharrlich von der einwandfreien Funktionalität seiner eigenen Requisiten überzeugt, deren Zweck fest in der Domäne reproduktiver Prozesse verankert ist. Sex bleibt Jones‘ grundlegende rhetorische Figur, ein wirksames Requisit, das in Gesellschaft eines brillanten Stimmregisters augenblicklich zu einem tödlichen Ausdrucksmittel von erstaunlicher Kraft, Greifbarkeit und Reichweite heranwächst. Toms vokale Interpretation zeigt eine Vitalität, bei der du nicht anders kannst, als stumm zu nicken. Um eines klarzustellen: 24 Hours bringt keine zeitlosen Motive, und auch kein Material, das man ohne Zögern an die Reihe von Jones‘ größten Hits anreihen könnte. Dennoch zeigen Songs wie der befreiende Soul-Streifzug If He Should Ever Leave You, das rhythmische Karussell In Style And Rhythm oder etwa die spitzzüngige Neckerei Sugar Daddy genug facettenreiche Qualitätsnuancen, mit deren Hilfe 24 Hours mühelos weit über den Durchschnitt des modernen Pop-Einerleis klettert.
Besetzung
Tom Jones: Gesang
Sean Gould: Gitarre
Paul Farr: Gitarre
Alex Bonatanti: Bass
Steve Shebby: Bass
John Ellis: Keyboards
Ben Levels: Keyboards
Darren Lewis: Klavier
Nathan Allen: Schlagzeug
Joey Hollander: Schlagzeug
David Smith: Trompete
Bill Churchville: Trompete
Noel Langley: Trompete
John Wriggle: Posaune
Sam Sadigursky: Tenorsaxofon
Emma Ovens: Bratsche
Ian Burdge: Cello
Pete Whitfield: Streicherarrangements, Violine
Produktion
Mark Woodward & Steve Greenberg
Trackliste
1. I’m Alive
2. If He Should Ever Leave You
3. We Got Love
4. Feels Like Music
5. Give A Little Love
6. The Road
7. In Style And Rhythm
8. Sugar Daddy
9. Season
10. Never
11. The Hitter
12. Seen That Face
13. 24 Hours