Gillan’s Inn

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Künstler: Gillan, Ian
Label: Silverline
Veröffentlichung: 2006

Rock-Urgroßvater Ian Gillan genießt seine „alten“ Jahre völlig zu Recht. Sein umfangreiches 40-jähriges Vermächtnis hat der Kerl neu durchdacht und so alle frisch eingespielten Klassiker mit einer „Riesenparty“-Bearbeitung im Studio auf einer Dual Disc zusammengefasst, die jetzt für uns alle zum „Anschauen“ und „Anhören“ bereitliegt.

In die Kneipe „Gillan’s inn“ hat Ian jede Menge Leute eingeladen, also Musiker, mit denen er gemeinsame Geschichte und Rockgeschichte geschrieben hat. Die Auswahl war schwer, es gab einfach so viele passende Kandidaten! Leider vermissen wir unter ihnen den Mann in Schwarz, sprich den großen Blackmore. Auffällige Lücken auf der Liste der großen Namen hinterlassen außerdem die beiden Ex-Mitglieder der Gillan-Band Bernie Tormé und John McCoy.

Unchain Your Brain ist der Opener zum Mitsägen, bei dem die unfehlbare Gitarrenmaschine Joe Satriani die Finger über die Saiten dehnt und bei diesem Gillan-Klassiker von „Glory Road“ den Originalgitarristen Bernie Tormé ersetzt. Bluesy Blue Sea, das darauf folgt, bringt schon eine ganze Reihe Mini-Gillan-Reunions mit, denn die Gitarrenlinien steuert Janick Gers (Iron Maiden) bei, der Anfang der Achtziger noch als Lehrling bei Gillan die Saiten geschrubbt hat. Es folgt ein weiterer toller Ian-Solo-Klassiker, Day Late And A Dollar Short, gewürzt mit dem hervorragenden Spiel des großen Uli Jon Roth (ex-Sciorpions), der in seinem Auftritt auf diesem Song die Gitarre wie in Trance zum Glühen bringt. Dieser Song ist damit der erste Höhepunkt dieses spannenden historischen Querschnitts durch Ian Gillans Rockweg. Der Track bekommt zusätzlichen Glanz, denn hinter Ian steht beim Backing Gesang kein Geringerer als Ronnie James Dio.

„Gillan’s Inn“ wird im hohen Gang gespielt! Die Erfahrung und das Talent der großen Namen leuchten, und die Auswahl dieser neu eingespielten Klassiker hat nichts von einem bloßen „eine Hand wäscht die andere“-Ansatz (heißt: Im Studio versammelt zahlt man sich gegenseitig Gefallen zurück). Stattdessen spürt man Einfühlung und den richtigen Zugang zur musikalischen Performance über die ganze Platte hinweg, und die Songs haben den richtigen „Groove“, also Eier. Solche Studio-Treffen und Jam-Sessions klingen oft nicht überzeugend, aus dem simplen Grund, dass im Studio eben keine Band steht, die einheitlich für dieselbe Sache atmet. An genau so einer Prüfung ist zum Beispiel „Heavy Hitters“ (2005) von Michael Schenker gescheitert, ein völlig leeres Produkt. Bei „Gillan’s Inn“ ist das anders. Hier machen ehemalige Deep Purple/Gillan-Mitglieder mit oder große Deep-Purple-Verehrer, die Deep Purple offensichtlich im Blut tragen. Auf „Gillan’s Inn“ finden wir auch den attraktiven Song Thrashed von Black Sabbaths „Born Again“ (1983), bei denen auch Ian für sehr kurze Zeit Mitglied war. In dieser Version walzt der große Vater des Gitarrenriffs Tony Iommi seine „Riffs“ aus. Also spannend! Das ist eine umgedrehte Situation, die ich eher auf einer solchen Kompilation von Tony Iommi erwartet hätte, auf der Gillan als Gast auftritt.

Natürlich ging es nicht ohne Deep-Purple-Klassiker. When A Blind Man Cries ist viel schärfer als im Original. Diese typische Blackmore-Weichheit fehlt eben… Jeff Healey spielt ihn, tatsächlich ein blinder Gitarrist. Die warme Umarmung in dieser Klagelied-Ballade bringt natürlich Lords Hammond, und Gillan bringt viel mehr Improvisation in den Song, als die Originalversion enthält. Ohne Smoke On The Water ging es auch nicht. Das Ambiente dieses Songs ruft schön das „Feeling“ von damals herauf, die Atmosphäre echter „Seventies“-Nostalgie funktioniert also. Kein Wunder mit Lord an der Hammond und Paice an den Drums. Blackmore ersetzen John Rzeznik (Go Go Dolls) und der aktuelle Deep-Purple-Mann Steve Morse. Der „Beat“ des Songs, die Produktion selbst (vor allem von Ians Gesang) bringt wirkungsvoll einen Hauch jüngerer Vergangenheit mit, während die beiden Blackmore-Ersatzleute dem Klassiker erwartungsgemäß moderne Dimensionen hinzufügen. Loving On Borrowed Time ist eine tolle Wahl und beweist einmal mehr Satrianis ganze Raffinesse, der mit der nötigen Sophistication an den Song herangegangen ist, was wunderbar zu Gillans Stimme in reifen Jahren passt.

