War Of Worlds Pt. 1

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Romeo, Michael
Label: Music Theories Recordings
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 53:06
Wertung: 4.5/5

Michael Romeo ist jenes musikalische Ass, das in die Liga der renommiertesten Gitarristen seiner Generation gehört – dorthin, wo man Virtuosen wie Tony MacAlpine, Kiko Loureiro, Marty Friedman, John Petrucci und weitere einreiht. Das bedeutet, dass dieser neoklassisch geschliffene Gitarrenvirtuose neben seinen außergewöhnlichen handwerklichen Fähigkeiten und der ausgefeilten Gitarrentechnik auch ein echter Shredder ist – was natürlich sofort das Interesse von Heavy-Metal-Fans wecken wird. Am bekanntesten ist er durch seine Mitgliedschaft in Symphony X, die er seit ihrer Gründung auch anführt. »War Of Worlds Pt. 1« ist sein zweites Solo-Studioalbum. Das erste, »The Dark Chapter«, erschien bereits im fernen Jahr 1994 – genauso wie das gleichnamige Debütalbum von Symphony X.

Michael Romeo galt schon immer als das tragende Fundament der musikalischen Aussage von Symphony X. Auf seinen Ideen, kompositorischen Strukturen sowie dem spezifischen Stil und Klang, den sein gitarristisches Ausdrucksvokabular über die Jahre geprägt und definiert hat, »fällt« und »wächst« die gesamte Musik von Symphony X – ausschließlich auf den evolutionären Schultern Michael Romeos. Von dort aus ist es nicht schwer zu schlussfolgern, dass »War Of Worlds Pt. 1« kompositorisch sehr wahrscheinlich den Kernwerken von Symphony X nahesteht. Genau so. Das Album trägt ein Konzept. Es ist inspiriert vom berühmten Roman des englischen Schriftstellers H.G. Wells, »The War Of Worlds«, was angesichts der Thematik, die Symphony X im Laufe ihrer Karriere gerne aufgreift, kaum überrascht. Deshalb ist es dunkel und natürlich düster.

Das Album wirkt wie eine postapokalyptische Oper und würde sich hervorragend als Filmmusik eignen. Es besitzt eine messerscharfe und massive Produktion. Der satte  und stahlbetonharte Sound, den Romeo in seiner unaufhaltsamen Phrasen-Kanonade produziert, tritt im Klangbild des Albums noch einmal kräftig hervor – vor allem wenn man ihn mit der Produktion der jüngsten Symphony X-Alben vergleicht. Das bedeutet, dass die Gitarre auf diesem Werk absolut dominiert. Gleichzeitig entwickelt sie eine ausgeprägte musikalische Verführungskraft und Melodiosität. Obwohl das Album von blitzschnellem Gitarren-Shredding und der ungezügelten Energie außergewöhnlicher Gitarrensoli durchdrungen ist, scheint durch es auch die Frühphase der künstlerischen Karriere von Symphony X hindurch. Es wirkt nämlich wie der düstere Bruder von »Chapter V: The New Mithology Suite« – nur selbstverständlich deutlich besser produziert. Den wahrscheinlichen Höhepunkt des Albums, der die energetisch-expressiven Elemente des genannten Symphony X-Albums und von »War Of Worlds Pt. 1« zusammenbringt, bildet zweifellos Believe.  Vor allem dank der üppigen Fülle an sinfonisch-orchestralen Arrangements und dem vokalen Ansatz des herausragenden Rick Castellano, der sich auf dem gesamten Album ausschließlich auf reinen, hochmelodischen Gesang beschränkt. Würde man seinen Gesang nämlich durch den Vokalansatz ersetzen, mit dem (nach »Odyssey«) Symphony X-Sänger Russell Allen zu Werke geht, könnte Symphony X das Album »War Of Worlds Pt. 1« ohne Weiteres unter ihrem Namen veröffentlichen. Dafür, dass die Geschichte des neuen Soloalbums von Michael Romeo nicht allzu »schwarz-weiß« wirkt, sorgen Momente im Album, die Romeo sich sehr wahrscheinlich kaum hätte erlauben können, wenn er Musik für Symphony X komponiert hätte. So zum Beispiel Fucking Robots – ein extrem aggressiver und besonders düsterer Track, der ein ausgesprochen gewagtes programmatisches Muster besitzt, das den Aufstieg und den Aufstand der Roboter und Maschinen, die die Menschheit unterjochen wollen, eindrucksvoll zum Leben erweckt.

Das ist ein Album, das sich alle Liebhaber der edelsten Beherrschung der Sechssaiter-Theorie unbedingt anhören müssen – wobei man die progressiven Ansätze außer Acht lassen sollte, die Bands der neuen Zeit und neuen Generation wie Beyond Creation, Animals As Leaders und weitere schon vor einer Weile ins Reich des Metals eingeführt haben. Fans der zuvor genannten Bands wird »War Of Worlds Pt. 1« nämlich »veraltet« vorkommen, wenn nicht gar leicht langweilig. Ansonsten ist das ein Album, das echten Fans von Symphony X auf den Leib geschrieben ist – und allem, was die filigrane Feinmechanik der »Gotteshände« Michael Romeos in kompositorischer Hinsicht zu berühren vermag.

Besetzung

Michael Romeo – Gitarre, Keyboards, Orchestrierungen
Rick Castellano – Gesang
John DeServio – Bassgitarre
John Macaluso – Schlagzeug

Produktion

Mihcaael Romeo

Tracklist

01. Introduction 
02. Fear Of The Unknown 
03. Black 
04. F*cking Robotos 
05. Djinn 
06. Believe 
07. Difference 
08. War Machine 
09. Oblivion 
10. Constellations

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