Za nazaj in za naprej
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Budna, Samo
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 37:49
Bewertung: 4.5/5
Sechs Jahre nach seinem Debüt »Manj je več« meldet sich der hervorragende Kantautor aus dem Prekmurje, Samo Budna, mit seinem neuen Soloalbum »Za nazaj in za naprej« zurück. Für alle, die das Geschehen auf der slowenischen Musikszene nicht täglich verfolgen: Samo Budna hat in der Vergangenheit viele Jahre lang das exzellente Ensemble Posodi mi jurja geleitet und außerdem zur Crew von Vlado Kreslin und der Beltinški bandi gehört. Hauptsächlich als Geiger.
Auch wenn Samo eine ganz schön lange Zeit gebraucht hat, um das neue Studioalbum aufzunehmen, haben es die Songs Kje si, Sončna hiša, Dnevu se slabo piše – die allesamt beachtliche Radiorotation erreichten – schon im Vorfeld »still« angekündigt, und kurz vor Erscheinen des Albums noch Brez skrbi dazu.
Das neue Album ist die logische Fortsetzung der persönlichen Geschichte des Vorgängers »Manj je več«. Es ist das Kontinuum von Samos musikalischem Weg und bewahrt die sinnvolle Verbindung zur Arbeit innerhalb von Posodi mi jurja, trägt aber auch, was Sentiment, Stimmungslagen und Melodie betrifft, eine Verwandtschaft mit ausgewählten Werken von Vlado Kreslin in sich.
Ein Album mit dem Prädikat »art rock par exellence«. Durch und durch eigenwillig und urwüchsig. Deshalb trägt es eine einzigartige musikalische Handschrift. Schon auf dem Vorgänger wurde Samo von exzellenten Musikern begleitet, weshalb »Manj je več« zu den besten Veröffentlichungen der slowenischen Musikszene im Jahr 2009 zählte. Es funktionierte wie ein echtes Bandalbum (kein Solo), wirkte authentisch. Organisch optimiert, wohlklingend (in den Arrangements und im Spiel filigran austariert) und lebendig. Das neue Album ist genauso, neu ist aber, dass diesmal die komplette Elevators-Crew an Samos Seite steht (auf dem Vorgänger halfen ihm von den Elevators nur Robi Pikl und Davor Klarič).
Für das neue Album hat Samo zwei Texte von Feri Lainšček vertont (Sončna hiša und Sanje so večne); die restlichen Texte stammen von Samo selbst. Das Album eröffnet mit dem wachrüttelnden Intro der Song Brez skrbi. Der trägt gesellschaftskritische Energie in sich, hält im Refrain aber eine positive Grundhaltung aufrecht. Mit der dunkelsten Stelle des Albums, Mi smo edini, rechnet Samo mit der parasitären gesellschaftlichen Elite ab. Ansonsten übernehmen auf dem Album jene Tracks die Führung, in denen sich Samo Budna – ähnlich wie der Brite Steven Wilson – mit Liebesbeziehungen zu Frauen auseinandersetzt. Einer dieser Songs ist Da si ob meni. Ein außerordentlich gut komponierter Track. Sofort ansteckend, auf einem leichten Tanzrhythmus aufgebaut, liefert er dem Album einen starken Indie-Pop-Rocker, der täglich im Radio laufen könnte. Gleichzeitig trägt er eine enorme Botschaft in sich: die eines sehnsüchtigen Mannes, der noch immer glaubt, dass eine zu früh abgebrochene Liebe zwischen zweien neu entfacht werden kann. Bewegend in seiner realen Wirkung. Und das ist nicht der einzige solche Track.
Samos größte Stärke liegt darin, dass er ein außerordentlich aufrichtiger und wahrheitsliebender Musiker ist, der keine Angst hat, diese Aufrichtigkeit in vollem Glanz zu zeigen. Durch die Verse wirkt Samo unglaublich mitreißend, die Emotionen brodeln und kochen geradezu. Deshalb trifft die Poesie mit unglaublicher Wucht – real und wahrhaftig. Der Hörer wird von seinen Bekenntnissen buchstäblich erschüttert, so einfühlsam kann Samo sein.
Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor – der dieses phänomenale, reale Funktionieren der Poesie erst ermöglicht – sind die Arrangements der Songs selbst. Diese sind ausnahmslos außergewöhnlich musikalisch. Sie sind kompakt, Strophe und Refrain leben in bemerkenswerter Symbiose zusammen. Das Album steckt voller Details, die ihm den überragenden künstlerischen Wert der klar profilierten Vision von Samo Budna verleihen. Solch ein »Bonbon« ist zum Beispiel Pikls effektive Integration des Banjos in Včasih ne veš (es ist hier eigentlich das integrale Instrument des Songs) und weiter in Dnevu se slabo piše, wo es zusammen mit der Geige ein ausgezeichnetes theatralisches Geflecht erschafft.
Ein ebenso wichtiger Faktor des Albums sind die abwechslungsreichen Keyboards von Davor Klarič. Klarič agiert wieder enorm funkensprühend und schöpft mit vollem Potenzial seinen Ideenreichtum aus, der mit außerordentlichem Erfolg die klangliche Tradition (den satten Hammond-Sound) mit trendigen (wenn man so will: Indie-)Nuancen vereint – nichts anderes als das ererbte Spiel der Synthesizer-Vorhänge der Achtziger. Davor weiß genau, wohin eine bestimmte Klanglinie im Arrangement gehört. Pikl überzeugt enorm mit seiner Gitarre, die saftige Füllungen des kontrastierenden Begleitungshintergrunds entwickelt und den Songs ein solides Rockgerüst verleiht. Diesmal begeistert besonders sein Minimalismus, einschließlich des »Slide-Solo« in Sončna hiša. Den kontrastiven Gegenpol in der Klanglandschaft bildet die Rhythmusachse »Run Joe« -Jani Hace, der wieder sein Optimum abliefert. Und wer noch? Die Geige von Samo Budna, die dem Melodiefluss eine Würze beimischt, die die eigenwillige Klangwelt des echten Lebens unter dem Prekmurje-Himmel verkündet. In den Songs spürst du durch die Vokalinterpretation Melancholie, Sehnsucht, Beklemmung, aber auch eine wachrüttelnde Note, die dazu aufruft, alte Muster aufzugeben und sich innerlich zu wandeln – was es dir ermöglicht, weiterzugehen, zu wachsen und zu reifen. Das Album ist voll persönlich-bekenntnishafter Sensibilität, mit der sich jeder identifizieren kann, der die Scheibe in den CD-Player legt.
Das Album »Za nazaj in za naprej« ist ein herausragendes Werk. Samo hat die Arrangements wirklich bis ins kleinste Detail gefeilt und das Beste aus sich herausgeholt, was er momentan kann und vermag. Die Songs sind gleichwertig. Qualitative Ausrutscher akzeptiert dieses Album nicht. Es ist ein ungemein hörbares Art-Rock-Album von klar ausgeprägter künstlerischer Eigenständigkeit. Starke Arrangement-Kulisse, überzeugender Vortrag der Poesie, dabei aber eine leichte Melodiösität mit der Prämisse einer Pop-Kontur. Das ist ein Album, auf dem alles am richtigen Platz steht und außerordentlich fein ausbalanciert ist. Das Album besitzt eine außergewöhnliche Interpretation, die eigentlich die Live-Atmosphäre einer Konzertaufführung im Studio selbst widerspiegelt – so wie man es früher in den Siebzigern gemacht hat, als Tonband teuer war und Bands beim Aufnehmen nur einen einzigen Versuch hatten. Mehr kann man sich nicht wünschen.
Besetzung
Samo Budna – Gesang, Geige
Davor Klarič – Klavier, Hammond, Rhodes, Hintergrundgesang, Gesang in den Strophen von Song Nr. 7
Robi Pikl – E-Gitarre und Akustikgitarre, Banjo
Bojan Cvetrežnik – Geige auf Song Nr. 4
Jani Hace – Bassgitarre, Perkussion, Gläser, Programmierung, Hintergrundgesang
Sergej Ranđelović „Run Joe“ – Schlagzeug, Tamburin auf Song Nr. 4
Produktion
Jani Hace
Trackliste
10. Za nazaj in za napre