Gillan hält sich gesanglich gut. Mit seiner Erfahrung schlängelt er sich souverän durch und weicht allzu heftigen Akrobatikeinlagen aus, gleichzeitig beweist sein unverwechselbarer Gesangsstil noch heute seine ganze Größe. Dass Ians Kraft noch lange nicht zum alten Eisen gehört, bestätigt die überaus witzige Version von No Laughing In Heaven, und was die Gefühlsebene angeht, sticht das bereits erwähnte Loving On Borrowed Time heraus.

Drei kleine Anmerkungen. Smoke On The Water ist überflüssig, gar nicht schlecht, aber völlig überflüssig, denn in der Deep-Purple-Mk-II-Besetzung gibt es so viele phänomenale Versionen dieses Klassikers, dass alle weiteren Neuaufnahmen ihr kaum bis zu den Knöcheln reichen. Speed King beweist, dass Gillans Stimme das, was er einst mit Leichtigkeit gemeistert hat, einfach nicht mehr schafft, und einen Zug zu viel ist der Rausschmeißer-Spaß bzw. die Coverversion von I’ll Be Your Baby Tonight mit Joe Elliot (Def Leppard) am Gesang (auch UB 40 und Robert Palmer haben sie schon gespielt), die dem Release ein paar Punkte seiner sonstigen Klasse und „rockigen“ Rücksichtslosigkeit nimmt.

Der DVD-Teil enthält natürlich Studioaufnahmen, darunter auch den zusätzlichen Demons Eye (Deep Purple), ein paar Schnipsel vom Konzert von Deep Pruple (Gent, Belgien, 1994) und eben die „klassischen Bonus Inhalte“, die man auf DVDs heutzutage so findet. Kurzum: Interessantes vor allem für alle Hörer, deren Haare von Jahr zu Jahr unaufhaltsam stärker vom Glanz des Grau überzogen werden, um Erinnerungen an große Tage wachzurufen, um die wir viele, die wir heute „Krümel“ aufsammeln, auf ewig betrogen sind. Also: Ian Gillan hat wieder auf ganzer Linie gewonnen, und ein Besuch in seiner Kneipe „Gillan’s Inn“ samt Kostprobe seiner frisch gebrauten Klassiker ist für alle ein Pflicht-Ausflug in den klassischen Hard Rock.

Besetzung

Ian Gillan – Gesang

Gastmusiker:
Tony Iommi (Black Sabbath) – Gitarre
Joe Satriani – Gitarre
Joe Elliot (Def Leppard) – Gesang
Janick Gers (Iron Maiden) – Gitarre
Uli Jon Roth (ex-Scorpions) – Gitarre
Johnny Rzeznik (Goo Goo Dolls) Gitarre
Ronnie James Dio (Dio) – Backing Gesang
Jeff Healey – Gitarre
Michael Lee – Schlagzeug
Jon Lord (ex-Deep Purple) – Hammond-Orgel
Ian Paice (Deep Purple) – Schlagzeug
Roger Glover (Deep Purple) – Bass
Steve Morse (Deep Purple) – Gitarre
Don Airey (Deep Purple) – Keyboards

Produktion

Nick Blagona

Tracklist

CD (Dual Disc)
Audio-Teil:
1. Unchain Your Brain
2. Bluesy Blue Sea
3. Day Late And A Dollar Short
4. Hang Me Out To Dry
5. Men Of War
6. When A Blind Man Cries
7. Sugar Plum
8. Trashed
9. No Worries
10. Smoke On The Water
11. No Laughing In Heaven
12. Speed King
13. Loving On Borrowed Time
14. I’ll Be Your Baby Tonight

Spielzeit des Albums: 65:00

DVD-Teil:
•“Smoke On The Water“ – choose your own mix with your choice of Joe Satriani, Steve Morse, Jeff Healey
and more
•Making of „Gillan’s Inn“ video featuring in-the-studio footage of Ian Gillan, Jon Lord, Ian Paice,
Roger Glover, Joe Satriani, Ronnie James Dio, Michael Lee, and Jeff Healey
•Bootleg basement-amateur audience shot footage. Tracks include „Speed King“ and „When A Blind Man Cries“
by Deep Purple (with Joe Satriani on guitar) from Flanders Expo, Gent, Belgium on June 18, 1994
•Liner notes written by Jeff Miers, Music Critic for The Buffalo News
•Witness Protection Program – a selection of never before seen photo’s featuring the bonus track
„Can I Get A Witness“
•Bonus Track – „Demon’s Eye“ featuring Jeff Healey, Jon Lord and Michael Lee
•Special DVD Launcher ROM features that enable fans to access another version of „Smoke On The Water“
featuring Steve Morris

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