V svojem filmu
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Zoran, Jernej
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: 2017
Laufzeit: 38:05
Bewertung: 4.5/5
Jernej Zoran ist »V svojem filmu«. Eigentlich ist es jeder von uns, man muss sich nur daran erinnern. Hin und wieder, wenigstens ein paarmal im Leben. Nun, über Jernej muss man nicht viele Worte verlieren. Der aus Šentjernej in der Dolenjska stammende Mann hat sich schon in der Vergangenheit als hervorragender Komponist und Gitarrist erwiesen, kurz gesagt als musikalischer Visionär. Er versteht es stets, sowohl den anspruchslosen als auch den anspruchsvollen Zuhörer außerordentlich geschickt anzusprechen. Auch das Album »V svojem filmu« ist die Fortsetzung früherer Geschichten, die durch die beiden außerordentlich qualitätsvollen Vorgängeralben »Stratosfera« (2012) und »Romeo, Julija in tatovi sonca« (2015) vertreten werden. Das neue Album bestätigt Jernejas weiteres künstlerisches Reifen und erhält – was am wichtigsten ist – die hohe kreative Inspiration und Energie, die ihn in den letzten Jahren begleitet und überhaupt die Grundlage für die regelmäßige Veröffentlichung neuen, autorischen, hochwertigen Materials bildet.
Auf dem Album »V svojem filmu« probiert sich Jernej mehr als je zuvor in der Rolle des Leadsängers aus. Nur bei zwei Songs hat er diese Rolle einem anderen Gast überlassen, nämlich dem weiblichen Gesang, den Urška Bakovič in den Songs Povej und dem abschließenden Bodi to, kar si übernimmt. Jernej hat gespürt, dass der Einsatz seiner eigenen Vocals diesmal eigentlich notwendig ist, da die Texte, die er für die neuen Songs beigesteuert hat, besonders intim und persönlich bekenntnishaft sind. Das Wesentliche bei diesem ganzen »kühnen Gesangsexperiment« ist die Erkenntnis, dass Jernej – obwohl er in erster Linie ein Gitarren-»Schamane« ist – alle seine Leadgesänge völlig ordentlich und souverän meistert. Wenn man wirklich pingelig sein will, klingt nur das Liebeslied Mavrična princeska etwas vokal naiv. Das liegt eben in der Natur des Songs. Jernej Zoran ist zwar nicht die Art von Sänger, den man unbedingt als Leadvokalist auf Alben suchen würde, noch besitzt er die spezifischen oder einzigartigen klanglichen Charakteristiken der Vokalinterpretation, durch die er sofort einprägsam wäre – aber er hat die Vocals auf einem zufriedenstellenden Qualitätsniveau gesungen. Die Darbietung nimmt den Songs (als Ganzes) keinen Augenblick lang ihre Ausdruckskraft oder kompositorische Glaubwürdigkeit (Souveränität). Das ist auch der Kern des Schritts, den Jernej erfolgreich umgesetzt hat.
Der Charakter der Songs trägt einen ausgeprägten Blues-Stempel und lässt gleichzeitig erkennen, dass Jernej das Gestalten von Kompositionen bei Meistern wie Peter Frampton, David Gilmour, Steve Miller, Eric Clapton,… gelernt hat. Die kühnen Gitarren-Eskapaden, bei denen der Mann stets geschickt mit dem ursprünglichen kompositorischen Axiom »weniger ist mehr« umgeht und die Töne raffiniert platziert, um stets melodische Eingängigkeit zu bewahren, verraten den einzigartigen Charme der ewig unvergänglichen The Eagles. Kurzum, das Album »V svojem filmu« ist genau das, was sein Titel verspricht. Ein in Slowenien einzigartiges und alleinstehendes Manifest rockender Kühnheit. Während Alben dieser Genre-Prägung wie »V svojem filmu« in den USA, Kanada und Großbritannien in Hülle und Fülle existieren, sind sie bei uns (gerade in heutigen Zeiten) eine große Seltenheit. Mit einem Wort: Endlich ein echtes slowenisches Rock’n’Roll-Album ohne einen Hauch des Alternativrock-Charakters, der sich meist gerne in den bekenntnishaften Gitarrensound slowenischer Bands einschleicht.
Das neue Album enthält zwei Instrumentalstücke. Das erste ist das herzlich bluesrockmäßig gewürzte Ejdžent Kuper, das zweite ist eine der stärksten Kompositionen des Albums namens Keru unu (wahrscheinlich aus dem Dialekt der Dolenjska für »Katero tisto« abgeleitet), die mit unglaublicher Eingängigkeit anspricht und dabei ein wunderschönes Gefühl der hochkompatiblen Verschmelzung starker Gitarrenphrasen und führender musikalischer Formen des Songs erzeugt. Dieser Song beschwört dabei auch unglaublich erfolgreich einen Hauch von Mystik auf das Album.
