Underneath
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Beck, Robin
Label: Her Majestys Music
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 41:03
Bewertung: 4/5
Das zehnte Album der langen Karriere der hervorragenden Rocksängerin Robin Beck mit dem Titel »Underneath« kommt wie gerufen inmitten der ganzen Flut von diesem und jenem. Wenn du reinhörst, wird schon nach wenigen Momenten klar, dass es von einem Team erfahrener Musikprofis erschaffen wurde, die genau wissen, wie man »zündende« hymnische Melodien komponiert und »Studiotricks« einsetzt! Es ist ein Album, auf dem die Sängerin ihre traditionelle Rockerpose – unbestreitbar solide verankert in der elementaren Reichweite der AOR-Tradition – erfolgreich mit dem modernen Einfluss trendiger Klanggestaltungsmerkmale im Studio vereint hat. Mode und Tradition – hier erfolgreich gekreuzt! Die Zügel bei der Klanggestaltung des Werkes hielt jedenfalls ihr Mann James Christian in den Händen – der im Übrigen der unangefochtene Chef der amerikanischen Band House Of Lords ist –, der nur einen Monat vor seiner Frau ebenfalls sein eigenes Solo-Studioalbum veröffentlicht hatte.
Beck hat in ihrer Karriere kein schlechtes Album gemacht, den kommerziellen Erfolg erlebte sie jedoch erst zehn Jahre nach dem Debüt – und zwar mit dem legendären Album von 1989 mit dem Titel »Trouble Or Nothing«. Das gilt heute als die ultimative Hard-Rock-Klassik, die jeder Haushalt dieser Galaxie in seiner Plattensammlung haben muss, wenn er etwas auf sich hält. Die Hit-Single First Time ist einer der berühmtesten Hard-Rock-Standards und ewigen Evergreens, die je an die Oberfläche dieser Erde katapultiert wurden.
Auch »Underneath« setzt die Richtung der Charakteristiken früherer Werke von Beck fort und behält die hohe kompositorische Ausdrucksschärfe des Vorgängers »The Great Escape« (2011) bei. Also ein neues hervorragendes Album, das kein »künstlerisches Danebenschießen« kennt. Auch diesmal ist Beck von einer bewährten Schar erfahrener Studio-Profis umgeben, die ihren Job gekonnt hinkriegen und das Beste abliefern! Neben den bewährten James Christian und dem schwedischen Genie Tommy Denander wirken auf dem Album auch Glen Burtnik, Barry Jay und Fiona mit. Da sind noch die anderen feinfühligen Arrangeure und Schmiede ansteckender Eingängigkeit wie Daniel Volpe und Thomas Lipp, bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit dem niederländischen Teenageridol Jeronimo und der deutschen Frauengruppe Monrose. Darüber hinaus haben ihre kompositorischen Ideen für dieses Album auch die Gewinner des schwedischen Eurovision Song Contest 2013, Linnea Deb und Joy Deb (Robin Stjernberg), beigesteuert, sowie Charlie Mason (Miley Cyrus), Mark Smith (Cinema Bizarre), Christian Rabb und Frida Molander (Nina Zilli).
