Zero Order Phase
Autor: Rok Klemše
Künstler: Loomis, Jeff
Label: Century Media
Erscheinungsjahr: 2008
Jeff Loomis ist wahrscheinlich einer der meistunterschätzten Gitarristen im Metal. Wirklich zu Unrecht, wenn du seine Biografie und das Opus seiner Werke gut kennst. Daher kurz: Loomis begann als Autodidakt mit dem Gitarrespielen im Alter von zehn Jahren (ernsthafter mit 15) und gewann kurz darauf den Gitarren-Wettbewerb Guitar Wars im amerikanischen Wisconsin. Loomis landet nach dem Abgang von Jeff Young aus Megadeth bei der Audition für den Platz des Sologitarristen dieser Thrash-Größen und hätte den Platz fast bekommen – Mustaine war nämlich der Meinung, dass Jeff noch zu jung sei, war aber gleichzeitig begeistert von seiner Beherrschung des Instruments. Jeff war gerade mal 16 Jahre alt! Loomis landet daraufhin bei der kultigen Seattler Band Sanctuary, die wegen des Grunges und des Drucks des Labels bald auseinanderfällt. Aus den Trümmern dieser legendären Gruppe entstehen die heute mächtigen Nevermore. In dieser Band baut sich Jeff Loomis endgültig den Ruf als einer der besten Gitarristen der jüngeren Generation auf. Seine wahnsinnigen Sweep-Solos, unglaublichen melodischen Linien und stets abwechslungsreiches und interessantes Riffing haben ihn mit goldenen Lettern in den Metal eingeschrieben. Aber genug der Lobgesänge, vor uns liegt endlich das lang ersehnte Debüt, das Jeff (viel zu) lange vorbereitet hat. Meine Damen und Herren: Zero Order Phase!
Jeff beweist bereits mit dem einleitenden Brecher Shouting Fire At a Funeral, dass er nicht spaßt. Mächtiges, schweres Riffing ist längst Jeffs Markenzeichen geworden, ebenso wie seine fantastischen, atemberaubenden Sweep-Solos. Aber Jeff ist zum Glück nicht einer jener Gitarristen, die alles nur auf ihr überlegenes technisches Können setzen. Schon bei Nevermore bewies er, dass er das Schreiben eingängiger Melodien, apokalyptischer Akkorde und epischer Solos beherrscht, von denen Zero Order Phase voll ist. Das Album ist unglaublich abwechslungsreich und bunt, und anders als bei vielen rein instrumentalen Scheiben wird keine einzige Minute des fast eine Stunde langen Zero Order Phase langweilig. Die Song-Strukturen sind durchdacht und kein einziges Solo ist überflüssig – und obwohl das Soloalbum mit diesem Vorsatz aufgenommen wurde, sind sie nicht da, damit Jeff die Länge seines (räusper… Malmsteen.. räusper…) beweist. Loomis ist in erster Linie ein Schreiber guter Songs und erst dann ein Solist! Zero Order Phase bringt so alles von technisch/prog-thrashigem Sägen, akustischen Intermezzos, außerordentlichen Melodien, die als Gesangsersatz fungieren, bis hin zu fast typischen Nevermore-melancholischen Doom-Leads. Die Shred-Himmel öffnen sich uns in Jato Unit, wo Jeff und ein weiterer großer Gitarrenname ein wahres Gitarren-Duell aufführen: Ron Jarzombek (Watchtower, Spastic Ink, Blotted Science). In solchen Passagen beweist Jeff, dass er dem Shredding und Sweeping im Metal ihre Integrität zurückgibt! Fantastisch wirkt die melancholische Ballade Azure Haze mit neoklassischen Mustern, die zweifellos als eine der mächtigen Nevermore-Balladen unglaublich funktionieren würde. Jeffs Haupt-Lead-Linie muss man einfach gehört haben, denn so mächtige Emotionen in epische Gitarrenlinien zu transportieren kann nicht jeder – solche sind tatsächlich sogar selten. In unbekannte Gewässer führt uns Loomis mit etwas fusionlastigeren Teilen in der exzellenten Cashmere Shiv, wo ihm in jazzy Passagen mit orientalischem Hauch der anerkannte Jazzbassist Michael Manring und Album-Produzent Neil Kernon an der Fretless-Gitarre zur Seite stehen. Die Gästeliste schließt Pat O’Brien (Cannibal Corpse) im mörderisch schweren Rage Against Disaster ab, in dem Death Metal auf Steve Vai trifft. Unbedingt Erwähnung verdient sich aber Schlagzeuger Mark Arrington (er spielte zwischen 1993 und 1994 mit Nevermore), der auf Zero Order Phase nicht nur zur Dekoration da ist. Das Album ist ein außerordentlich gut abgerundetes Gesamtwerk, das dem Zweck dient, Jeffs gitarristische Fähigkeiten zu präsentieren. Aber trotzdem ist Zero Order Phase mehr als nur eine weitere Gitarren-Scheibe.
Jeff Loomis ist definitiv ein Name, den man in einem Atemzug mit Namen wie Joe Satriani, Jason Becker, Marty Friedman, Steve Vai, John Petrucci nennen kann – oder noch nennen wird. Zero Order Phase ist eines der besseren Instrumentalalben der letzten Zeit und eines der besten Gitarrenalben überhaupt.
Besetzung
Jeff Loomis – Gitarre
Mark Arrington – Schlagzeug
GÄSTE:
Ron Jarzombek – Gitarre
Pat O’Brien – Gitarre
Michael Manring – Bass
Neil Kernon – Fretless-Gitarre
Produktion
Neil Kernon
Tracklist
1. Shouting Fire At A Funeral 04:54
2. Opulent Maelstrom 06:07
3. Jato Unit 04:41
4. Azure Haze 04:59
5. Cashmere Shiv 06:16
6. Race Against Disaster 06:13
7. Sacristy 04:50
8. Devil Theory 06:16
9. Miles Of Machines 05:45
10. Departure 03:56