Yes: The Yes Album

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Label: Atlantic Records
Erscheinungsdatum: 19. 2. 1971
Produktion: Eddie Offord
Spielzeit: 40.56 min
Genre: Progressive Rock
Wertung: 9.0/10


(for an English version, scroll down the bar)
Aaaaaaa! Verzeiht mir, aber diese Rezension wird eher nach „Kurze Geschichte über Steve Howe“ klingen. Nach zwei Studioalben hingen Yes ahnungslos am seidenen Faden. Atlantic Records wollte den Vertrag mit ihnen kündigen, falls sie weiter so kommerziell unproduktive Alben veröffentlichen würden. Mit „The Yes Album“ erhoben sie sich wie der Vogel Phönix aus der Asche (obwohl es ihnen mit Peter Banks an der Gitarre optisch wie akustisch eigentlich an nichts fehlte) und erlebten eine komplette Wiedergeburt. Banks verließ die Band, ersetzt wurde er vom fantastischen Steve Howe. Steves Einbindung in die Band ist der Hauptschuldige an der Metamorphose, nach der weder die Welt noch Yes je wieder so waren wie zuvor. Steve bewies sofort, dass er das gesamte Erbe seines Vorgängers mit links spielt. Normalerweise haben Bands beim Wechsel und beim Stopfen von Lücken in der Besetzung Probleme, das fehlende Glied zu ersetzen, in der Hoffnung und mit dem Ziel, dass der Neuzugang den Vorgänger, der die Band verlassen hat, möglichst erfolgreich kopiert.

Doch im Fall von Yes war das lustigerweise noch das Unwichtigste. Was wirklich bahnbrechend war: Steve Howe war der Initiator dieser totalen Erneuerung, denn er brachte jede Menge Neuerungen mit, und Yes machten in ihrem musikalischen Ausdruck einen enormen qualitativen Sprung. Steve war nicht nur vielseitiger als Banks vor ihm, die frischen Ideen sprudelten nur so aus ihm heraus, eine nach der anderen. Der stilistisch abwechslungsreiche Gitarrist beherrschte von allem ein bisschen, von Boogie-Country-Ausflügen (The Clap oder der Teil von Starship Trooper namens Disillusion) bis hin zu jazzigen Experimenten in den Soli innerhalb der Songs. Klar war auch seine Eigenheit, dass ihn zu langes Herumklimpern auf Akkorden fürchterlich langweilt und er deshalb in jedem Übergang eine Lücke sucht, die er dann solistisch durchlüftet und auf den Kopf stellt. Deshalb nutzt er die Keyboardlinien, die den melodischen Hintergrund halten, bestens aus, um allerlei Spezialitäten in die Songs einzuflechten. Im Kern stammt Steves Stil aus dem Jazz. In eine Rockband eingebunden, war sein Stil eine echte Revolution. Vor ihm klang niemand wie er, und (zum Glück) wird das auch nie jemand. Mit einem Wort: einfach „howesk“! Und Yours Is No Disgrace ist der direkte Beweis für Steves Eigenwilligkeit und die Vielseitigkeit, mit der der Gitarrist ausgestattet ist. Im Mini-Hit Your Move spielt er mit der portugiesischen Vachalia (eine Art Gitarre), und die Band strahlt darin als Ganzes eine ungeheure Weichheit und Raffinesse aus. Auch die Band klang nie wieder wie zuvor. Steve zog alle mit sich auf ein höheres Qualitätsniveau. T. Kaye an der Hammond-B3-Orgel sorgte mit seinen schweren Linien dafür, dass die Songs nicht in ihre Motive zerfielen und so kompakt blieben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Band klingt der Ausdruck „progressiv sein“ wirklich angemessen. Das volle Maß von Steves Improvisieren wird durch die Hammond-Linien perfekt geerdet, während die Rhythmusgruppe mit Steve noch mehr Manövrierraum bekam und noch mehr Melodik in den gesamten Yes-Ausdruck brachte und damit auch noch zusätzlichen Kontrast in die Musik von Yes.

