Live In The USA

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Uriah Heep
Label: Classic Rock Productions
Veröffentlichung: 2003
Bewertung: 3.5/5

Uriah Heep haben sich entschlossen, einen Konzertmitschnitt vom „US Classic Rock Festival“ zu veröffentlichen, das am fünften und sechsten Oktober im Jahre des Herrn 2002 in der Kleinstadt Trenton (New Jersey, USA) über die Bühne ging. Bei diesem Festival waren Uriah Heep an beiden Abenden Headliner, und zwar mit zwei ziemlich unterschiedlichen Repertoires. In der ersten Nacht spielten sie am Stromnetz, am nächsten Tag ließen sie das „Tesla-Phänomen“ komplett links liegen und schrammelten ein Konzert mit nackten Saiten. Die CD ist eine Einzel-CD, und Uriah Heep haben sich nur das Beste aus dem Repertoire beider Nächte herausgepickt. Da könnte man glatt meinen, Heep würden uns eine Art Kreuzung aus „Electrically Driven“ (2001) und „Acoustically Driven“ (2001) bieten.

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Erstens unterscheidet sich das Repertoire stark von den beiden genannten „Live“-Alben, und zweitens, und das ist vielleicht der viel wichtigere Punkt, ist da der Sound, der natürlich, weil Uriah Heep unter freiem Himmel gespielt haben, wieder eine ganz neue Geschichte ist.

Ah, wie schön, nach fast zehn Jahren seit dem Erscheinen von „Spellbinder“ (1994) The Wizard und Rainbow Demon wieder auf einem Tonträger zu finden. Von den zehn Songs sind sieben akustisch, während Easy Livin‘ und Return To Fantasy als echte Rock-Momente sowie das herrliche Abenteuer The Magician’s Birthday komplett durch die Verzerrung gejagt werden. Die Gitarre frisst den Keyboards darin keinen Augenblick lang den Klangraum weg. Micks typisches Wah-Wah-Riffing klingt glühend lebendig, man spürt seine metallisierte Attitüde, deckt aber in der Produktion nie die Keyboards zu. Es ist auf Distanz gehalten und in einen Rahmen gepackt, in dem es stimmig das Mosaik des Gesamtsounds der Band und der Bühnenmagie mitbaut. Die Keyboards füllen grandios den Hintergrund und decken zusammen mit dem Gitarrenriffing gleichberechtigt den ganzen Klangraum ab. Als kontrastierendes Gegengewicht prasseln die intensiven Salven von Lees Drums und das unablässige melodische Geflecht des flinkfingrigen Trevor Bolder am Bass. Der vielschichtige Einsatz der Backing-Vocals wirkt auch diesmal majestätisch (Easy Livin‘, The Wizard, Return To Fantasy und die märchenhafte Orchideenwelt von Tales).

Natürlich ist es der größte Genuss, Micks Riffing beim abschließenden 12-minütigen Kunstwerk The Magician’s Birthday zu verputzen. Natürlich mit dem unverzichtbaren Lee, der in dieses Dingens bläst, das die Engländer „Kazoo“ nennen („Tschüss Slowenisch, almighty Toporišič S.O.S!“), und mit einem total hineingekippten Bernie, der die himmlischen Schlussverse hervorragend hinbekommt (die singt im Original Ken Hensley). Anders als in der letzten Zeile des Originals „…love will find love, will find love,…“ singt Bernie diesmal „…love goes on love, goes on love,…“. Natürlich ist das Herzstück des Songs das Kreuzfeuer zwischen Lee und Mick, die sich dabei gegenseitig den Atem rauben und ihr Solo-„Jamming“ fröhlich in die Länge ziehen, sodass es doppelt so lang ist wie im Original.

Mick liefert bei den akustischen Songs einen richtig schön stählernen Akustiksound, und man hört leicht, wie intensiv er mit dem Plektrum über die Gitarre schrubbt, als wolle er ihr sämtliche Saiten abreißen. Hier bekommt natürlich Phil an der Orgel die Hauptrolle, wenn es darum geht, die Melodie in den Songs zu halten. Besonders in The Other Side Of Midnight, Heartless Land und That’s The Way That It Is. Es ist schwer zu sagen, welches akustische Arrangement auf der Bühne am besten gelungen ist, aber zweifellos sticht Blind Eye heraus, wo Lees Drums mit ihrer Wucht und ihrem ausdrucksstarken Rhythmus ganz von selbst im absoluten Mittelpunkt landen, was eine besondere Stimmung in dem mystischen Song erzeugt, mit dem Höhepunkt ganz am Ende, wenn ein Flötensolo einsetzt. Dazu hat Lee fantastische „Backing-Vocals“ beigesteuert, die sich kontrastreich und geschmackvoll an Bernies Gesang anschmiegen.

Uriah Heep können es eben. Nicht nur das Repertoire, sondern auch, wie die Songauswahl zusammengestellt ist. Erst verzaubern sie uns mit dem verträumten Rainbow Demon, dann hauen sie Easy Livin‘ raus, schicken uns mit The Wizard wieder hoch in die Wolken, drehen mit Return To Fantasy die Ohren auf, danach folgen fünf akustische Schönheiten, und am Ende, wenn du längst Hunger nach Verzerrung und Rocker-Gebolze hast, servieren sie dir mit The Magician’s Birthday genau das. „Live In The USA“ ist zweifellos ein anderes „Live“-Album von Uriah Heep.

Das Einzige, was bei alledem stört, ist im Grunde die bereits erwähnte Tatsache, dass die Nummern, die hier auf einer Scheibe gelandet sind, aus zwei kompletten „Full Set Lists“ zusammengewürfelt wurden (am ersten Tag vom Unplugged-Konzert, am zweiten vom „elektrischen“). Deshalb ist die Veröffentlichung in erster Linie etwas für echte Fans der Band. Im Kern ist es eine Art „Best of“-Dokumentation des „Live“-Events in Trenton. Wer von euch „Acoustically Driven“ (2001) schon zu Hause hat, wird nichts Neues entdecken.

Besetzung

Bernie Shaw – Gesang
Mick Box – Gitarre, Backing Vocals
Lee Kerslake – Schlagzeug, Backing Vocals
Trevor Bolder – Bass, Backing Vocals
Phil Lanzon – Keyboards, Backing Vocals

Tracklist

1. Rainbow Demon (3:55)
2. Easy Livin‘ (3:07)
3. The Wizard (4:16)
4. Return To Fantasy (4:52)
5. Tales (4:45)
6. Heartless Land (4:57)
7. Blind Eye (3:52)
8. The Other Side Of Midnight (4:17)
9. That’s The Way It Is (4:08)
10. The Magician’s Birthday (12:43)

Spieldauer: 50:52

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