Die Qualität dieses Albums liegt auch in seiner hervorragenden Produktion. Ein lebendiges, dynamisches, knapp kontrastiertes und ausgefülltes Klangbild. Das Album trägt eine lebendige Vibration, sein Sound basiert auf dem Einfangen analoger Wärme. Das in drei Studios mit Sitz in Šentjernej, Kočevje und Novo mesto aufgenommene Album klingt vollblütig rockerisch und dabei sucht die Musikalität und kompakte Gestaltung aller Tracks stets die Gunst der Radiorotation (was bei Jernej eine Konstante ist).
Auch diesmal handelt es sich um elf starke autorische Kompositionen mit ausgeprägter Ausstrahlung, geschickt und sorgfältig verpackt in ein Format musikalischer Eingängigkeit und der richtigen Dosis rockiger Schlagkraft mit lebendigem Nachhall. Jernej präsentiert sich auch auf dem neuen Material als außerordentlich starker und geschickter »Songwriter« (Komponist). Die Arrangements sind geschickt gewürzt mit stets reizvollen Gitarrenornamenten und drücken stets den funkensprühend spielerischen Touch von Jernejas Inspiration und seinen Einfällen bei der Suche nach den passendsten kompositorischen Lösungen aus. Alles steht an der richtigen Stelle, einschließlich der »Mid-Eight«-Passagen. Die Songs erhalten eine ständige musikalische Fluidität kompatibler Verbindungen im Verhältnis Strophe – (Pre-Chorus) – Chorus. Jernej weiß und versteht genau, welche Teile der Songs er im produktionstechnischen wie auch kompositorischen Sinne kontrastreich hervorheben und einfärben muss (durch raffiniert dosierte, kurze aber knackige Akzente zusätzlich beleben), um daraus in der Folge noch mehr Kraft in der Ansprache des Zuhörers herauszuholen. Darin bleibt er ein Meister. Auch seine Gitarre besitzt einen wunderschönen, natürlich klingenden Ton, der nicht nur in den Leadphrasen, sondern vor allem in den Soli (diese bleiben Jernejas größte Ausdrucksstärke – hör dir zum Beispiel das außerordentliche Abschlusssolo des Songs Odklopljeni svet aus erster Hand an) sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht, da er in Leidenschaft und Emotion wirklichkeitsnah anspricht. Wirklich, das ist die Ausdruckskraft der größten weltweit bekannten Rock’n’Roll-Bands, deren Sound auf der Ausdrucksstärke der Gitarristen »steht oder fällt«.
Die Texte sind voller konkreter Erkenntnisse, mal gesellschaftskritisch engagiert (Veliki brat, Pogum, Povej), mal persönlich bekenntnishaft (auch romantisch, wie das eröffnende Avešunfiling) – und trotz bitterer Einsichten dabei stets aufbauend. Sie sprechen mit Optimismus, auf aufrüttelnde Weise (Povej, Bodi to, kar si, Magija). Es ist schwer, die Höhepunkte des Albums herauszufiltern, die gleichwertige Gestaltung der neuen Kompositionen ruft wieder einmal unglaublich effektiv nach allgemeiner Radiorotation. Überhaupt, als würde man kurz die frühen Achtzigerjahre noch einmal erleben. Nach dem Album »Na zahod« der Band Drevored ist das neue Album von Jernej Zoran der zweite außerordentlich starke autorische Meilenstein auf dem slowenischen Rock’n’Roll-Parkett – beide zu Beginn des Jahres 2017 erschienen. Als solches verdient es die volle Aufmerksamkeit, sowohl in den Augen der breiten slowenischen Musiköffentlichkeit als auch im Programm des nationalen Radios, besonders bei der Stärkung der gesunden slowenischen Mainstream-Musik und damit der slowenischen Rock’n’Roll-Kultur.
Jernej Zoran – Avešunfiling (offizielles Video):
Besetzung
Jernej Zoran – Gitarre, Keyboards, Bassgitarre, Perkussion, Gesang
MITWIRKENDE MUSIKER:
Urška Bakovič – Gesang auf Songs Nr. 6 und 11
Sebastijan Podlesnik – Bassgitarre auf Song Nr. 11
Miha Recelj – Schlagzeug
Primož Velikonja – Schlagzeug auf Songs Nr. 1 und 11
Produktion
Jernej Zoran
Tracklist
1. Avešunfiling
2. Veliki brat
3. Magija
4. Ejdžent Kuper bluz
5. Mavrična princeska
6. Povej
7. Stara ljubezen
8. Pogum
9. Keru unu
10. Odklopljen svet
11. Bodi to, kar si