Willowglass
Künstler: Willowglass
Veröffentlichung: 2005
Bewertung: 3/5
Willowglass ist das Projekt von Andrew Marshall, einem Mann, der alles andere als „von gestern“ ist. Er ist ein erfahrener Musiker, der sich in den letzten 20 Jahren beim Spielen in verschiedenen lokalen Bands aus Yorkshire gestählt hat.
Das Album ist eine Reise durch eine zarte Palette bunter Klänge, die auf Marshalls Mellotron-Spiel fußen. Das Mellotron hält die Musik von Willowglass zusammen und gibt ihr das Gefühl, durch keltischen, pastoralen Mystizismus zu treiben. Man kann sich leicht ein Land aus Mooren und Seen vorstellen: Am Ufer lassen Trauerweiden träge ihre Zweige hängen, Frösche, die sich gerade an fetten Fliegen sattgefressen haben, quaken fröhlich, Eisvögel stürzen schwindelerregend ins Wasser und Libellen schwirren schelmisch umher. Mannomann, dafür braucht man ja schon fast Fachwissen über die Ökosysteme von Binnengewässern. Die Musik durchzieht ein positiv-fröhlicher Geist, und sie ließe sich mühelos als Untermalung für irgendeine Doku verwenden, z. B. über das Leben in den Tiefen der Ozeane.
Das Mellotron rückt Willowglass in die Nähe der frühen Genesis, und noch mehr! Sogar in die der Soloarbeiten von Genesis-Mitgliedern wie Anthony Phillips und Steve Hackett aus der Zeit Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger (z. B. der Song Garden). Das Debüt von Willowglass neigt gern zu „ungefähren“ Abstechern in Richtung der guten alten Camel (der Song Remembering), höchstwahrscheinlich wegen der Art, wie die Flöte in die Musik eingebunden ist. Dabei muss man natürlich die moderne Produktion mit den neuesten technologischen Errungenschaften der Musikindustrie berücksichtigen, die „Willowglass“ trägt. Waking the Angels erinnert vom Grundmotiv her an Two Suns In The Sunset („Final Cut“, Pink Floyd, 1983), die Stimmung ist aber eine ganz andere.
Musikalisch ist das Debüt von Willowglass nichts ganz Besonderes, was auch die genannten Vergleiche im Absatz oben andeuten. Trotzdem ist das Auftauchen solcher Alben äußerst willkommen, denn das Album hält die Erinnerung an vergangene Tage wach, als Experimentieren und die Suche nach neuen musikalischen Horizonten in der Rockmusik noch ordentlich belohnt und von den Labels gefördert wurden. Es ist ein lockeres Prog-Rock-Album, unglaublich gut hörbar, die Musik ist komplett instrumental und die Motive gehen klar und völlig fließend ineinander über. Das Album taugt als tolle Bereicherung für die Atmosphäre beim Beobachten von Sonnenuntergängen oder beim morgendlichen Kaffeekochen an faulen Samstagen, wenn draußen der Regen prasselt und im Haus das Knistern frisch nachgelegter Holzscheite im Kamin zu hören ist. Musikalisch steht Willowglass hinter dem Motto: „Bescheidenheit ist eine schöne Tugend!“, deshalb wird es spannend, die weitere Entwicklung dieses Projekts zu verfolgen.
Besetzung
Andrew Marshall – E-Gitarre, Akustikgitarre, 12-saitige Gitarre, klassische Gitarre, Keyboards, Flöte, Schlagzeug
Dave Brightman – Schlagzeug
Produktion
Andrew Marshall
Tracklist
1. Peace (1:26)
2. Remembering (8:34)
3. Garden (8:15)
4. Interlude No. 1 (1:36)
5. Tower Of The King’s Daughter (7:10)
6. Summer’s Lease (0:18)
7. Into The Chase (4:29)
8. A Blinding Light (6:36)
9. Waking The Angels (5:45)
10. The End (1:46)
Spielzeit: 46:00