Vielleicht klingt es ironisch, aber Yes wurden härter und leichter. Härter im Sound, leichter in den Arrangements. Leichter vor allem in dem Sinne, dass sie die Formel für eine stimmige Kombinatorik bei der Motivwahl fanden, die in den Songs in „prima“ Balance liegen und flüssig dahinfließen. Härter wurden sie vor allem durch den Sound von Chris‘ Bass, der immer prägnanter wurde, und durch Tonys erwähnte Art des Orgelspiels. Rechnet man noch den Beitrag von Jon Andersons unverzichtbarem, heiserem Sopran dazu, gingen die so wiedergeborenen Yes mutig ihrer produktivsten Phase entgegen.

Autor: Aleš Podbrežnik (die Rezension wurde erstmals 2003 für das Online-Musikportal Firegoat veröffentlicht)

English version:
AAA!!! Forgive me, but this review is more like „A Story of Steve Howe“. This is where a real take off for the band starts. It changed band’s musical expressions forever. Peter Banks leaves the band, Steve Howe joins in. As a band’s new recruit Steve was already very familiar with Peter’s guitar playing style and that was more than obvious, ‚cause he has integrated very easily into the band’s musical directions.

Funnily enough, perhaps even ironically this seemed to be the less important fact for the band. When comes to splits of original line ups it is usual problem for the band to find appropriate replacement and to find a guy who would be successful in copying his predecessor’s playing style. But the point where Peter and Yes parted their ways was, looking back now over thirty years, not only of extreme importance for the band’s further musical directions, but also for the entire rock scene. Highly talented and gifted newcomer served not only as Peter’s replacement, he was also the income of fresh ideas that were new to the band. Steve developed his own guitar style that influences even now days on many young guitarists. Guy brought a good portion of jazz inside the music. And specialty which was translated into new Yes language sounded as nothing else ever sounded or will ever sound. It can be described as strictly „howeish“. Term „progressive“ in Yes music, becomes more appropriate for the first time.

Whole sound becomes cleaner and structures are figured now on much tighter and compact way and beside that assembled together on a way that leaves motives to run smoothly and more fluidly as on first two records. Generally speaking the whole sound becomes heavier thankfully to the chunky Hammond B3 organ dashes (Perpetual Change, Yours Is No Disgrace, Starship Trooper) and of course Chris’s heavy bass drives, that began to sound more and more thunderous. On the other hand it seems as if band learned to compose in a much sophisticated and subtle way (Your Move). At those days no one even think about that challenging Steve’s integration into Yesworld would be of such great importance. Steve’s advantages were not only that he was more diverse skilled than Banks (don’t get me wrong Peter, I respect all you’ve ever done for Yes), but also cause his uniqueness and the way how he freely and spontaneously delivered the whole Yes sound a new qualities. So „The Yes Album“ (1971) is somehow band’s new beginning, a rebirth if you wish. Listen Yours Is No Disgrace. Howe’s involvement of putting all those unmistakable diverse touches surely outstands in that song. Other guys just followed him. Rhythm line also becomes more melodic then ever before. Accompanied with Anderson’s soaring irreplaceable vocals and Kaye’s keyboard lines that helped in keeping all songs not to fall apart, renewed and stronger Yes moved now bravely forward into their most productive period.

Tracklist:
1. Yours Is No Disgrace (9:36)
2. Clap (Recorded Live at the Lyceum, London) (3:07)
3. Starship Trooper: Life Seeker / Disillusion / Wurm (9:23)
4. I’ve Seen All Good People: Your Move / All Good People (6:47)
5. A Venture (3:13)
6. Perpetual Change (8:50)
Bonustracks der Neuauflage von 2003:
7. Your Move (single version) (2:59)
8. Starship Trooper: Life Seeker (single version) (3:27)
9. Clap (studio version) (4:01)

Besetzung:
Jon Anderson – Gesang, Percussion
Steve Howe – Akustik- und E-Gitarren, portugiesische 12-saitige Gitarre auf Track 4, Backing Vocals
Tony Kaye – Hammond-Orgel, Klavier, Moog-Synthesizer
Chris Squire – Bass, Backing Vocals
Bill Bruford – Schlagzeug, Percussion


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