Zoran Čalić Band beim Ortofest (2015)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 08.04.2015
Besucherzahl: 60
Im Rahmen der diesjährigen traditionellen Ausgabe des Ortofests betrat auch der ehemalige Gitarrist der kroatischen Band Majke und die allen bestens bekannte Big Foot Mama-Gitarre, Zoran Čalić, die Bühne des Orto bar. Er hat vor Kurzem seine eigene Gruppe gegründet und begonnen, eigenes Autorenmaterial zu schaffen. Eine Sache also, die es wert ist, ausprobiert zu werden.
Um zehn Uhr abends bot der Veranstaltungsort einen ziemlich trostlosen Anblick. Ein Dutzend Menschen zusammengedrängt an der Bar, ansonsten absolute Leere. Gegen zwanzig vor elf füllte sich der Laden etwas mehr, und sagen wir mal, dass rund 40 % der Kapazität des Raums belegt waren, der maximal 200 Personen fasst.
Schwungvoll und beherzt betreten Zoran Čalić – der neben der Gitarre auch den Hauptgesang übernahm – sowie sein Begleitteam die Bühne, angeführt vom ausgezeichneten Gitarristen Andraž Mazi (Gitarre, Steel Pedal), Schlagzeuger Ivo Rimac und Bassist Jernej Kržič. Die Band legte mit einem Paket Eigenkompositionen los, die im Repertoire stark vertreten waren – mehr als die Hälfte der gespielten Stücke stammten aus eigener Feder. Čalićs angeschärfter, »crunchy« und dreckiger Rock’n’Roll-Gitarrensound übertönte den Klang von Mazis Firebird den Großteil des Konzerts, sodass die beiden Gitarren klanglich bei Weitem nicht gleichwertig zur Geltung kamen – schade. Mazi füllte mehrere Begleitlinien mit zusätzlichen Akkorden und Finessen auf, sodass sich Zoran noch entspannter und ausgiebiger auf den Gesangsvortrag konzentrieren konnte. Die Band bewies sehr gutes Zusammenspiel mit typischem Vintage-Equipment (Gitarren, Bass, Verstärker) und entwickelte einen authentisch fetten Rock’n’Roll-Sound, der in der Klangbildverteilung allerdings nicht ganz optimal war. Die Gruppe ist zwar noch jung, besteht jedoch aus erfahrenen Musikern, denen Bühnenmiles keine Fremdwörter sind. Das spürte man in der außerordentlichen Souveränität der Darbietungen.
Das Eigenmaterial steckt voller echter Rock’n’Roll-Energie, ein waschecht garagig verpackter und dreckiger Sound, der in Kombination mit dem Gesang der ganzen Sache noch einen deutlich punkigen Schleier verleiht. Čalić leitet dabei viele Phrasen aus Blues-Vorlagen ab. Durch und durch verhexte Rock’n’Roll-Erotik, die direkt und unverblümt »auf die doofe Stirn« haut. Schon in der ersten Konzerthälfte lag ständig die Erkenntnis in der Luft, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Das Eigenmaterial der Gruppe ließ sich in den Assoziationen mühelos mit den Werken der legendären Majke verknüpfen. So wechselte die Band im weiteren Verlauf zu einem Block Songs der Vinkovci-Rock’n’Roll-Usurpatoren (in der Reihenfolge Dolazi noč, Sam, Želim da te vidim), was die zahlreichen Fans des Schaffens dieser Gruppe, die sich an diesem Abend im Orto bar eingefunden hatten, sicher gefreut hat. Čalić überraschte mit seiner Crew im weiteren Verlauf durch die Einbeziehung von Bearbeitungen zweier interessanter Musiker, die mit ihrem Werk den einstigen Musikraum des verstorbenen Jugoslawiens unwiederbringlich geprägt haben. Der erste ist der legendäre kroatische Musiker Drago Mlinarec, der seine Karriere Anfang der Sechzigerjahre begann. Čalić widmete ihm die Darbietung des Stücks Pjesme s planina. Die zweite Bearbeitung bezog sich auf das Original Kao stranac der extravaganten Josipa Lisac. Beide Stücke spielte die Band im Licht eines knallharten Rock-Mantras, im Einklang mit der elementaren musikalischen Ausrichtung der Gruppe, und beendete das Konzert mit zwei Eigenkompositionen.
Ungeachtet einiger Patzer, die sich während des Konzerts in Čalićs Akkordwahl einschlichen – vor allem beim Singen der Strophen – und obwohl der Sound nicht ganz optimal war, präsentierte die Band ihre musikalische Vision äußerst überzeugend und weckte damit großes Interesse daran, was der kommende Studio-Erstling bringen wird. Auf der Bühne zog während des Konzerts zweifellos der Steel Pedal besondere Aufmerksamkeit auf sich, mit dem Andraž Mazi einzelne Motive in den Stücken des Repertoires verzierte. Čalić unterhielt das Publikum zwischen den Songs auch mit kürzeren Anekdoten zur Entstehung einzelner Stücke, denen er eine Prise angeborenen Sinn für schwarzen Humor beimischte. Kurzum: wieder ein verdammt unterhaltsamer und ehrlicher Rock’n’Roll-Abend im Orto bar!
Setliste
1. Samo ljubav
2. Sjaj u noči
3. Kako ostat čovjek
4. Sjene / Preduga ljubav
5. Put
6. Ruku mi daj
7. U moru i plamenu
8. Dolazi noč
8. Sam
10. Želim da te vidim
11. Pjesme s planine
12. Kao stranac
13. Iz daljine
14. Bilo je davno
Bildergalerie



