Robin Becks Stimme wird mit den Jahren immer süßer. Sie wirkt fantastisch. In jeder Situation. Sie kann nicht versagen. Die Kraft, die sie entfaltet, überwältigt immer noch auf Anhieb mit ihrem großen Ausdruckscharakter, die melodische Ausschöpfung der Stimmfarbe bleibt makellos, und brillant fügt Robin ihrer melodisch reinen Haltung – wie immer – mal mehr, mal weniger eine Prise Rauheit hinzu. Das verleiht der Sängerin jenen berühmten, unverkennbaren und süßlich verführerischen Fatale-Charme, mit dem sie ihre Songs schon immer zu bewaffnen wusste. Eine weibliche Künstlerin an der Position des Lead-Vocals muss im Bereich des melodischen Hard Rocks genau diese Charakteristik abliefern können! Und Robin beherrscht das mit dem kleinen Finger der linken Hand. Eines der schönsten Beispiele für die außergewöhnliche Palette an Stimmcharakteristiken, mit der Beck meisterhaft verschiedenste Stimmungen in den Songs einfärbt, ist im dritten Track Sprain eingefangen – und gegen Ende in einer der besten Kompositionen des Albums, I Swea Nights. Der Opener Wrecking Ball, mit einer erstklassigen Adrenalinbombe im packenden Refrain, gilt zweifellos als einer der besten Songs ihrer gesamten Karriere und nicht nur des Albums »Underneath«. Der Titeltrack ist ein echter aufgerauter Eisbrecher, eingefangen in einer fantastischen Power-Hard-Rock-Ballade, die clever mit Pop-Elementen gekreuzt ist und sich auf dem Album am legitimsten dem ewig grünen First Time annähert. Punkige Unverschämtheit bringt Catfight in genau der richtigen Dosis – gleichzeitig hält sie noch immer eine sanfte Pop-Frisur, weshalb es nicht schwer ist, sich dabei auch die Vocals von Künstlern wie Roxette oder sogar Pink vorzustellen.
Unter all den Ausflügen in die Neuheiten des Pop-Rocks der letzten Dekade, wie ihn MTV liebt (ich rede vor allem von jenem, den sie den Massen unter dem Etikett »alternativ« verkaufen), gelingt Check Your Attitude auf diesem Album die erfolgreichste Annäherung. Das ist die größte Abweichung auf einem Album, das in seiner Grundlage noch immer der Tradition der Old-School des melodischen Hard Rocks verschrieben ist. Die Ballade Buirning Me Down ist eine Art Familienangelegenheit, denn es handelt sich dabei um ein Vokalduett mit James Christian – in den Hintergrundgesang taucht sogar ihre Tochter Liv auf. Dass James Christian überall seine Finger im Spiel hat, kündigt auf dem Album am deutlichsten der Track Perfect Storm an, der als einer der dunkelsten und dramatischsten Songs des Albums gilt.
Ein unglaublich ansteckendes Album. Robin Beck hat wieder ein Zeugnis außergewöhnlicher Vocal-Performance abgeliefert, und in Kombination mit einem fähigen Arrangement-Team ist ohnehin nichts anderes zu erwarten. Die Komponisten legen ihr die Melodie buchstäblich auf die Stimme, damit sie in der Interpretation ihr Optimum erreicht! »Underneath« ist also das Album, mit dem Robin Beck ihren neuen künstlerischen Frühling weiterhin in voller Blüte erlebt – und eine absolute Pflicht für jeden eingefleischten Liebhaber des melodischen Hard Rocks! Das Album liefert eine hervorragende Mischung aus aufgerauten Hard-Rockern, großen Balladen sowie Tracks, die kompositorisch in der Schablone neuerer modischer Rock-Trends geschnitten sind! Angesichts des gegebenen Vektors der Radiotauglichkeit (Pop-Element). Ganz einfach. Nach dem, was »Underneath« zeigt, ist klar, dass Robin Beck der Szene noch ein schönes Bündel heißer Rock-Leckerbissen liefern wird.
Besetzung
Robin Beck – Gesang, Hintergrundgesang
James Christian – Gitarre, Keyboards, Bassgitarre, Hintergrundgesang
Tommy Denander – Gitarre
Jimi Bell – Gitarre
Jeff Batter – Keyboards
Bj Zampa – Schlagzeug
Fiona – Hintergrundgesang
Liv Beck – Hintergrundgesang
Produktion
James Christian
Trackliste
01. Wrecking Ball
02. Aint That Just Like Love
03. Sprain
04. Underneath
05. Catfight
06. Check Your Attitude
07. Burnin Me Down
08. Perfect Storm
09. Ya Can’t Figth Love
10. I Swear The Nights
11. Follow You