Work Of Art: Exhibits

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Label: Frontiers Music s.r.l.
Erscheinungsdatum: 08.11.2019
Produktion: Work Of Art
Albumlänge: 46.33 min
Genre: AOR
Wertung: 8.0 / 10


Work Of Art gehören zu den namhaftesten Vertretern der schwedischen Schule des AOR-Revivals. Das Debüt erschien 2008, und fünf Jahre nach dem dritten Album »Frameworks« (2014) liegt nun auch das vierte Studiowerk des Projekts vor uns: »Exhibits«. Die beiden Hauptakteure hinter diesem Musikprojekt sind nach wie vor Gitarrist Robert Säll (auch W.E.T.) und Sänger Lars Säfsund. Bisher hatten sie stets nur Schlagzeuger Herman Furin im Team, der auch diesmal wieder dabei ist – doch diesmal arbeitet im Studio eine ganze Garde an „Helfern“ mit ihnen zusammen, vor allem was das Spielen von Bass, zusätzlichen Keyboards und auch Perkussion betrifft.

Schwedischer Perfektionismus kennt keine Grenzen. Das sind unglaublich engagierte, hingebungsvolle, fleißige und gewissenhafte Musiker, egal was sie anfassen. Ich meine das in einem allgemeinen Sinn bezogen auf Genres. Zwar haben wir lange auf das neue Album gewartet, und Landsleute wie etwa Houston haben das Projekt allmählich einzuholen begonnen – doch das relativ lange Warten auf das neue Studiowerk hat sich gelohnt. Work Of Art enttäuschen inhaltlich nicht und pflegen ihre »Formel« beziehungsweise ihr Rezept des feinsinnigen Wandelns im musikalischen Erbe der AOR-Großmeister der Achtziger (und auch der Siebziger) auf dem neuen Album einmal mehr äußerst erfolgreich und überzeugend. »Exhibits« ist also eine neue bombastische Geschichte des AOR-Revivals nach Work Of Art-Rezept.

In der Musik spürst du wieder die Einflüsse des West-Coast-AOR-Prinzips, und man merkt, dass die beiden Musiker (Säll und Säfsund) seinerzeit auch auf dem neuen Album der AOR-Legende Jim Peterik (Winds Of Change) mitgewirkt haben – in dem Sinne, dass sie sich ständig von den Kompositionsprinzipien dieses genialen amerikanischen Musikers und einstigen Chefkomponisten der großen Survivor inspirieren lassen.

Es wurde viel programmiert, die Drums sind oft einfach »angeklickt«. Die Produktion ist außerordentlich poliert. Fast schon übertrieben. Kristallklar. Work Of Art sind in ihrer Produktionsweise eine sehr sanfte Variante des (allgemeinen) Rocks, bei der die Keyboards mit ihrem rauschenden Synthesizerklang und den fließenden Klangwellen der Achtziger perfekt mit dem Gitarrenspiel ausbalanciert sind – und stellenweise auf dem Album sogar die Führung vor der Gitarre übernehmen, wie Work Of Art das etwa mit den synthetisierten Linien in This Isn’t Love erzielen (interessanterweise gastiert darin Vince DiCola am Keyboard-Solo, seines Zeichens Autor des Rocky IV-Stücks „Training Montage“) oder in den Übergängen und dem Refrain von Scars To Prove It (in die Phrase ist ein „angeknabbertes“ Stück des Hauptriffs aus dem Bee Gees-Stück Stayin‘ Alive eingebettet). Daher sind die Pop-Elemente deutlich stärker betont. Elemente der Pop-Kompositionsästhetik der Achtziger, die zusammen mit dem AOR-Feuer klingen – oder vielmehr oft fast dessen Pflichtbestandteil sind.

Das Album ist überschäumend optimistisch, mit einer außerordentlich bombastischen Konnotation und einer Pomp-Entwicklung, die in den mitreißenden Refrainmelodien ihren emotionalen Höhepunkt erreicht. Dunklere Momente fehlen dem Album, da es in Richtung kompositorischer Eintönigkeit tendiert (die meisten Kompositionen beruhen besonders in den Refrains auf Dur-Entwicklungen). Dunkle Momente sind daher willkommen – wie etwa im hervorragenden Coming Home, wo die Gitarren zur Abwechslung etwas schärfer in der Phrasierung sind, oder im abschließenden, vom Wesen und Werk von Foreigner inspirierten Let Me Dream. Die Middle-Eight-Passagen bieten ein willkommenes Maß an Modulation – in sie schleicht sich entweder ein Gitarrensolo oder eine Kombination aus kürzeren, durchdacht platzierten Soli auf der Achse Gitarre-Keyboards; Work Of Art nutzen diese Teile der Songs jedenfalls geschickt für stimmungsmäßige Wendungen, was den theatralischen Pomp-Effekt verstärkt und dem Werk eine hohe dynamische Flüssigkeit erhält – obwohl, wie gesagt. Die Songs tendieren aufgrund der Fülle an »fröhlichen« Refrainlinien zu einer leichten Vereinheitlichung des Werks.

Diesmal haben sich Work Of Art so verbissen wie noch nie auf den AOR-Genre-Revivalismus eingelassen. So ein verbissen revivalistisch nach AOR klingendes Werk wie »Exhibits« hat Work Of Art bisher noch nicht abgeliefert. Trotz der perfekten klanglichen, produktionstechnischen und kompositorischen Ästhetik, die es erreicht, würde ihm ein Hauch mehr ideeller Variabilität und auch organischer Lebendigkeit guttun. Aber aus der Perspektive des Erreichens des Achtziger-Sounds ist es eigentlich ein brillantes Album perfekter »Imitation«, wie es sie heute kaum noch gibt, weil es schlicht nicht viele Bands wie Work Of Art gibt. Deshalb zündet das Aufwärmen der alten Suppe immer so gut.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Misguided Love
2. Be The Believer
3. Another Night
4. This Isn’t Love
5. Gotta Get Out
6. Come Home
7. If I Could Fly
8. Destined To Survive
9. Scars To Prove It
10. What You Want From Me
11. Let Me Dream

Besetzung:
Lars Säfsund – Gesang, Keyboards, Programmierung
Robert Säll – Gitarre, Keyboards, Programmierung
Herman Furin – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Jonas Gröning – Keyboards (2, 7 & 10)
Jonas Öijvall – Keyboards (5, 6, 8 & 9)
Marcus Möller – Keyboards (4)
Robert Elovsson – Keyboards (Solo, 6)
Vince DiCola – Keyboards (Solo, 4)
Jonas Gröning – Keyboards (Solo, 10)
Shem von Schroeck – Bass (2 & 4)
Andreas Passmark – Bass ( 3, 6, 7, 8 & 10)
Nalle Påhlsson – Bass (5 & 9)
Henrik Linder – Bass (1)
Figge Boström – Bass (11)
Mikael Emsing – Perkussion (1 – 4 & 6 – 11)


Work Of Art – Misguided Love (offizieller Audio-Clip)
Work Of Art – Another Night (offizielles Video)
Work Of Art – Exhibits
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