Welcome To America
Interpret: Taz Taylor Band
Label: Escape Music
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 3.5/5
Taz Taylor? Wer zum Henker ist jetzt bitte Taz Taylor? Ein englischer Gitarrist, der aber schon eine ganze Weile in San Diego (Kalifornien, USA) lebt. Nun, bei der zeitgenössischen Stiefmütterlichkeit Großbritanniens gegenüber den eigenen Musikern, die „Rock“ spielen und komponieren können, ist das nichts Ungewöhnliches. Der Typ hat vor „Welcome To America“ gerade mal ein einziges Studioalbum veröffentlicht. Dabei handelt es sich um das rein instrumentale Album „Caffeine Racer“, das 2003 erschienen ist. In den letzten drei Jahren hat Taz eine Band zusammengestellt. Anfangs wollte er Bonett nur für vier Songs auf „Welcome To America“ ans Mikro holen, doch im Studio entwickelte sich völlig unerwartet eine großartige Arbeitschemie zwischen Bonett und der Band, sodass Bonett gleich das komplette Material eingesungen hat, also insgesamt 8 Songs (auf dem Album gibt es noch zwei Instrumentals).
„Welcome To America“ bietet satte 40 Minuten klassischen „Hard Rock“ der edlen, guten alten britischen Schule, der sich am Erbe legendärer Bands aus den Siebzigern wie UFO, Rainbow, Thin Lizzy anlehnt, und natürlich sind auch Alcatraz und MSG ganz nah dran. Taz ist großer Fan von Randy Rhoads und Gary Moore, deshalb haben es auch zwei Coverversionen aufs Album geschafft, nämlich Moores Parisienne Walkways, wo Taz „auf den Punkt“ wie die Gitarre von Gary Moore klingt, und Goodbye To Romance, ein Song von Ozzy Osbourne von dessen Debüt „Blizzard Of Ozz“ (1980).
Der legendäre Graham Bonett, bekannt für seine Beiträge bei den großen Rainbow, MSG und seiner Band Alcatraz, um nur drei der größeren Bands in seiner langen und reichen Sängerkarriere zu nennen, ist für dieses Album natürlich der Hauptgewinn im Lotto. Bonett hat als Sänger in seiner Karriere zwar schon bessere Tage gesehen, aber auf „Welcome To America“ klingt er richtig stark, wie schon lange nicht mehr! Seine Stimmfarbe und sein Gesangsansatz sind in der „Rock“-Musik ohnehin einzigartig, und so bringt Bonett in die „Hard-Rock“-Schablone von „Welcome To America“ genau diesen Kick, der das Album besonders, sofort wiedererkennbar und ungemein anziehend macht. Die Gitarre ist in der Produktion lebendig geschärft und schön scharf geschliffen, und Taz beweist vor allem in den Soli, dass er die Sache äußerst raffiniert zu servieren weiß und diesen siebten Sinn für Hard-Rock-Stimmung besitzt, bei der du sofort die Vibration samt Botschaft spürst: „Ja, das ist der echte rock n‘ roll-Krawall mit einem Sack voll authentischem Adrenalin!“ Taylor ist der Star des Albums!
Das Album überzeugt gleich zum Auftakt mit den kraftvollen Rockern Fighter’s Fist und dem „rainbowesken“ Radio Luxemburg, wo das Hauptriff von Hammond-Orgeln begleitet wird. Klassischer Trick der Urväter des Heavy Rock! Das Album wogt dynamisch durch die gesamte Spielzeit! Die Intensität beruhigt sich im mittelschnellen Haunted, wo auch das Piano eine größere Rolle spielt, und natürlich im instrumentalen Walzer Parisienne Walkways, danach flammen die Leidenschaften im weiteren Verlauf beim Titelsong besonders heftig auf, wo Bonett im Refrain überraschend wütend angreift. In dieser Intensität steht ihm auch das darauffolgende Wall Of Sound in nichts nach. Die Produktion lebt von Kontrasten zwischen den Instrumenten und von Tiefe. Die Drums haben einen donnernden Sound, der das Erbe des Produktionssounds der ganz Großen (Appice, Rondinelli, Powell) wieder aufleben lässt. Den Riffs leisten, wie gesagt, die Keyboards in den Linien Gesellschaft und unterstreichen so die Härte und die „rockige“ Intensität des Sounds. Taylor ist herausragend! DASS das Album aus seiner Feder stammt, beweist die Ausgereiftheit der Songs selbst. Die Hauptriffs baut Taylor in den Übergängen auf raffiniert geschmackvolle Weise mit wunderschönen Interludes aus, und besondere Aufmerksamkeit widmet er den ausgefeilten Soli, wo er gerne mit Blackmore flirtet. Dieses Gefühl zündet besonders in den Instrumentals oder im Track Silent Fall.
„Welcome To America“ ist ein Album, das allen Fans der guten alten Schule des britischen Hard Rock von Rainbow, UFO, Thin Lizzy gefallen wird. Dabei gehört die Taz Taylor Band nicht zu den Gruppen, die Obskures in ihren Ausdruck einbringen würden, à la The Lizards, oder zu den übrigen heutigen Bands, die sich am Erbe der Black-Sabbath-Tony-Martin-Ära orientieren. Das Album an sich ist musikalisch nichts Erschütterndes, seine große Qualität ist unbestreitbar, und die zählt! So gesehen ist „Welcome To America“ ein starkes Angebot an alle Rainbow-Fans.
Besetzung
Taz Taylor – Gitarre
Bob Miller – Keyboards
Dirk Krause – Bass
Richard Livoni – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Graham Bonnet – Gesang
Produktion
Taz Taylor
Tracklist
1. Surface Tension
2. Fighter’s Fist
3. Parisian Walkways
4. Radio Luxembourg
5. Haunted
6. Welcome To America
7. Silent Fall
8. Wall Of Sound
9. Reprise
10. Goodbye Mr C
Spieldauer: 42:29