Ultralive Ballisticrock (2CD)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Nugent, Ted
Label: Frontiers Records
Erschienen: 2013
Laufzeit: 116:14
Wertung: 3.5/5

Ted Nugent ist ein »Tier«.  Die legendäre »republikanische Bestie« mit dem Spitznamen »Motor City Mad Man« ist auf seiner 2011er Tour unter dem Titel »I Still Believe Tour« durch die ganze Heimat geritten, auf die er so unglaublich stolz ist — und reizt uns mit diesem Stolz so wirkungsvoll, sobald die Rede auf seine gezielt platzierten provokanten Aussagen kommt. Der ganze Sinn dieses Nugent’schen Zirkusgehabes, das der Kerl mit seinem losen Mundwerk produziert, liegt natürlich darin, sich auf diese Weise dauerhaft die Türen zur permanenten Präsenz in den führenden amerikanischen Medien weit offen zu halten. Ja. Klingt pathetisch. Geradezu erbärmlich. Sehr pathetisch, wenn man diese Tatsache mit dem Axiom verbindet: »Die Musik soll allein für sich sprechen und nichts weiter!« Der gute alte Sprücheklopfer Ted, der allerdings seit 2007 kein neues Studioalbum mehr veröffentlicht hat. Man kann also heute von ihm sagen, dass er im kreativen Sinne so ausgetrocknet ist wie die weite Sahara oder die Oberfläche des Mars.  

Ted, man könnte sagen ein Nomade der Neuzeit, ist bekannt für seine außergewöhnlichen Konzertspektakel. Der Kerl liefert das Maximum. Der Energie-Output ist gewaltig, und Konzertveröffentlichungen von Ted Nugent — ob als  offizielle Releases oder Bootlegs — sind daher alles andere als eine Seltenheit. Sie sind immer aktuell.  

Ungeachtet der Tatsache, dass Nugent in den letzten sechs Jahren kreativ »trocken wie Pfeffer« war, zählt sein Opus fast ebenso viele Konzert- wie Studiowerke (die seit 1975 ein fester Bestandteil sind), von den diversen legal und/oder illegal veröffentlichten  »Best-of«-Kompilationen dabei lieber gar nicht erst zu reden. Auch »Live Ballisticrock« ist genau das, was man von Nugent erwartet, wenn der Mann an die Front der Konzertbühne tritt. Absolute, bestialisch entfesselte Präsenz — ein nackter Klotz, der durch die Essenz des Rock ’n‘ Roll bricht!  Natürlich einzigartig. »Serviert mit geräuchertem Schinken und Spiegeleiern« also. Cowboy mit Ranch! Direkt ins Herz der Sache! Nugent hat die Grundformel des Rock ’n‘ Roll mit einer Schicht Blues-Musik gekreuzt und über seine gesamte kreative Karriere einen außergewöhnlichen hochspannungsgeladenen Output einer hochintensiven Power-Blues-Rock-Variante herausgearbeitet, die grob gesagt seinen musikalischen Ausdruck definiert.

Große Philosophie sucht man hier also vergebens. Aber eines ist klar: Solche Musik funktioniert am besten live und hinterlässt ,in ihrer Live-Interpretation, beim Zuhörer den größten Effekt — wenn wir von der Greifbarkeit ihres expressiven Inhalts sprechen. Man kann sagen, dass Nugent auch in seinen („Ohoho!“) 40 Jahren Bühnenaktivität seine Seele auf der Bühne lässt. Daran besteht kein Zweifel, auch wenn man in den Inhalt dieses neuen Konzertalbums eintaucht. Die Kompositionen sind gespickt mit langen Jam-Passagen, in denen natürlich Nugent mit seinen unerschöpflichen Gitarren-Eskapaden im Vordergrund steht. Seine Gitarre knarrt und kracht wieder unaufhaltsam, und neben Nugents roh durchdringender Vokalcharakteristik — stellenweise schon fast schreiend — erzielt das Konzertdokument einen neu wirkungsvoll ausgearbeiteten Klangertrag. Dazu gibst du nur noch eine kompakte Rhythmussektion und höchstens noch eine Rhythmusgitarre, die die Gitarrenphrasen festigt.

Nugent wird auf der Bühne von einer außergewöhnlichen Crew begleitet, bestehend aus seinem legendären Kumpel noch aus den Siebzigern, Derek St. Homes (Gitarre, Gesang), dazu Dokken-Schlagzeuger Mick Brown und Ex-Rainbow-Bassist Greg Smith. Nugent wandelt durch den Katalog seiner bekanntesten klassischen Songs und Alben, die ihn schon in den Siebzigern für immer mit fetten Buchstaben auf die Landkarte des Rock ’n‘ Roll geschrieben haben. Nugent bleibt nach wie vor das, was er schon immer sein wollte. Oder zumindest das, als das er für immer in aller Erinnerung bleiben wollte. Ein talentierter musikalischer »Irrer«. Von einzigartigen Ausmaßen! Dies ist also ein Doppel-Konzertdokument, das Fans seiner Musik sofort in die Hand nehmen werden. Es ist ein Erlebnis, bei dem sich alle Kräfte der Hölle von der Kette reißen und jedes Zögern und Zaudern verboten ist. Purer, zerstörerischer Rock-Exzess. Bei höchster Ausführungsqualität bleibt Nugent in seinem bekannten Bühnenexzess also ein durch und durch glaubwürdiger musikalischer Höllenkerl.

Jene Rockfans, die ein höheres Maß an Aufmerksamkeit entwickelt haben und über die Jahre des Musikhörens ein feines Gespür für klangliche Feinmechanik geschärft haben, werden auch diesmal auf eine harte Nuss stoßen. Nugents Ego ist nämlich unerbittlich, und seine Ausrufe zwischen den Jams sowie sein Gebrüll wirken buchstäblich störend und aufdringlich. Darauf muss man vorbereitet sein und das muss man akzeptieren, sonst ist dieses Album kaum zu ertragen. Denn genau diese ständigen Ausrufe Nugents überdecken buchstäblich die Gitarrenphrasen. Das ist eben der Preis. Aber das ist bei Nugent, »dem Detroiter Rock ’n‘ Roll-Dynamit«, schon längst keine neue Erkenntnis mehr.

Besetzung

Ted Nugent – Gitarre, Gesang
Derek St.Holmes – Gitarre, Gesang, Hintergrundgesang
Greg Smith – Bassgitarre
Mick Brown – Schlagzeug

Tracklist

CD1.:
1. Free For All
2. Stormtroopin‘
3. Wango Tango
4. Just What the Doctor Ordered
5. Wang Dang Sweet Poontang
6. Need You Bad
7. Turn It Up
8. Raw Dogs & War Hogs
9. Dog Eat Dog

CD2.:
1. Hey Baby
2. Fred Bear
3. I Still Believe*
4. Motorcity Madhouse
5. Cat Scratch Fever
6. Stranglehold
7. Great White Buffalo

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